Berühmte Piraten

Von Francis Drake bis Olivier Le Vasseur

Sie waren die Herrscher der Karibik: Die Piraten. Geschichtsbücher schildern sie als mordlüstern und beutegierig. Doch die Räuber der Meere waren vor allem auch geniale Seefahrer, Entdecker und geschickte Politiker. Sie gründeten ein Imperium und doch endeten die meisten von ihnen am Galgen, oder sie versanken mit ihren Schiffen, ihren Schätzen und Träumen von Freiheit auf den Grund der Karibik.

Francis Drake (1540 - 1596)

Pirat Sir Francis Drake
Pirat Sir Francis Drake Quelle: ZDF

Gilt als Mitbegründer der britischen Seemacht
Drake wird unter John Hawkins Kapitän. Hawkins leitet den britischen Handel mit Sklaven auf der Dreiecksroute London, Westafrika, Südamerika. 1568 überrascht eine spanische Flotte sechs englische Schiffe im Hafen von San Juan. Hawkins und Drake entkommen, doch sie verlieren vier Schiffe. Drake rächt sich. Vier Jahre später plündert er grausam die spanische Stadt Nombre de Dios in der Karibik. Zur reichen Beute kommen weitere 40.000 Pfund Silber einer gekaperten Karavelle. Englands Königin Elisabeth nimmt die Summe gerne und beauftragt Drake mit weiteren Unternehmungen.

1577 bis 1580 umsegelt der Pirat der Königin als erster Engländer die Welt und kapert dabei - unter anderem - mit der "Concepcion" eines der wichtigsten Schatzschiffe der Spanier. Drake bringt Tabak und Kartoffeln nach England. Es folgen weitere Raubzüge und Heldentaten bei der Verteidigung Englands gegen die große spanische Armada 1588. Mit John Hawkins fährt Francis Drake, inzwischen zum "Sir" geadelt, erneut in die Karibik, wo er in Portobello erkrankt und stirbt. Sein Flaggschiff, die "Golden Hind", ist als Museumsschiff erhalten.

Henry Morgan (1635 - 1687)

Der Admiral und Volksheld
Der gebürtige Waliser kommt 1654 in die Karibik. Bereits die erste eigene Aktion gegen die Stadt Granada macht Morgan zum reichen Mann. Die von Tortuga nach Port Royal auf Jamaika übergesiedelten Piraten wählen ihn zum Anführer. Ein Glücksgriff, 1667 erobert er Puerto Principe auf Kuba und wenig später stürmen seine Männer das schwer befestigte Porto Bello. Die Beute ist immens, das Aufsehen darüber in Spanien und England ebenso.

1670 schließen England und Spanien Frieden. Doch die Nachricht darüber erreicht Morgan - welch Zufall - zu spät. Er ist bereits unterwegs um mit seinen Piraten Panama zu erobern. Beim Verteilen der Beute gibt es beinahe eine Meuterei, denn den größten Teil behält Morgan für sich. Doch der englische König unterbindet mit dem Friedensvertrag die Piraterie und ernennt den Seeräuber kurzerhand zum Vizegouverneur von Jamaica. Aus dem berüchtigten Freibeuter wird über Nacht ein gefürchteter Piratenjäger mit Staatsauftrag. Morgan stirbt am 25 August 1678. Politik und Öffentlichkeit in England erklären ihn zum edelsten und größten aller Freibeuter.

Jean David Nau, genannt Francis L'Olonnois (1630 - 1671)

Der grausamste von AllenNau nennt sich nach seiner bretonischen Geburtsstadt. Von La Rochelle gelangt er in die Karibik und schließt sich einer Gruppe Boucaniers an, die in den Wäldern von der Jagt leben. Jean wird ein guter Schütze mit der Muskete. Als er Kontakt zu Piraten findet tötet er ihren Kapitän und wird dadurch selbst zum Anführer. Rasch wird er als Mörder und Raubbrenner bekannt. Der Gouverneur von Tortuga vertraut ihm 1662 ein eigenes Schiff an. Innerhalb von nur zwei Jahren verliert er zwei Schiffe und macht wenig Beute.

Sein grausames Vorgehen gegen Freund und Feind stößt selbst hartgesottene Kollegen ab. Als er von Seeraub genug hat, verlegt er sich auf die Plünderung spanischer Siedlungen. In Maracaibo wütet er unter der Bevölkerung und macht große Beute. An Abenteurern, die sich ihm anschließen, fehlt es nie. Das Raubgut lässt sich auf Tortuga jederzeit gut verkaufen. Der Erlös wird in Spelunken vertrunken und verspielt. Sein Leben endet so brutal wie das seiner Opfer. Auf einem ausgedehnten Raubzug in Nicaragua nehmen ihn Indianer gefangen. Sie schneiden ihn lebendig in Stücke und verbrennen seine Überreste.

William Kidd (1665 - 1701)

Ein Pastorensohn fährt zur Hölle
Der Sohn eines schottischen Priesters macht sich 1689 einen Namen als Kapitän eines Kaperschiffes in der Karibik. Von seinen Männern nach einer Meuterei ausgesetzt, gelingt ihm die Flucht nach New York. Er heiratet eine reiche Witwe und gehört bald als angesehener Kaufmann zur guten Gesellschaft. In dieser Position gelangweilt, reist er nach London und bemüht sich um einen Kaperbrief gegen Seeräuber und Piratenschiffe. Einflussreiche Gönner helfen ihm ein Schiff auszurüsten. Er soll den Konvois der Ostindienkompanie Piraten vom Hals halten und dabei selber gute Beute machen, die den heimischen Gönnern zugute kommen soll.

