Berühmte Ritter

Von König Artus bis Götz von Berlichingen

Sie sind die Helden des Mittelalters. Kämpfer für Kaiser und Kirche, Elitesoldaten einer großen Epoche der europäischen Geschichte: die Ritter. Auf ihren Burgen lebten sie ihre stolzen Ideale. Auch wenn sie nach beinahe 800 Jahren einer neuen Zeit weichen mussten, ihr Name besitzt einen magischen Klang.

König Artus

Ritter (Illustration)
Ritter (Illustration) Quelle: ,ZDF

Sagenhafter König in Britannien (um 500 nach Christus)
Die Römer machten weite Teile Britanniens zu einer Provinz ihres Imperiums. Die wirtschaftliche und kulturelle Blüte der Insel endet, als die Legionen abziehen. Im 5. Jahrhundert suchen sächsische Piraten plündernd die Küste heim. Ihnen folgen Wellen der Zuwanderung aus den germanischen Gebieten Sachsens, Angelns und Jütlands. Die Kelten leisten erbitterten Widerstand. Ihr bedeutendster Herrscher ist König Artus. Er führt sie zu zahlreichen Siege über die heidnischen Sachsen. Um 500 nach Christus kann das Vordringen der Zuwanderer aufgehalten werden. Der Ruhm des christlichen Königs und der Ritter, seiner Tafelrunde lebt nach seinem Tod in Legenden und Sagen fort. Spätere Eroberer, französische Normannen unter Wilhelm dem Eroberer, greifen die ihnen bekannten Legenden auf. Im großen Schmelztiegel der Kreuzzüge weitete sich die legendäre Gestalt Königs Artus zum europäischen Idealbild ritterlichen Herrschertums, das seither nichts an Glanz verloren hat.

Karl Martell

Vom Bastard zum Held (714 - 741)
Als unehelicher Sohn Pipins II. erkämpft sich Karl die gleiche Position die sein Vater besaß. Er wird Hausmeier, auch Majordomus genannt, im Staat der Merowinger. Damit ist er der eigentliche Herrscher. Seine große Bewährungsprobe besteht er, als er sich im Jahr 732 mit einer eilig zusammengerafften Truppe aus fränkischen und burgundischen Soldaten dem arabischen Heer entgegenstellt, das in einem wahren Sturmlauf Spanien erobert hat. Die reiche Stadt Tours an der Loire ist von den sieggewohnten Mohammedanern beinahe schon erstürmt, als Karl mit seiner Armee eintrifft. Zwischen Tours und Poitiers kommt es zur Entscheidung: Karl siegt. Der arabische Vormarsch ist aufgehalten und das Frankenreich bleibt christlich. Neben diszipliniert kämpfenden Fußtruppen entscheidet der Einsatz fränkischer Panzerreiter über den Ausgang der Schlacht. Ab 737 herrscht Karl ohne einen König im Frankenreich. Seinen Enkel namens Karl nennt man später: "Karl der Große".

Richard Löwenherz

König von England (1157 - 1199)
Seine Mutter, Eleonore von Aquitanien, war mit zwei Königen verheiratet. Mit dem König von Frankreich nahm sie am zweiten Kreuzzug teil. Geschieden, heiratete sie den späteren König von England, den sie überlebte. Ihr Hof in Poitiers ist legendäres Zentrum höfischer Kultur. Sie fördert Sänger und Dichter wie Chretien de Troyes. Richard - seit 1189 König - bricht zum dritten Kreuzzug auf. Er besetzt Zypern und erwirbt bei der Eroberung Akkons den Ehrennamen "Löwenherz". Mit Sultan Saladin schließt er bei persönlichem Treffen einen Waffenstillstand vor Jerusalem. Unruhen in England rufen ihn zur Heimkehr. Unterwegs setzt der Kaiser Richard auf Burg Trifels fest. Erst nach zwei Jahren kommt er gegen hohes Lösegeld und Treue-Schwur frei. In der Abwesenheit regierte sein Bruder John das Land. In dieser Zeit ereignen sich auch die Geschichten um Robin Hood. Nach der Rückkehr verteidigt Richard in den fünf Jahren bis zu seinem Tod erfolgreich den englischen Besitz in Frankreich.

