Beweise für Sintflut-Theorie gesucht

Computermodelle und neue Bohrproben stützen die These des "sudden infill"

Die Sintflut-Theorie stellte für die Welt der Wissenschaft eine Provokation dar. Forscher aus den USA, der Türkei, Kanada stürzten sich auf das Thema, um einen Gegenbeweis zu finden. Zu gewagt, zu fantastisch erschien der Forscherwelt die Theorie vom "sudden infill". Eine neue Forschergeneration findet dagegen Hinweise, die für die Theorie sprechen.

Ali Aksu, Professor an der neufundländischen Memorial-Universität stützt die These nicht. Er verweist auf eine uralte Sedimentablagerung im Bosporus, der Pforte zum Schwarzen Meer. Sie ist älter als die letzte Eiszeit und älter als Ryans Katastrophe. Aksu nimmt an, dass, eine Flutwelle dieses Geröll nicht einfach weggeblasen hätte.

Mark Siddall vor Computer

Eindeutiges Ergebnis

Eine neue Generation von Wissenschaftlern unterstützen jedoch die Sintfllutthese. Dr. Mark Siddall hat eine virtuelle Wirklichkeit geschaffen und das Schwarze Meer und den westlich vorgelagerten Bosporus als physikalisches Computermodell konstruiert. Geometrisch idealisiert, baut er die Meerenge und das tiefe Becken nach, jagt eine computergenerierte Flutwelle hindurch. Auf dieser Basis kann Siddall jedwedes Überschwemmungsszenario simulieren. Der virtuelle Versuch soll zeigen, welche Spuren eine Flutwelle in der Dimension, die Ryan und Pitman annehmen, hinterlassen haben könnte. Der Versuch fällt deutlicher aus, als Mark Siddall es erwartet hätte, das Ergebnis ist eindeutig.

Professor Ryan will die Computersimulation direkt mit den geologischen Gegebenheiten vor Ort vergleichen. Mit seiner Crew sucht er nach dem Graben im Boden des Schwarzen Meeres, den Mark Siddall errechnet hat. Quadratmeter für Quadratmeter wird der Meeresboden mit Echoloten abgetastet. Die Auswertungen zeigen, dass der Graben nicht nur existiert, sondern sich auch genau dort befindet, wo Dr. Mark Siddall ihn vorhergesagt hat: parallel zur Küste. Ein Triumph auch für Bill Ryan, vielleicht gar der endgültige Beweis für seine Theorie.

Weitere Rückversicherung

Neue Bohrkernproben sollen noch einmal von unabhängigen Spezialisten wie Prof. Yossi Mart untersucht werden - eine weitere Rückversicherung sozusagen. Dabei sind es nicht nur die Sedimentschichten, die Gesteinsablagerungen, die den Forschern Auskunft über Alter und Charakter der Proben geben, sondern vor allem Rückstände von Pflanzen und Tieren. Die Schale einer einzigen Muschel oder Schnecke kann eine wissenschaftliche Sensation bedeuten.

Der Muschelfund bestätigt somit ebenfalls die Theorie des Sudden-Infills, den man sich ungefähr so vorstellen kann: Mit unvorstellbarer Energie drängen die gesamten Wassermassen des Mittelmeeres gegen den Bosporus-Damm, hin zur tiefer liegenden Senke des Schwarzen Meeres. Der Wall gibt dem Druck nach und bricht unter der entfesselten Naturgewalt zusammen. Wie ein urzeitlicher Dämon brandet die Flut brüllend und springend heran. Die gewaltige Wucht des reißenden Stroms, dessen Dröhnen kilometerweit zu hören ist, muss die Menschen dort in furchtbare Panik versetzen. Mit der zehnfachen Wucht der Niagarafälle stürzen die Wassermassen zu Tal, die Sintflut ist unaufhaltbar.

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