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Begräbnis und Tod als Mysterium

Neue Erfahrungen eines Homo sapiens-Clans

Wann genau der erste Homo sapiens geboren wurde, wird für immer ein Geheimnis bleiben. Als sicher gilt jedoch, dass Homo erectus bereits mehr als eine Million Jahre sehr erfolgreich die Erde besiedelte, als der "neue Mensch" sich auszubreiten begann. Wir verfolgen nun einen Clan der Homo sapiens.

Sapiens verließ Afrika ebenfalls und erkundete zunächst den Mittleren Osten. Auch die Ursache seines Exodus ist nicht geklärt. Sicher ist, dass er unterwegs viel lernte. Er begann Kleider zu tragen, entwickelte einen Sinn für Schönheit und stellte komplexere Werkzeuge her. Seine Gedanken und Vorstellungen machten aus ihm einen völlig neuen Menschentypus. Im mittleren Osten, 100.000 Jahre vor der Geburt Christi, entwickelte Sapiens erstaunliche Bräuche.

Tragödie im Gewitter



Neeka, der "Junge", aus dem Sapiens-Clan wird bald eine Antwort auf die große Frage nach dem Mysterium des Todes geben. Der Clan war schon den ganzen Tag unterwegs, als plötzlich Wind aufkam und der Himmel begann, Feuer zu spucken. Gewitter sind gefährlich und können sogar tödlich sein. Der Chef sieht sich nach Schutz um, aber es ist weit und breit nichts zu finden. Naoki, Neekas Schwester, gerät in Panik und läuft weg. Sie sucht einen Unterschlupf unter Bäumen - bei Gewittter ein fataler Fehler. Ihre Mutter folgt ihr, um sie zu beschützen - die Tragödie nimmt ihren Lauf.

Ein Lichtstrahl, seine Mutter und seine Schwester werden niedergestreckt und ein fremdes, gehörntes Tier erscheint. Neeka sieht genau, was geschieht, aber er kann es nicht deuten. Sie bewegen sich nicht mehr. Neeka hat ihnen nicht helfen können. Der Chef sieht sofort, dass das Leben die Körper verlassen hat. Aber Neeka will es nicht glauben. Er weigert sich, auf die anderen zu hören. Der Chef möchte diesen gefährlichen Ort so schnell wie möglich verlassen, aber Neeka will bleiben. Für Neeka war das Tier ein Zeichen. Der Chef versteht nicht, aber er will Neeka auch nicht allein zurücklassen.

Eindrucksvolle Träume

Homo sapiens ist wie Erectus ein Nomade. Sein Lager baut er aber nicht nur mit Materialien, die er vor Ort findet. Er trägt Häute und Felle auch bei sich, aus denen er stabile Schirme gegen Wind und Regen errichtet. Seine Vorstellungskraft ist aktiver und sehr wahrscheinlich sind seine Träume eindrucksvoller. Im Schlaf, so glaubt Sapiens, reist er in eine andere Welt. Eine parallele Welt, die sich direkt hinter seinen Augen befindet.



Der Clan schläft noch, als das gehörnte Tier zurück kommt, um aus dem Fluss zu trinken. Der Körper einer großen Antilope bedeutet Nahrung für jeden in der Gruppe. Für Neeka ist das Tier ganz ohne Zweifel dasselbe, das er am Vortag gesehen hat. Der Chef jagt und tötet die Antilope, nun hat der Clan Essen für viele Tage. Während der Atem des Tieres erstirbt, kehrt der Atem seiner Schwester plötzlich zurück. Neeka versteht nicht, was passiert ist, aber er glaubt fest, dass die Ereignisse zusammenhängen. Hat das Tier den Atem seiner Schwester während des Blitzes gestohlen und musste ihn nun im Tod zurückgeben?

Enorme Macht

Naoki kehrt zu ihrem Trupp zurück und die Augenzeugen der wundersamen Begebenheit werden die Geschichte immer wieder an den Lagerfeuern erzählen. Neeka aber ist nicht mehr derselbe. Hat das Tier seiner Familie durch den Lichtstrahl den Tod gebracht oder wollte es Mutter und Schwester retten? Ist es ein Feind, den es fortan zu töten gilt oder ein Freund, der Bewunderung verdient? Auf jeden Fall muss seine Macht enorm sein.

Neeka schöpft neue Hoffnung. Vielleicht enthält die Haut des Tieres noch ein wenig von dem Atem, um seine Mutter wieder zu erwecken. Langsam glaubt jeder, dass Neeka den Verstand verloren hat. Er ist besessen von der Idee, das gehörnte Tier könne seiner Mutter das Leben zurück schenken. Tatsächlich muss er nicht lange auf das Zeichen warten: Plötzlich bevölkern Geier den Himmel. Sie wollen den toten Körper holen. Aber Neeka weigert sich, seine Mutter auszuliefern. Würden die Geier das Fleisch verzehren, könnte der Atem niemals zurückkehren.

Eine weitere Überraschung


Aufgehäufte Stöcke und Steine bildeten die ersten Gräber der Geschichte. Ein Grab schützt den Toten vor Aasfressern. Gleichzeitig macht es den verwesenden Körper unsichtbar. Auch ohne Aasfresser verschwindet der Leichnam Stück für Stück, aber das Grab bleibt und damit die Erinnerung. Der Chef verlangt von Neeka, wieder zu essen. Höchstpersönlich bietet er ihm einen Leckerbissen an, was er noch nie zuvor getan hat. Tatsächlich ist er weniger an Neeka als vielmehr an dessen Wissen über sein Wunder interessiert: Er möchte verstehen, wie Neeka Naoki wieder ins Leben zurückgeholt hat. Doch nun wird er Zeuge einer weiteren Überraschung.



Neeka erzählt ihm, dass seine Mutter in einer anderen Welt lebt und dass sie unbedingt Essen benötigt. Der Junge ist fast am Verhungern, trotzdem gibt er das Fleisch an seine Mutter weiter. Das ist zu viel für den Chef. Sie braucht kein Essen mehr, denn sie ist tot. Einige beginnen jedoch, an diese andere Welt zu glauben. Denn in der Welt, die man betritt, wenn man schläft, kann man seine Toten im "Traumland" wiedersehen.

Faszinierender Glaube

Nicht alle in der Gruppe wollen in der Ebene der Himmelsfeuer bleiben. Sie sehen keinen Sinn darin, in dieser Einöde zu leben und suchen sich lieber einen anderen Clan, wissen nicht, was sie von den seltsamen Ereignissen und Neekas Veränderung halten sollen. Trotzdem sind sie fasziniert von seinem ernsthaften Glauben und seiner ungewöhnlichen Erscheinung. Einige nehmen die Idee, dass Neekas Mutter und das gehörnte Tier in einer anderen Welt weiterleben mit und berichten anderen davon.



Durch sein Hungern ist Neeka in der Lage, auch am Tag in die andere Welt zu sehen, wohin diejenigen gehen, die keinen Atem mehr haben. Er sieht seine Mutter zusammen mit dem gehörnten Tier. Sie schaut ihn an und er fühlt: "Es ist alles in Ordnung." Nie mehr muss sie hungern oder frieren. Diese Gedanken waren vielleicht die Anfänge religiöser Vorstellungswelten. Ein außergewöhnlicher Flug der Einbildungskraft, die Sapiens mit einer phänomenalen Kraft ausstattet: Hoffnung. Die Idee der Unsterblichkeit verbreitete sich unter den Menschen und linderte die Angst vor dem Sterben.

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