Biographie eines Skythen-Kriegers

1000 Einzeluntersuchungen gewähren detaillierte Einblicke

In der Abteilung für Anatomie der Universität Göttingen wird sich zeigen, ob auch Hermann Parzingers Eismumie aus der Mongolei rituell präpariert wurde. Das Ergebnis der Untersuchung ist ein weiterer Mosaikstein in der Biographie des Skythen-Kriegers.

Wissenschaftler untersuchen die Eismumie Quelle: ZDF

Michael Schultz zeigt Hermann Parzinger zuerst den Schädel eines Skythen, der von einem Pfeil getroffen wurde. Hochinteressant sind die dabei entdeckten Operationsspuren. Sie beweisen, dass die Reiternomaden über medizinische Kenntnisse und spezielles OP-Besteck wie Sägen, Spatel und Meißel verfügten. Auch an der Eismumie hat der Pathologe solche Spuren gefunden.

Michael Schultz betrachtet Röntgenbilder der Eismumie Quelle: ZDF

Keine tödliche Krankheit

Der Häuptling aus dem Altai wurde vermutlich auch bewusst präpariert für die Ewigkeit. Das gleiche Toten-Ritual beschreibt Herodot für die Schwarzmeer-Skythen. Möglicherweise war die Kultur der Reiternomaden über tausende Kilometer identisch. Das Team um Professor Schultz versucht, mit einer neu entwickelten Proteinanalyse die letzten Rätsel der Eismumie zu knacken. Wie starb der Stammeshäuptling aus dem Altai? Die neue Methode liefert keinen konkreten Hinweis auf eine tödliche Krankheit. Der Krieger ist wahrscheinlich friedlich im Bett gestorben.

Über 1000 Einzeluntersuchungen und ein Großaufgebot von Spezialisten haben die Eismumie "reden" lassen. Für Skythenforscher Parzinger ist das unberaubte Grab, das durch Eis konserviert war, ein ganz besonderer Fund.

Untersuchung der Zähne der Mumie Quelle: ZDF,Klaus Hernitschek

Ein erstes Fazit

Die bisherigen Erkenntnisse: Der Krieger war 1,67 Meter groß, offenbar dunkelblond, und wurde über 60 Jahre alt. In seiner Jugend war er muskulös und ein guter Reiter, der jedoch einen Sturz zu überstehen hatte. Eine Absplitterung am Speichenkopf deutet darauf hin. Der Krieger besaß die modernste Waffe seiner Zeit: einen mehrschichtigen Kompositbogen, gefertigt aus dem Holz des Buschwacholders. Seine Pfeile hatten eine hohe Durchschlagskraft, das bekamen die Feinde dieseits und jenseits des Altai zu spüren.

Den "blonden Prinzen" aus den Bergen wärmte ein prächtiger Pelzmantel, in dem sogar Zobel verarbeitet wurde. Die Felle waren blau und rot gefärbt mit indischem Indigo und wohl aus Persien importiertem Kermes. Chronische Entzündungen des Mittelohres und der Kieferhöhlen, schwere Parodontose, Osteoporose und eine starke Arthrose ließen ihn im Alter eher inaktiv werden. Er konnte es sich leisten, sich bedienen zu lassen und weiterhin Fleisch zu essen. Ein geruhsamer Lebensabend.

Eigenständige Kultur

Die Reise ins Schattenreich trat er mumifiziert und reich geschmückt an. Er unterschied sich wenig von seinen Verwandten, die 6000 Kilometer entfernt, am Schwarzen Meer lebten. Die geheimnisvollen Skythen hatten eine starke, eigenständige Kultur die langsam wieder ein Gesicht bekommt. Auch dank des Mannes vom Olon Kurin Gol.

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