1696 segelt Kidd Richtung Indischer Ozean. Die Reise steht unter keinem guten Stern. Er kapert ein indisches Schiff mit Beute im Wert von mehr als 700.000 Pfund. Umgehend beschwert sich der Großmogul in London und die Gönner lassen Kidd fallen. In New York setzt man ihn fest. Nach London ausgeliefert , wird ihm der Prozess gemacht. Am 23. Mai 1701 wird Kidd in London gehängt, sein Leichnam als Abschreckung an der Hafeneinfahrt zur Schau gestellt.

Edward "Blackbeard" Teach (Tod 1718)

Edward "Blackbeard" Teach
Edward "Blackbeard" Teach Quelle: ZDF

Einer der berüchtigtsten Piratenkapitäne aller ZeitenSein Markenzeichen: Der riesige furchteinflößende Bart, in dem er beim Angriff oft brennende Lunten trägt. Und um den Hals gehängte Schals mit zwei Pistolen, die die Hände frei lassen für den Säbel. Von ungewisser Herkunft gehört er zu einer Gruppe britischer Kaperfahrer, die sich nach 1713 in Providence der Flotte des Piraten Ben Hornigold anschließen. Bald macht er sich selbständig. Mit seiner "Queen Annes Revenge" geht er auf Raubzüge entlang der Küste von Virginia. Unter seinem Kommando stehen zeitweise mehr als 300 Piraten.

Als Hornigold die Seiten wechselt und zum Piratenjäger wird, weicht Blackbeard nach Nordamerika aus. Der Gouverneur von Virginia, rüstet eigens eine Flotte aus, um ihn und andere Piraten, die sich der Aufforderung zur Aufgabe verweigerten, zu jagen. Die Briten stellen Blackbeards Schiff am 21. November 1718 und greifen an. Nach durchzechter Nacht wird Blackbeard mit 16 seiner Gefährten überwältigt und getötet. Sein Kopf wird an Land zur Abschreckung ausgestellt.

Olivier "La Buse" Le Vasseur (um 1690 - 1730)

Schatzkarte von Olivier Le Vasseur (Spielszene)
Schatzkarte von Olivier Le Vasseur (Spielszene) Quelle: ZDF

Seine Schatzkarte gibt Rätsel auf
Der Sohn einer reichen Bürgerfamilie aus Calais ist gelernter Schiffsoffizier. Mit dem Kaperbrief seines Königs Ludwig des XIV. ist er im spanischen Erbfolgekrieg (1701 - 1714) in der Karibik unterwegs. Bei Kriegsende bleibt er und schließt sich 1716 der Flotte Ben Hornigolds an. Als sich der Verband auflöst, segelt LeVasseur an die Küste Westafrikas. Nach wechselndem Piratenglück gelingt ihm 1721 gemeinsam mit John Tailor und Edward England der "Fang seines Lebens": die portugiesische Galeone " Nossa Senhora do Cabo". An Bord befinden sich der Bischof und der Vicekönig von Goa, die mit ihren Schätzen auf der Heimkehr von Indien nach Portugal sind. Jeder der beteiligten Piraten ist nach Teilung der Beute auf einen Schlag steinreich.

Eine angebotene Amnestie für Piraten lehnt Le Vasseur ab, da sie ihn seine Schätze kosten sollte. So wird er aufgespürt und zum Tod am Galgen verurteilt. Mit dem Strick um den Hals soll er unter den Galgen eine verschlüsselte Schatzkarte gezeichnet haben, auf der steht: "Finde meinen Schatz, wenn du dies lesen kannst". Bis heute wurde der Schatz des "Bussards" nicht gefunden.

Alexandre Olivier Exquemelin (1645 - um 1700)

Der Arzt, Abenteurer und ChronistIm Alter von 21 Jahren wird Exquemelin ihn die französische Westindische Kompanie nach Tortuga geschickt. Der französische Gouverneur verkauft ihn an einen örtlichen Arzt, der ihn zum Chirurg ausbildet. Nach seiner Freilassung schließt sich der junge Mann den Piraten an und segelt mehrere Jahre auf den Schiffen von Pierre Le Grande, Michel de Basque und Francis L'Olonnois.

Nach seiner Rückkehr nach Frankreich im Jahre 1674 schreibt er seine Beobachtungen und Erinnerungen nieder und veröffentlicht 1678 sein Buch: "Piratica Americana, die americanischen Seeräuber." Nüchtern und einfach schildert er darin das Leben, die Kämpfe und das Sterben der Piraten. Bis heute besitzt das Buch hohen dokumentarischen Wert. Einer der sich vom Autor unrichtig dargestellt fühlte, verklagt ihn nach der Veröffentlichung auf Rufschädigung: "Sir" Henry Morgan. Nach englischem Recht verurteilt das Gericht Exquemelin zu 200 britischen Pfund Schadenersatz. Vollstreckt wird das Urteil nicht.

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