Besuch bei den Berggorillas

Die letzten Rückzugsgebiete der Menschenaffen

Berggorillas gehören zu den am stärksten gefährdeten Säugetierarten. Weltweit gibt es nur noch etwa 700. Sie leben im Bwindi-Nationalpark im südwestlichen Uganda und im Gebiet der Virunga-Vulkane an der Grenze von Uganda, Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo.

Berggorilla-Silberrückenmännchen Quelle: ZDF

Berggorillas gehören als Unterart der Östlichen Gorillas zur Familie der Menschenaffen, unseren nächsten Verwandten im Tierreich. Dass sie heute in den Bergen leben, ist die Folge einschneidender geologischer Veränderungen in der Vergangenheit.

Radikaler Umbruch

Bis vor etwa 800 000 Jahren erstreckte sich im Gebiet um den Viktoriasee eine bewaldete Ebene. Die dort lebenden Gorillas waren an die herrschenden Bedingungen angepasst. Sie durchstreiften das flache Grasland und ernährten sich von den Blättern und Früchten, die die Natur ihnen reichlich bot. Für ihre Nahrungssuche mussten sie keine großen Strecken zurücklegen. Doch dann veränderte sich ihre Welt dramatisch.

Trick Grabenbruch Quelle: ZDF

Der afrikanische Kontinent liegt auf verschiedenen Platten der Erdkruste, die allmählich auseinanderdriften. Dieses geologische Riftsystem, der Ostafrikanische Grabenbruch, zieht sich in zwei Ästen wie eine lange Narbe durch Ostafrika, vom äthiopischen Hochland bis nach Mosambik. Im westlichen Ast dieses Rifts, der heutigen Grenze zwischen dem Kongo und Uganda im Norden sowie Ruanda und Burundi im Süden, entstand eine Reihe großer Seen. In dieser geologisch aktiven Zone drängt Magma aus der Tiefe nach oben. Gewaltige vulkanische Eruptionen veränderten hier vor mehreren Hunderttausend Jahren das Gesicht des Kontinents. Hohe Gebirge türmten sich auf, und aus der ehemals flachen Hügellandschaft entstand eine Kette von acht gewaltigen Feuerbergen: die Virunga-Vulkane.

Leben in den Bergen

Das Leben war gezwungen, den neuen Bedingungen entweder zu weichen oder sich anzupassen. Für die Flachlandgorillas brach eine neue Epoche an. Als sich die Natur die Vulkangipfel allmählich zurückeroberte, begannen sie, die Hänge der Vulkane zu erklimmen. Dort, in 2000 bis 4000 Meter Höhe, fanden sie geeignete Nahrung und einen neuen Lebensraum.

Berggoriilas am Kratersee eines Vulkans
Berggoriilas am Kratersee Quelle: ZDF

Etwa 380 Berggorillas leben heute im Virunga-Nationalpark. Täglich sind sie etwa sechs Stunden unterwegs auf Nahrungssuche und überwinden dabei große Entfernungen. Teilweise bewegen sie sich sogar über 4000 Höhenmeter hinaus. Ihr langes Fell schützt sie vor Kälte und Nässe. Lange können die Gorillas in diesen Höhen dennoch nicht ausharren - trotz Äquatornähe fallen die Temperaturen teilweise unter null Grad. Vor allem den Jungtieren macht die Kälte zu schaffen. Doch warum nehmen die Gorillas für die Nahrungssuche solche Strapazen auf sich, warum steigen sie in Höhen, für die sie eigentlich nicht geschaffen sind?

Der Mühen Lohn

Diese Frage stellten sich auch die Forscher. Inzwischen wissen sie, dass die Tiere auf den Vulkangipfeln zu bestimmten Zeiten ein Angebot an spezifischen Pflanzen vorfinden. Es gibt dort kaum Früchte, die Tiere müssen ihren Kalorienbedarf überwiegend mit Blättern decken. Dazu klettern sie, anders als ihre Verwandten im Flachland, auch auf Bäume. Zwischen 100 und 200 verschiedene Pflanzenarten brauchen Berggorillas für eine ausgewogene Ernährung. Auch Pflanzen mit Dornen werden nicht verschmäht. Die Berggorillas helfen sich hier mit einem Trick, den die Tiere voneinander lernen: Sie wickeln die Blätter in ein kleines Päckchen und halten so spitze Dornen von Zunge und Gaumen fern.

Die Berggorillas haben sich an das Leben unter Extrembedingungen angepasst. Doch die geologischen Kräfte, die die Virunga-Vulkane formten, kommen nicht zur Ruhe. Bis heute bedrohen sie den Lebensraum der friedlichen Tiere. Erst am 2. Januar 2010 brach westlich ihrer Heimat der Nyamuragira, einer der aktivsten Vulkane Afrikas, aus. Er hat das ohnehin schon kleine Berggorilla-Schutzgebiet stellenweise völlig zerstört. Der Krater des Vulkans ist inzwischen eingestürzt, der Ausbruch hinterließ eine verwüstete Landschaft.

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