Blockade des Königs

Einblicke in die geheimen Depots durch Bestechung

In Europa kursieren nur Gerüchte und schlechte Zeichnungen von den Funden aus Herculaneum und Pompeji. Im Jahr 1758 beschließt Johann Joachim Winckelmann, der Geheimnistuerei der Neapolitaner auf den Grund zu gehen. In Rom ist er zum angesehenen Kunstexperten und Altertumsforscher avanciert. Er gilt als unangefochtene Autorität.

Winckelmann steht vor einem verschlossenen Tor Quelle: ZDF

Auch der Hof in Dresden ist seit dem Erwerb der drei "Herculanerinnen" erpicht auf archäologische Neuigkeiten und hat Winckelmann mit Geld und Empfehlungsschreiben ausgestattet. Der Gelehrte rechnet fest damit, eine der seltenen Sondergenehmigungen des Königs zu bekommen. Doch er erlebt eine böse Überraschung, sein Anliegen wird abgelehnt.

Papyri mit unbekanntem Inhalt

Die Neapolitaner haben kein Interesse an Berichten über ihre Ausgrabungsaktivitäten, Winckelmann ist praktisch kaltgestellt. Doch nicht alle Funde sind in der Privat-Sammlung des Königs verschwunden. Im Augustinerkloster von Portici tüftelt Pater Antonio Piaggio an der Entschlüsselung einer rätselhaften Entdeckung: In der römischen Villa wurden fast zweitausend verkohlte Papyrus-Rollen mit unbekanntem Inhalt gefunden.

Papyrus aus Pompeji Quelle: ZDF

Als Winckelmann nach seiner Zurückweisung Quartier im Kloster bezieht, macht er die Bekanntschaft mit dem Pater - und mit dessen komplizierter Arbeit. Piaggio hat aus Schweinsblasen, Winden und Seidenfäden eine äußerst komplizierte Entrollmaschine konstruiert. Winckelmann erkennt in den verkohlten Rollen die Bücher der Antike. Die Papyri sind die Überreste der vermutlich größten Bibliothek, die aus dieser Zeit erhalten ist.

Zeuge des Raubbaus

Trotz aller Hindernisse und Verbote durch das neapolitanische Königshaus gelingt es Winckelmann 1758, die Ausgrabungsstätten am Golf von Neapel zu sehen. Um näher am Geschehen zu sein, besticht Winckelmann Wärter der königlichen Grabungsmission. Er beobachtet den planlosen Umgang der Ausgräber mit den antiken Kunstwerken und wird Zeuge des systematischen Raubbaus. Schließlich verschafft sich Winckelmann auch Zugang zu den Schätzen, die seit der Entdeckung von Herculaneum und Pompeji im Palast von Portici zusammengetragen worden sind.

Winckelmann beobachtet die Ausgrabungen am Vesuv Quelle: ZDF

Den wenigen Gelehrten, die die Sammlung sehen durften, war es strengstens untersagt, sich Notizen zu machen oder gar Zeichnungen anzufertigen. Karl III. hatte eine Akademie zur Erforschung der Altertümer gegründet und behielt sich jedes Publikationsrecht vor. Bisher jedoch war erst ein einziger Band über die Funde erschienen - und auch diesen gab es nur aus der Hand des Königs an einen auserwählten Kreis.

Das erotische Kabinett

Durch weitere Bestechung gelingt es Winckelmann, auch in das geheimste Depot des Königs vorzudringen, das erotische Kabinett. Aus der Villa dei Papiri hatte man die Figur des Hirtengottes Pan geborgen, der sich mit einer Ziege vereint. Die Schlafzimmer der römischen Villen und Paläste waren häufig mit erotischen Szenen geschmückt. Kunstwerke, die den Moralvorstellungen des 18. Jahrhunderts nicht entsprachen und vom Königshaus sofort weggeschlossen wurden.

Das antike Pompeji war eine freizügige Welt. Das männliche Glied galt als Glücksbringer und ein Besuch im Freudenhaus gehörte zum Alltag der Pompejianer. In der Stadt wurden mehr als zwei Dutzend Bordelle ausgegraben. Malereien an den Wänden und Inschriften informierten die Besucher über die angebotenen Dienstleistungen und Preise. Für den Gegenwert von zwei Laib Brot erhielt man ein Schäferstündchen bei den Lupae, den Wölfinnen - wie die Prostituierten genannt wurden.

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