Bekehrung zum Christentum

Siegeszug einer "neuen" Religion

Die Angelsachsen waren noch Heiden, als sie um 430 nach Christus britischen Boden betraten und sie blieben es lange Zeit. Bald wurden aber auch sie mit christlichem Segen bestattet. Mitte des 7. Jahrhunderts waren die englischen Königreiche christlich.

Aber es gab keine kirchliche Einheit: So wurde zum Beispiel in Withby, im Reich des König Oswiu, zweimal Ostern gefeiert: einmal nach irisch-schottischem, einmal nach römisch-katholischem Kalender. Und man musste am Hof zweimal fasten. Um diesen Missstand zu beheben, sollte die irische und die römische Kirchenpartei dem Könige ihre Argumente vortragen: Deshalb rief er im Jahre 664 zu einer Synode nach Withby. Ein Disput mit "welthistorischen Folgen".

Der irische Mönch Colman brachte vor: "Ostern begehe ich an dem Tag, an dem ihn alle meine Gott wohlgefälligen Vorfahren gefeiert haben und wie es uns der Evangelist Johannes gelehrt hat." Es sei seltsam, befand er, dass die Römer an ihrem Brauch Anstoß nehmen. Aus der Sicht Roms war das sektiererischer Provinzialismus. Wilfrid, der Abgesandte des Papstes, entgegnete: "Wir feiern Ostern wie es uns der Apostel Petrus lehrte. Und so wird es befolgt in Rom, in Africa und Asien, in allen Ländern und allen Sprachen der Kirche Christi, am selben Tag zur selben Zeit. Außer von jenen Scoten und Briten, die auf dieser entlegenen Insel gegen den Rest der Welt opponieren."

Entscheidung für das Papsttum in Rom

Colman berief sich auf Johannes, den Lieblingsapostel Jesu. Petrus sei der Erste unter den Aposteln. Für König Oswiu war klar, Petrus, dem Himmelspförtner, wollte er gehorchen. Damit wurde - im Jahre 664 im Kloster von Withby - nicht nur die Frage entschieden, wann das Osterfest zu feiern ist. Sondern es fiel auch die Entscheidung für das Papsttum in Rom.

"Tu es Petrus: Auf diesen Fels will ich meine Kirche bauen." Die Vorstellung der Angelsachsen, Petrus höchstpersönlich öffne ihnen mit seinem Schlüssel das Himmelstor, nahm sie auch für seine Nachfolger, die Päpste, ein. Viele Angelsachsen pilgerten fortan nach Rom zum "Petrusstuhl", zum Stellvertreter Gottes auf Erden. So waren es ausgerechnet die Angelsachsen, die dem Bischof von Rom, dem Papst, zu seiner universellen Macht verhalfen.

Abkehr von den germanischen Göttern

Die Bekehrung zum Christentum, die Abkehr von den germanischen Göttern, fand auch bei den Völkern statt, die es vorher zutiefst abgelehnt hatten. Davon zeugt die Kathedrale von Reims. Ende des 4. Jahrhunderts waren die Franken über den Rhein gekommen, um die römische Provinz Gallien in Besitz zu nehmen. Tief in den Fundamenten der Kathedrale sind noch Relikte der römischen Thermen, der öffentlichen Bäder, zu finden.

Bei neueren Untersuchungen stießen Archäologen auf ein kleines Wasserbassin, was man zunächst für ein schlichtes Badebecken der Römer hielt. Dann stellten sie erstaunt fest, dass es nicht römisch ist, sondern aus der Völkerwanderungszeit stammt. Ist es in Wirklichkeit das Baptisterium der Kirche? Möglicherweise fand hier die Taufe eines heidnischen Germanenkönigs aus dem fränkischen Stamm der Sigambrer statt. Jedenfalls war es am Weihnachtstag - wohl des Jahres 496 nach Christus - als der fränkische König Chlodwig vor Remigius, den Bischof von Reims traf.

Sieg im Zeichen des Kreuzes

Chlodwig - so ist überliefert - hatte gelobt, sich taufen zu lassen, wenn er in der Schlacht bei Zülpich gegen die Alemannen siege. Er hatte gesiegt. Bis zum Tag seines Sieges im Zeichen des Kreuzes hatte Chlodwig - wie alle seine Ahnen - an Wodan und Odin geglaubt. Den heidnischen Göttern schwor er jetzt endgültig ab. Clodwig ist der erste germanische König, der sich römisch-katholisch taufen ließ. Eine Taufe mit "welthistorischer Bedeutung". Wie ihr König, bekannten sich noch am gleichen Tag in Reims 3000 fränkische Krieger zum Christentum.

Der neue Glaube wurde zur Staatsreligion im gesamten Abendland. Und auch die Franken, die neuen Christen, wurden Erben des zerfallenden Imperiums und Gründer eines neuen und modernen Reiches, mit seinem Kaiser Karl dem Großen. Karl als Cäsar ließ sich wie Kaiser Marc Aurel zu Pferde darstellen. Am Weihnachtstag des Jahres 800 krönte ihn der Papst zum Kaiser: "Lenker des Römischen Reiches" nannte er sich. Er schuf das größte und beständigste Reich der Völkerwanderung. Zeitgenossen nannten ihn "pater europae, Vater Europas". Mit den germanischen Reichen, der West- und Ostgoten, der Franken und Angelsachsen, und den Reichen östlich des Rheins, bildeten sich die späteren Nationen Europas heraus.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet