Blühende Landschaften

Fruchtbare Wüste zur Zeit der Garamanten

Das Garamantenreich saß wie eine Spinne im Netz der alten Transsahara-Routen. In der Mitte das heutige Ghat. An den Garamanten kam niemand vorbei. Aber die Stützpunkte mussten besetzt und ein unendlicher Zug von Karawanen organisiert sein.

Wie konnte die dafür erforderliche Zahl von Menschen in der Unwirtlichkeit des Sandmeeres überleben? Eine Antwort erhofft das italienische Forscherteam im äußersten Südwesten Libyens, am Rande des Akakus-Gebirges umrahmt von majestätischen Sanddünen, die das Herz eines jeden Wüstenliebhabers höher schlagen lassen.

Archäologisches Paradies

Der Chefgeologe der italienischen Mission in Libyen, Mauro Cremaschi, nennt die Dünen ein archäologisches Paradies. Jeder Stein im Wüstensand, so erklärt Cremaschi, wurde von den Bewohnern herbeigeschafft. Unglaublich: Hier siedelten schon in der Vor-Garamantenzeit viele Hunderte Menschen. Eine über 4000 Jahre alte kultische Steinaxt. Ein wichtiger Fund, aber nicht ungewöhnlich. Doch andere, auf den ersten Blick unscheinbarere Funde wie Muscheln elektrisierten: wie kommen sie hierher?

Cremaschi denkt an die Mandara-Seen im ehemaligen Garamantenreich. Auch hier am Rand des Akakus-Gebirges muss es damals so ausgesehen haben: Ufer, gesäumt mit Dattelpalmen und Schilf - ein Leben spendendes Paradies. Das Geheimnis der libyschen Wüstenseen liegt in ihren unterirdischen Quellen. Die Fata Morgana verdurstender Wüstenreisender ist echt. Die Menschen müssen hier wie in einem Traum gelebt haben. Exotische Tiere bevölkerten die fruchtbaren Savannen. Deshalb also waren die Menschen damals in Scharen gekommen, um zu siedeln und zu jagen.

Jäger, Bauern, Krieger

Aber existierten die Flüsse und Seen auch noch zur Zeit der Garamanten? Herodot beschrieb das Wüstenvolk genauso: als Jäger, die unter fruchtbaren Palmen wohnen; als kluge Bauern, die Rinder und wilde Stiere züchteten, aber auch als angriffslustige Krieger mit vierspännigen Streitwagen.


Mauro Cremaschi und sein Team wollen auf ihrer Expedition zu den ausgetrockneten Flussbetten Zeugnisse aus der Zeit finden, als die Wüste noch feucht und fruchtbar war. Die Reise führt zum Wadi Tanezzuft. Als das Flussbett noch Wasser führte, sollen hier Tausende von Menschen gesiedelt haben. Bei seiner Arbeit ist das Team auf Hilfe der einheimischen Tuareg angewiesen. Nur sie wissen, in welcher Felsspalte oder welcher Höhle Spuren der Urvölker zu finden sind.

Urzeitgalerie in der Sahara

Viele Zeugnisse uralter Saharavölker sind noch unentdeckt - versteckt in steinernen Höhlen und an schwer zugänglichen Felsvorsprüngen - eine der größten Urzeit-Galerien der Welt befindet sich mitten in der Sahara. In einer Höhle weitet sich der Fels bis zur Kuppel einer Kathedrale. Hier haben vor über 8000 Jahren die frühen Wüstenvölker begonnen, ihr Leben aufzuzeichnen: Und wieder finden sich Felsmalereien als Beweise: Giraffen. Zu Dutzenden jagten sie durch die fruchtbaren Ebenen - die heutige Wüste. Unvorstellbar für uns. Geblieben sind nur noch Sand und Steine.

Das italienische Team hat noch einen wertvollen Hinweis von ihrem Führer bekommen: Ganz in der Nähe, hinter einem gewaltigen Felsblock, sollen weitere Zeichnungen versteckt sein. Kunstexpertin Daniella Zampetti und die Fotografin Sara Giovannetti finden die Zeichnung eines Kriegers. Die Datierung wird ergeben, dass der Fels in der Zeit der Garamanten vor 2000 Jahren bemalt wurde. Die Bilder der Bewaffneten ähneln den berühmten Darstellungen der libyschen Fürsten aus Ägypten. Und noch ein Beleg für die unglaublichen Beschreibungen Herodots, die zwei Jahrtausende alten "Felsencomics" zeigen vor einen Wagen gespannte Zuchtrinder.

Streitwagen zur Jagd

Vor Jahrtausenden lebten die Menschen in blühenden Savannen-Landschaften; dann breitete sich unerbittlich, die Wüste aus. Die Menschen mussten geschickter werden beim Jagen, beim Ackerbau und sie schlossen sich zu größeren Gemeinschaften zusammen. Die Garamanten ersannen besonders geniale Mittel wie die mehrspännigen Streitwagen, die auch zur Jagd benutzt wurden.



Das Patentrecht für die berühmten antiken Streitwagen spricht Herodot den frühen Libyern zu. Von ihnen hätten die Griechen gelernt, vier Pferde anzuspannen. Hiermit hatte er also recht. Doch können die Archäologen auch die sagenhafte Hauptstadt Garama identifizieren?

Überlebenskampf als Gemeinschaft

Auf den Zeichnungen der Garamanten sind häufig Gruppen von Menschen zu sehen. Möglicherweise Jagdgemeinschaften. Als die Wüste das fruchtbare Paradies verdrängte, haben sich die Garamanten offensichtlich dem Überlebenskampf als Stammesgemeinschaft gestellt. Erfolgreich, wie wir heute wissen.

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