Bibliothek des Wissens

Ein Schmelztiegel der Kulturen

In der Bibliothek von Alexandria forschten und unterrichteten die berühmtesten Gelehrten ihrer Zeit. Archimedes, Euklid oder Erathostenes, der bereits herausgefunden hatte, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Die Bibliothek war berühmt in der ganzen Welt. 700.000 Schriftrollen wurden hier aufbewahrt - das gesamte Wissen des Altertums.

Bei der Wissensbeschaffung beschritten die Ptolemäer auch ungewöhnliche Wege: Jedes Schiff, das im Hafen von Alexandria ankam, musste alle mitgeführten Schriftstücke der Bibliothek überlassen - und bekam Kopien zurück. Niemand ahnte zu jener Zeit, dass keine einzige der Schriftrollen erhalten bleiben würde. Die Bibliothek und ihre Schätze wurden ein Raub der Flammen.

Einzigartige Informationsquelle

Es gibt allerdings einen Ort, wo sich Papyrusrollen aus jener Zeit erhalten haben. Seit 20 Jahren gräbt ein französisch-italienisches Team die Überreste einer ptolemäischen Stadt aus. Was in Alexandria unter vielen Schichten der Stadtgeschichte verborgen ist, liegt hier unmittelbar unter dem Wüstensand.


Das Außergewöhnliche an Tebtunis sind aber nicht die Ruinen: In dem extrem trockenen Klima haben sich Tausende von schriftlichen Zeugnissen aus der Gründungszeit Alexandrias erhalten. Die Funde von Tebtunis lassen ahnen, welche Schätze sich in der Bibliothek von Alexandria befunden haben müssen. Schon diese Papyri sind eine einzigartige Informationsquelle über das Leben in der Antike.

Ähnlichkeiten mit Alexandria

Eine Bibliothek gab es nicht in der Provinz. Die Papyri von Tebtunis stammen aus Wohnhäusern, Ämtern oder Tempeln. Mit ihrem geometrischen Grundriss und der breiten Prozessionsstraße zeigt Tebtunis Ähnlichkeiten zur Hauptstadt Alexandria. Und wie in Alexandria finden sich Belege für eine Vermischung der Kulturen: griechische Säulen, weit im ägyptischen Hinterland.


Die brüchigen Papyri müssen noch vor Ort konserviert werden. Nach Jahrhunderten im Wüstensand enthüllen sie den Wissenschaftlern ihre Botschaft. Die Texte sind in Griechisch abgefasst, oder Demotisch, der ägyptischen Alltagsschrift. Auch Papyrus war ein Massenprodukt - wie heutiges Schreibpapier.




Die meisten Papyri von Tebtunis berichten von ganz alltäglichen Dingen, es sind Kaufverträge, Steuerbescheide oder Pachterhebungen.
In der Bibliothek von Alexandria dagegen wurden die Schriften aller großen Gelehrten der Zeit aufbewahrt. Aus Mathematik, Geometrie und Astronomie. Aber auch historische Werke, Landkarten und bahnbrechende medizinische Abhandlungen.

Ungewöhnliche Forschungsmethoden

In Alexandria lehrte der berühmte Arzt Herophilos, von dessen ungewöhnlichen Forschungsmethoden nichts nach außen dringen durfte. Herophilos war der Begründer der modernen Anatomie. Er gewann seine Erkenntnisse am menschlichen Objekt. Selbst in der Stadt der Wissenschaften war das ein Tabubruch ohne gleichen. Den Körper eines Verstorbenen aufzuschneiden, statt ihn würdevoll zu bestatten, verstieß gegen den Willen der Götter. Herophilos war der Entdecker des Blutkreislaufs und eröffnete damit der Medizin völlig neue Möglichkeiten. Auch war für ihn nicht länger das Herz der Sitz der menschlichen Seele - Denken und Empfinden schrieb er als erster dem Gehirn zu.

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