Blühendes Meer

Krill versorgt das antarktische Ökosystem mit Nährstoffen

Die einschneidendste saisonale Veränderung auf dem Planeten vollzieht sich, wenn das Antarktika umschließende Meereis zu schmelzen beginnt. Von der größten Ausdehnung im Frühjahr mit 19 Millionen Quadratkilometern sind am Ende des Herbstes nur noch drei Millionen übrig. Diese Eisschmelze prägt die antarktische Tierwelt nachhaltiger als die im Nordpolargebiet.

Krill
Krill Quelle: ZDF

Mikroskopisch kleine Algen, die im Winter unter dem Eis gelebt haben, nutzen die Energie des schwachen Sonnenlichts, um energiearme anorganische Moleküle in energiereiche organische Verbindungen umzuwandeln. Daraus entsteht Futter für den Krill, der sich vermehrt und das Ökosystem im antarktischen Meer mit Nährstoff en versorgt. Im Sommer bilden die nur fünf Zentimeter langen krabbenähnlichen Krustentierchen Schwärme von so gewaltiger Ausdehnung, dass sich das Meer über weite Flächen rot färbt. Das Gesamtgewicht des Krill in der Antarktis wird auf nahezu 500 Millionen Tonnen geschätzt.

Die Wale kommen

Krill ist die Hauptnahrung der meisten antarktischen Hochseevögel und vieler Robbenarten. Im Sommer kommen sechs verschiedene Walarten - Buckelwal, Südkaper, Blauwal, Finnwal, Seiwal und Südlicher Zwergwal - aus tropischen Breiten in den Süden, um sich am Krill zu mästen. Man sieht sie zu Hunderten in den ruhigen Gewässern entlang der Halbinsel. Alle gehören zur Ordnung der Bartenwale und benutzen die vom Gaumen herabhängenden Hornplatten, um die Krustentierchen aus dem Wasser zu sieben.

Bartenwale filtern Krill aus dem Meer
Bartenwale filtern Krill aus dem Meer Quelle: ZDF

Jede Walart bedient sich einer anderen Fressmethode, die sich danach richtet, wie tief ein Krillschwarm ins Wasser hinabreicht (der Krill bewegt sich innerhalb einer Wassersäule in einem Tageszyklus aufwärts und abwärts). Wenn er an der Oberfläche ist, nähern sich die meisten Wale aus der Tiefe, schnappen sich ein Maulvoll, schließen das Maul und drücken das Wasser durch das Sieb aus Hornplatten wieder hinaus. Oft arbeiten die Wale im Kollektiv, wobei drei oder vier von ihnen wie Erntemaschinen die Oberfläche durchpflügen. Sie bewegen sich diagonal zueinander, so dass der eine dem anderen den Krill praktisch vors Maul treibt. Südkaper und Seiwal ernten das Meer von oben ab.

Raffinierte Fangmethode

Wenn sich der Krillschwarm in großer Tiefe aufhält, wendet der Buckelwal eine Methode an, die er auch zum Fischfang benutzt. Zwei Wale tauchen gemeinsam in oder unter einen Schwarm. Bei der Rückkehr an die Oberfläche umkreisen sie einander spiralförmig und erzeugen dabei Luftblasen, die eine röhrenförmige Falle bilden. Der Krill strömt in den Ring aus Blasen, und die Wale brauchen beim Aufsteigen nur noch das Maul aufzureißen.

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