Berenike II.

Machtbewusst und skrupellos

Arsinoe II. ist tot. Ihre Nachfolgerin auf dem Thron stammt aus Libyen. Ihr Name: Berenike von Kyrene. Eine starke Frau. In Olympia besiegte sie ihre männlichen Konkurrenten beim Wagenrennen, berichtet der Historiker Poseidipp.

Berenike II., die Amazone. Ein Mannweib, wie manche Forscher sagen. Auf dem Rücken eines Pferdes zieht sie höchstpersönlich in den Krieg. Eine Kämpfernatur, die Respekt einfordert.

Strahlende Schönheit


Berenikes Plan geht auf. 246 vor Christus heiratet sie Ptolemäus III. und wird die erste Frau im Staat. Eine glückliche Ehe, so will es der Dichter Kallimachos wissen. Sechs Kinder gehen aus der Verbindung hervor. Der römische Autor Catull beschreibt Berenike als grazile Frau von strahlender Schönheit. Aber auch als machtbewusst und skrupellos. Eigenschaften, die sie unaufhaltsam auf den Pharaonenthron führen. Über Wohl und Wehe der Ägypter entscheidet allein das Herrscherpaar - als irdischer Vertreter des Sonnengottes Re. Vor allem die Tempeldiener im Süden des Reiches bekommen dies zu spüren.

Die Amun-Priester im Heiligtum von Karnak waren einst mächtig und einflussreich. Auch der Pharao nahm dort pflichtbewusst an den alljährlichen Prozessionen teil. Ptolemäus III. aber reist nie nach Oberägypten. Kein einziges Mal ist er bei den Opferritualen zugegen. Stattdessen etabliert er im Tempel ein neues Amt: Fortan übernimmt der "Priester des Königs" die Rolle des abwesenden Landesfürsten. Seine Bequemlichkeit lässt sich Ptolemäus etwas kosten. Er stiftet enorme Summen für den Ausbau des legendären Heiligtums. Doch er befiehlt, auf dem Euergetes-Tor eine Botschaft zu verewigen, die für die Ägypter einen Affront darstellen musste.

Ebenbürtiger Partner

Das Relief zeigt Berenike gleichberechtigt an der Seite des Regenten. Gemeinsam mit Ptolemäus opfert sie den Göttern. Nur ein Pharao vor ihm hatte es je gewagt, sich und seine Gemahlin als ebenbürtigen Partner abzubilden. Der Ketzerkönig Echnaton. Mit der Einführung eines einzigen Gottes rüttelte er an den Fundamenten des ägyptischen Glaubens und stürzte das Land ins Chaos.

Um die willensstarke Berenike kursieren schon zu Lebzeiten zahlreiche Geschichten. So auch die Legende von der "verlorenen Locke": In der Nacht, bevor Ptolemäus in den Krieg zieht, heißt es, will die junge Königin den Göttern ein Bittopfer darbringen. Berenike schneidet eine Strähne ihres Haares ab und weiht sie der siegreichen Heimkehr des Gemahls. Doch schon kurz darauf verschwindet die Locke spurlos. Der König gerät außer sich. Sein Hofastronom aber bietet ihm eine einleuchtende Erklärung. Die Götter waren so erfreut, dass sie der Locke einen Platz am Firmament zuwiesen. Das Sternbild heißt noch heute "Coma Berenices".

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