Big Bang contra Schöpfergott

Wie entstand der Kosmos?

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und Gott sprach: Es werde Licht und es ward Licht." So hat sich in den Worten der Bibel die Entstehung der Erde zugetragen. Naturwissenschaftler erklären den Anfang unseres Planeten anders: Bevor die Erde entstand, gab es die Sonne schon. In einer gewaltigen Explosion schleuderte sie vor viereinhalb Milliarden Jahren Materie in den Raum. Im Einflussbereich der Sonne formten sich die Planeten.

Die Astronomen erklären Himmelserscheinungen durch physikalische Gesetzmäßigkeiten – ganz ohne göttliches Wirken. Im Mittelalter hingegen gab es die Trennung zwischen Religion und Naturwissenschaften noch nicht. Die Kirche, die an einer stimmigen Erklärung der Welt interessiert war, rückte die Erde ins Zentrum ihres Modells. Die kosmische Ordnung, die auf den antiken Philosophen Aristoteles zurückging, galt als Beleg für die menschliche Sonderstellung, sie hatte religiöse Bedeutung. Das Problem war: Einer objektiven Überprüfung hielt sie nicht stand.

Abschied vom geozentrischen Weltbild

Phasen der Venus auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne (Animation)
Ähnlich wie unser Mond zeigt sich die Venus auf ihrer Umlaufbahn in Phasen.

1610 machte Galileo Galilei dank des Teleskops, das er im Jahr zuvor erfunden und selbst gebaut hatte, eine folgenreiche Beobachtung. Ihm fiel auf, dass die Venus unterschiedlich groß erscheint und Phasen zeigt, die denen unseres Mondes ähneln. Seine Berechnungen ließen nur eine Erklärung zu: Die Venusphasen entstehen durch den Lauf des Planeten um die Sonne - nicht um die Erde! Die Kirche war in jener Zeit nicht in der Lage, die neuen Erkenntnisse in ihr Weltmodell zu integrieren. Sie sah ihre Deutungshoheit bedroht. Galilei wurde der Prozess gemacht. Um Folter und Tod zu entgehen, musste er seinen Theorien abschwören.

Doch die Entwicklung der Naturwissenschaften ließ sich nicht aufhalten. Mit jeder neuen Erkenntnis kam die Kirche in tiefere Erklärungsnöte. Letztlich musste auch sie das neue Weltbild anerkennen. Die Ordnung der Planeten blieb aber noch in der Hand des Schöpfers. Alle Himmelskörper wurden von ihm an ihren Platz gesetzt. Nach und nach jedoch verlor die Kirche im Wettkampf mit den Naturwissenschaften an Terrain.

Der Anfang von allem

Das Jahr 1929 markiert für die Wissenschaftler einen Durchbruch. Als der Astronom Edwin Hubble ferne Galaxien beobachtet, stellt er etwas Ungewöhnliches fest: Das Licht, das ihn von weit entfernten Sternen erreichte, befand sich in einem langwelligeren Bereich des elektromagnetischen Spektrums, als er es erwartete. Es war ins Rot verschoben. Dieses Phänomen ist in der Physik als Doppler-Effekt bekannt und lässt sich anhand der Schallwellen einer Polizeisirene verdeutlichen: Fährt ein Polizeiauto mit heulender Sirene in Richtung eines Beobachters, ändert sich währenddessen die Tonhöhe der Sirene: Der Ton wird höher, das heißt, die Wellenlänge wird kürzer. Entfernt sich das Polizeiauto vom Beobachter wieder, wird der Ton tiefer, die Wellenlänge vergrößert sich. Genauso verhält es sich bei elektromagnetischen Wellen: Rotverschiebung zeigt dem Betrachter an, dass eine Lichtquelle sich entfernt.

Expansion des Univerums (Animation)
Das expandierende Universum kann man sich wie einen Luftballon vorstellen.

Die Schlussfolgerung aus Hubbles Beobachtung konnte also nur sein: Das Universum dehnt sich aus, es expandiert! Wie Punkte auf der Oberfläche eines Luftballons, der aufgeblasen wird und sich immer mehr ausdehnt, entfernen sich die Galaxien immer weiter voneinander. Diese ungeheuerliche Erkenntnis wurde von anderen Astronomen gedanklich fortgeführt: Wenn das Universum morgen größer ist als heute, dann war es gestern kleiner und vorgestern noch kleiner – bis zu dem Punkt, an dem es fast unendlich klein war. So war die Idee des Urknalls geboren. Von Beginn an ließ sich nun die Entwicklung des Universums beschreiben, und Gott hatte darin keinen Platz mehr.

Die Zeit entsteht

Schöpfergott, in Fresko dargestellt
War der Urknall ein göttlicher Schöpfungsakt?

Papst Pius XII. studierte die Arbeiten der Astronomen und war wider Erwarten von der Theorie begeistert. Noch bevor sich die wissenschaftliche Gemeinschaft einig war, erhob er den Urknall bereits zum göttlichen Schöpfungsakt. Wenn es einen Urknall gab, dann muss irgendjemand diesen gezündet haben, so die Überlegung. Er hoffte, Religion und Naturwissenschaften auf diese Weise versöhnen zu können. Aber die Sache hatte für manche einen Haken. Mit dem Urknall war nicht nur der Raum in die Wirklichkeit getreten, sondern auch die Zeit. Vor dem Urknall gab es keine Zeit und deshalb auch kein Vorher. Ursache und Wirkung müssen jedoch zwingend zeitlich aufeinanderfolgen. Die Zeit weist nur in eine Richtung: in die Zukunft.

Für die Richtigkeit der Urknalltheorie haben die Astronomen inzwischen viele Indizien gesammelt. Mit dem "Big Bang " wurde eine gigantische Strahlenmenge freigesetzt. Reste davon, so lautete die Vorhersage, müssten als sogenannte Hintergrundstrahlung bis heute im Universum gegenwärtig und messbar sein, und zwar genau in der Menge von 400 Photonen pro Kubikzentimeter. Und tatsächlich: Die kosmische Hintergrundstrahlung wurde 1964 per Zufall entdeckt – von zwei Radioingenieuren, die mit Hornantennen experimentierten. Die Entstehung des Universums ist seither für die Naturwissenschaften geklärt – fast. Denn unmittelbar nach dem Urknall existierte ein winzig kleiner Zeitraum, von dem es weder Strahlung gibt, noch ist es bisher gelungen, sich ihm mathematisch zu nähern. Für diese Zeit versagen alle Theorien.

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