Beherrscher Europas

Napoleon unterwirft den Kontinent

Nach knapp tausend Jahren hört das Heilige Römische Reich Deutscher Nation auf zu existieren. Statt dessen schützen deutsche Vasallen Frankreichs Ostflanke. Doch der Krieg geht weiter. Napoleons Grande Armée überrennt Preußen. Napoleon zieht in Berlin ein. Den Angriff seiner Feinde hat er zu seinem Triumph gemacht.

Der Kaiser regiert nun ganz im Stil der alten Könige. Er lässt Schloss Fontainebleau mit verschwenderischer Pracht ausstatten. Von hier kommandiert Napoleon Europa wie eine Armee - mit rastloser Energie und harter Hand. Er behandelt den Kontinent als Kolonie. Setzt seine Verwandten auf die Throne der besiegten Länder. Sein Gesetz, der Code Civil, regiert fast ganz Europa. Unrecht verhindert es nicht.

Freunde werden zu Feinden

Tatsächlich eint Napoleon den Kontinent - doch am Ende gegen sich. Sein autoritäres Regime macht selbst Freunde zu Feinden. Es gärt in seinem Riesenreich, dem er die Segnungen der Revolution versprochen hat. Stattdessen schickt er immer neue Armeen auf immer neue Schlachtfelder. In Kriege, die Sieger und Besiegte gleich viel Blut kosten. Und Zehntausende von Toten, Jahr für Jahr. Napoleon, der selbsternannte Vater seiner Soldaten, muss hilflos mit ansehen, wie eine ganze Generation auf dem Schlachtfeld verblutet - so erzählt es die Legende. In Wahrheit wird der Bringer von Freiheit und Brüderlichkeit zum weltfremden Zyniker. Er verspottet die Opfer auf dem Schlachtfeld: "Eine Nacht in Paris macht das wieder gut."

Während der Kontinent in Flammen steht, gibt sich der Kaiser gerne standesgemäßen Freuden hin. Er hat zahlreiche Affären. Die polnische Gräfin Marie Walewska ist die einzige, in die er sich ernsthaft verliebt - auch wenn er es später abstreitet: "Madame Walewska hat mir mein Außenminister besorgt. Sie hat sich nicht gesträubt ... Meine wahre Geliebte war die Macht. Ich habe nie geliebt, nicht mit dem Herzen, höchstens vielleicht Joséphine. Sie war das verführerischste, das bezauberndste Wesen, das ich gekannt habe. Aber ich schätzte sie nicht, denn sie hat zuviel gelogen."

Die Kaiserin steht im Weg

Schloss Malmaison wird der Rückzugsort für eine gekränkte Kaiserin Joséphine. Der Kunstsammler Pierre-Jean Chalencon hat ein Dokument entdeckt, das ein Schlaglicht auf den Liebhaber Napoleon wirft. Mit einem Buch kontrolliert Napoleon eigenhändig die Ausgaben des kaiserlichen Haushalts - vor allem die der Kaiserin. Er wirft ihr Verschwendungssucht vor. Joséphine ahnt die wahren Gründe. Sie fühlt sich alt - und abgelegt. Napoleons Briefe werden selten. Er führt - wie immer - Krieg und hat Affären. Die Frau, die er einst zu begehren schien wie sonst nichts auf dieser Welt, steht nun seinen Plänen im Weg. "Ich wünschte mir, die Kaiserin würde sterben", soll er gesagt haben.


Napoleon wollte einen Erben. Er wusste, wenn er sich von Joséphine trennt, verliert er seinen Glücksstern. Aber er wollte einen Sohn, das war der Grund der Trennung. In die Gemächer von Schloss Fontainebleau zieht schnell eine Neue ein. Die Heirat mit Marie-Louise von Habsburg soll ein Zweckbündnis mit Österreich besiegeln. Sie schenkt ihm den ersehnten Erben. Doch das inszenierte Bild täuscht, es folgt kein Rückzug ins Familienglück: "Die letzten Schritte zur Universalmonarchie schienen kaum etwas zu kosten. Wenn die Russen nicht Moskau verbrannt hätten, so wäre ich Russlands Meister gewesen."

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