Berg der Extreme

Die Pflanzenwelt des Kilimandscharo ist in Gefahr

Der Kilimandscharo, der höchste Berg Afrikas, ist mit seiner weißen Gletscherkappe unverkennbar. Hier herrschen Bedingungen wie nirgends sonst auf der Welt. Der ständige Wechsel zwischen Hitze und Kälte ließ ein einzigartiges Ökosystem entstehen, in dem sich Pflanzen auf unterschiedlichste Weise den Extremen angepasst haben. Doch ihr Schicksal ist ungewiss, denn die Gletscher beginnen zu schmelzen.

Kilimanscharo in einer Luftaufnahme
Kilimanscharo in einer Luftaufnahme Quelle: ZDF/Sabine Armsen

5895 Meter ist er hoch, der Kilimandscharo am nördlichen Rand Tanzanias. Als Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals der europäischer Missionar Johannes Rebmann von dem Berg mitten in Afrika berichtete und von der weißen Schneekappe auf seinem Gipfel erzählte, glaubte ihm erst einmal niemand. Nur etwa 350 Kilometer südlich des Äquators, in einem für seine sengende Hitze bekannten Land, sollte es Schnee geben? Unmöglich, dachte man damals.

Wechselbad aus heiß und kalt

Elefantenherde mit Kilimandscharo im Hintergrund
Elefantenherde mit Kilimandscharo Quelle: ap


Und dennoch ist es so - auf dem Gipfel des Kilimandscharo befinden sich Gletscher. Zudem sind die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht hier, im tropischen Hochgebirge, sehr groß. Im Extremfall steigt die Temperatur tagsüber auf 20 Grad Celsius an, während sie einige Stunden später bereits wieder auf etwa minus 15 Grad absinkt. Messungen haben ergeben, dass die Temperaturen auf dem Kilimandscharo im Tagesverlauf stärker variieren als während des gesamten Jahres - man nennt das Frostwechselklima. Kaum ist die Sonne hinter dem Horizont verschwunden, wächst zudem eine dicke Schicht aus Eisnadeln aus dem Boden.

Diese extremen Temperaturen sind eine große Herausforderung für die Pflanzen, die auf dem Kilimandscharo wachsen. In einem langwierigen evolutionären Prozess haben sie es geschafft, sich optimal an die lebensfeinlichen Bedingungen auf 4000 Meter Höhe anzupassen. Sie können so dort überleben, wo andere Pflanzen sterben. Kein Wunder also, dass viele von ihnen endemisch sind - es gibt sie nur noch hier, sonst nirgends auf der Welt.

Rosettenmantel und Frostschutzmittel

Die Pflanzen des Kilimandscharo haben ganz unterschiedliche Strategien entwickelt, um sich vor der nachts so plötzlich einbrechenden Kälte zu schützen. Eine Lobelienart, Lobelia deckenii, besteht aus einem empfindlichen Stamm, der rosettenartig von Blättern umgeben ist. Bei Tag sind die Blätter geöffnet. So kann genug Licht eindringen, und die Pflanze gewinnt Energie. Nachts jedoch schließen sich die Blätter - ähnlich wie ein Mantel, den man zuknöpft - um den empfindlichen Stamm. So dringt weniger Kälte ein. Zudem sondern Lobelien, wenn die Temperatur absinkt, aus dem Inneren ihrer Zellen Zellwasser ab. Auf diese Weise bildet sich das Eis außerhalb der Zellen, während innen eine hochkonzentrierte Zuckerlösung zurückbleibt, die als Frostschutz wirkt.

