Blond gefärbte Barbaren

Radikaler Umbruch auch bei anderen Kelten

50 Kilometer Luftlinie vom Chiemsee entfernt leben zur Zeit des Supergaus die nächsten Nachbarn der Betroffenen. Sie siedeln am Dürrnberg im heutigen Österreich. Geschützt durch die Alpen bleiben sie zwar von den direkten Auswirkungen des Einschlags verschont. Aber sicher haben sie das Getöse gehört und die Feuerkugeln gesehen.

Aus Sicht von Spezialisten ist der Einschlag auch für die Dürrnberger ein traumatisches Erlebnis. Die Stunde Null führt einen auffälligen Wandel herbei, der sich innerhalb einer Generation vollzieht. Die neuen Forschungsergebnisse werden von den Grabbeigaben in einer Familiengruft untermauert.

Änderung des Bewusstseins

Im Abstand von wenigen Jahrzehnten ändern sich die beigefügten Objekte. Die Hinterbliebenen statten die Toten mit reich verziertem Schmuck und mehr Waffen aus als zuvor. Nach Meinung von Kurt Zeller, Wissenschaftler am Keltenmuseum in Hallein, ein nachvollziehbarer Wandel:


"Man stelle sich vor, jetzt passiert etwas, was bislang überhaupt noch nie da war, eine Naturkatastrophe von einer großen Breitenstreuung. Das muss einfach bewusstseinsverändernd gewesen sein. Wir kennen diese so genannte Endzeitstimmung, die alle paar Jahre von irgendeiner Sekte propagiert wird. Sie findet auch heute in unserer so aufgeklärten Zeit immer wieder Anhänger. Dann kann man sich erst vorstellen, wie das damals gewirkt haben muss, wenn man mehr oder weniger Zeitzeuge war von so einem Ereignis."

Grausame Waldteufel

Die Funde in Dürrnberg liefern ein konkretes Beispiel für den radikalen Umbruch im fünften Jahrhundert vor Christus. Eine Veränderung, die Römer und Griechen gleichermaßen registrieren. So hinterlässt der Historiker Diodor der Nachwelt ein Portrait der barbarischen Nachbarn: "Sie bieten einen Furcht erregenden Anblick. Sie sind hoch gewachsen, mit spielenden Muskeln unter weißer Haut. Ihr Haar ist nicht nur von Natur aus blond, sie bleichen es auch auf künstliche Weise, waschen es in Kalkwasser und kämmen es von der Stirn aus nach oben zurück. Daher ähneln sie den Waldteufeln."




Voller Abscheu berichtet Diodor auch vom Umgang der Kelten mit ihren Gegnern: "Sie schneiden die Köpfe ihrer Feinde ab und hängen sie an die Mähne ihrer Pferde, als hätten sie Tiere auf der Jagd erbeutet. Die Köpfe berühmter Feinde balsamieren sie mit Zedernöl und bewahren sie auf. Das ist das Wesen wilder Tiere, einen Genossen der eigenen Art auch noch nach dem Tod zu bekämpfen." Die Kelten sind unerschrocken im täglichen Angesicht des Todes. Doch eines fürchten die grausamen Krieger auch noch über 200 Jahre nach dem Einschlag des Kometen: dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt.

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