Ullrich von Liechtenstein

Minnegesang (Illustration)
Minnegesang (Illustration) Quelle: ,ZDF

Ein fahrender Sänger (um 1200 - vor 1277)Der Sohn einer steirischen Adelsfamilie erhält seine ritterliche Ausbildung in Wien. Festlich gestaltete Aufzüge und wechselseitige Besuche hoher Herrschaften gehörten zum Programm der verfeinerten adeligen Hofkultur seiner Zeit. Liechtenstein unternimmt 1227 eine berühmte Ausfahrt, in der er als "Frau Venus" verkleidet durch die gesamte Steiermark bis nach Italien zieht. Der Ablauf einer Festlichkeit folgt strengen Regeln: Einladung zum Fest, Vorbereitung, Ankunft und Empfang der Gäste, festliche Bewirtung, Unterhaltung und Geselligkeit. Die Beschenkung der Gäste schließt das Fest, das mit Verabschiedung und feierlichem Auszug endet. 1240 unternimmt Ullrich von Liechtenstein eine weitere Ausfahrt, die "Artusfahrt". Später übernimmt er hohe Ämter in seiner Heimat, der Steiermark. Er kämpft mit in den Ungarnkriegen von 1246 und 1251 und stirbt um 1276. Sammlungen seiner viel gesungenen Lieder veröffentlicht der weitberühmte Sänger unter den Titeln: "Frauendienst" und "Frauenbuch" (1246/ 1251).

Karl der Kühne

Sarkophag Karl des Kühnen in der Liebfrauenkirche in Brügge/Belgien
Sarkophag Karl der Kühne Quelle: imago/imagebroker

Herzog von Burgund (1432 - 1477)
Am 10. November 1432 wird Karl als Sohn Philipps des Guten in Dijon geboren. Er ist der vierte und letzte der Burgunderherzöge aus dem Haus Valois. Karl plant, wie sein Vater, die Gründung eines mächtigen Reiches zwischen Frankreich und Deutschland. Er erreicht die Unabhängigkeit von Frankreich, scheitert jedoch beim Versuch vom Kaiser die Königskrone zu gewinnen. Sein reiches Land erlaubt ihm eine mächtige Armee. Nach glücklosen Verhandlungen und Kämpfen im Elsass greift Karl den Kaiser (Friedrich III.) an und belagert erfolglos ein Jahr lang die Stadt Neuß. Er verhandelt mit dem Kaiser und Frankreich und sucht sein Glück im Süden, wo er die aufsässigen Schweizer unterwerfen will. Nach zwei schweren Niederlagen wird er selbst in der Schlacht von Nancy im Januar 1477 erschlagen. Man sagt von ihm, er sei mutig gewesen, doch sein Starrsinn wurde ihm zum Verhängnis.

Maximilian von Habsburg

Kaiser, genannt "Der letzte Ritter" (1459 - 1519)
1487 wird der der in Wien geborene Sohn Kaiser Friedrichs III. zum deutschen König gewählt. Ab 1508 trägt er die Kaiserkrone. In Alter von 18 Jahren heiratet er Maria von Burgund, Tochter und Erbin Karls des Kühnen. Um Burgund kämpft er jedoch vergeblich gegen Frankreich. Und auch in Italien kann er seine Ansprüche militärisch nicht durchsetzen. Im Kampf gegen die Ungarn gewinnt er immerhin den Anspruch auf die Stephanskrone, durch geschickte Heiratspolitik. Seine Meisterschaft auf diesem Gebiet zeigt sich, als er seinen Sohn mit Johanna der Wahnsinnigen von Spanien verheiratet. Es ist sein Enkel, der ihn als Karl V. beerbt und mit dem spanischen Erbe ein Weltreich begründet. Maximilians Hofhaltung ist glänzend, die von ihm veranstalteten Turniere sind berühmte Höhepunkte des gesellschaftlichen Lebens und bringen ihm den Beinamen: "Der letzte Ritter". Als Feldherr setzt er eher auf modernere Waffen, auf Landsknechte und die neu entwickelten Feuerwaffen.

Götz von Berlichingen

Der Ritter mit der eisernen Faust (um 1480 bis 1562)
1495 nimmt der 15-jährige Götz als Reiterjunge am Reichstag in Worms teil. Der freie Reichsritter dient unterschiedlichen mächtigen Landesherren. 1504 verliert er im Bayernkrieg seine rechte Hand. Von einem Dorfschmied lässt er sich eine eiserne Faust anpassen, die sein Markenzeichen wird. Ritter Götz beteiligt sich auf eigene Rechnung und an der Seite anderer an zahlreichen Fehden. Im Zusammenhang mit dem Sturz seines damaligen Dienstherren, Herzog Ullrich von Württemberg, kommt er in Haft, wird jedoch gegen Schwur der Urfehde frei gelassen. Im Bauernkrieg schließt er sich auf fünf Wochen als Hauptmann den Odenwälder Haufen an. Nach einem Prozess bis 1530 inhaftiert, nimmt er, begnadigt, an den Kriegen des Kaisers gegen Türken (1542) und Franzosen (1546) teil. Götz stirbt friedlich auf seiner Burg Hornberg in Hohenlohe. Seine selbstverfassten "Erinnerungen" sind Vorlage für Goethe und Gerhard Hauptmann, die ihm in ihren Werken ein Denkmal setzen.

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