Einen anderen Trick kann man beim Kissenmoos Grimmia beobachten. Diese Moosart, die wegen ihres dichten Wuchses früher bei der Verleihung von Orden als Kissen verwendet wurde, kommt auch in Europa vor. Dort wächst sie allerdings auf Steinen und ist ganz flach, während sie auf dem Kilimandscharo auf der Erde wächst und Kugeln bildet. Dass nur hier solche Mooskugeln entstehen, hängt mit dem Eis zusammen, das nachts auf dem Boden wächst. Eine normale, im Boden verwurzelte Pflanze würde von den Eisnadeln eingeschlossen werden und ohne weitere Schutzmittel absterben. Nicht jedoch Grimmia. Da das Moos - wie alle Moose - keine richtigen Wurzeln besitzt, lässt es sich einfach von dem wachsenden Eis mit nach oben schieben. Wird es am nächsten Tag wieder warm, schmilzt die Eisschicht, und das Moos sinkt mit hinab. Dieses tägliche Auf und Ab sorgt dafür, dass Grimmia immer wieder umkippt und so kugelförmig auswächst.

Schrumpfende Gletscher

Die weiße Gletscherkappe macht den Kilimandscharo unverkennbar und fasziniert die Menschen bereits seit mehreren Jahrhunderten. Umso beunruhigender ist es, dass manche Wissenschaftler behaupten, die Kilimandscharo-Gletscher könne es bereits in zwanzig Jahren nicht mehr geben. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren große Teile des Gipfels mit Gletschern bedeckt, dicke Eisschichten schoben sich über den Vulkangipfel. Heute jedoch sind 80 Prozent der Eisbedeckung verschwunden. Eine Folge des Klimawandels?

Gletscherzungen am Kilimandscharo
Gletscherzungen am Kilimandscharo Quelle: ap

Seriöse Forscher warnen vor vorschnellen Schlüssen. Oft würden Bilder nach starken Schneefällen mit Bildern ohne Schneebedeckung verglichen. Der Unterschied scheint dann sehr groß zu sein, über das Gletschereis sagt er allerdings nichts aus. Außerdem seien die Gletscher am stärksten vor 1953 geschmolzen, einer Zeit also, zu der der Klimawandel noch keine allzugroße Rolle spielte. Zudem haben Messungen am Gipfel des Berges gezeigt, dass sich die Temperatur dort in den letzten Jahrzehnten kaum verändert hat und stets unter dem Gefrierpunkt lag.

Die Dürre ist schuld

Doch wenn nicht die steigenden Temperaturen der letzten Jahrzehnte für das Schmelzen der Gletscher verantwortlich sind, was ist es dann? Auch hierauf wissen Klimaforscher eine Antwort. Fortwährende Dürren, die im letzten Jahrhundert immer wieder die Gegend heimsuchten, sind die Ursache. Durch sie fehlt es an Schnee, der zu neuem Gletschereis werden kann.

Bergspitze des Kilimandscharo, vom Flugzeug aus gesehen
Bergspitze des Kilimandscharo Quelle: reuters

Zudem gab es auf Grund der Dürre gleichzeitig weniger Wolken, die die Sonneneinstrahlung von den Gletschermassen abschirmen. Ähnlich wie Trockeneis verdampften daher Schnee und Eis sehr schnell. Und noch etwas sorgte dafür, dass das Gletschereis so schnell schmolz: die schwarze Vulkanasche. Die dunklen Ascheböden absorbieren die Sonnenwärme besonders gut und heizen sich stark auf. Als Folge schmolz das Eis an den Rändern des Gletschers, und die meterhohen Gletscherkanten, die noch heute zu sehen sind, bildeten sich.

Hilfe für die Gletscher

Hilfe für die Gletscher des Kilimandscharo könnten ausgerechnet die mit dem Klimawandel einhergehenden steigenden Temperaturen bringen. Wenn sich die Luft global erwärmt, kommt es zu einer höheren Luftfeuchtigkeit und somit zu einer vermehrten Wolkenbildung. Diese Wolken würden auch zum Kilimandscharo ziehen und dort nicht nur die Sonnenstrahlung stärker abschirmen, sondern auch größere Mengen Niederschlag mit sich bringen. Es fiele wieder mehr Schnee, der sich erneut auftümen und die Gletscher wachsen lassen könnte.

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