Bodycheck mit Berggorillas

Dirk Steffens Erlebnisse beim Dreh in Uganda

Lange, anstrengende Märsche in den Regenwald standen auf dem Drehplan. Dirk Steffens und das ZDF-Team sollten eine Forscherin zu den letzten Berggorillas begleiten. Doch dann war gar nicht sicher, ob die Dreharbeiten überhaupt stattfinden können. Eine Grippeerkrankung mit Fieber zwang den Moderator, ein ugandisches Krankenhaus aufzusuchen. Am Ende siegte aber doch der Optimismus, und die Expedition konnte starten. Dirk Steffens schildert seine Eindrücke von der spannenden Begegnung mit den Menschenaffen.

Dirk Steffens bei den Berggorillas im Nebelwald Quelle: ZDF


30. November 2009, Bwindi-Schutzgebiet, Uganda. Nach fünf endlosen Tagen, die ich fiebernd in einem durchgeschwitzten Bett in Entebbe verbracht habe, sind wir endlich da. Neben mir marschiert Martha Robbins, eine der weltweit führenden Gorillaforscherinnen, mit sicherem Schritt durch Schlamm und Unterholz.

Reality-Check im Urwald

In den Tälern unter uns wabern träge Wolken, der knallgrüne Regenwald dunstet schwere Tropendüfte aus, und mein Kopf ist voller Bilder aus "Gorillas im Nebel". Aber wie das nun mal so ist mit Fantasien - die wenigsten davon überstehen den Reality-Check. Und die Wahrheit ist: Meine virusgeschwächten Beine fühlen sich wie warmes Gummi an, ich keuche, schwitze, rutsche aus und stolpere bei jedem dritten Schritt über Lianen. Dornengestrüpp zerkratzt Arme und Beine. Der Boden ist so dicht von fiesen, pieksenden Wucherpflanzen bedeckt, dass ich mir vorstelle, durch ein hohes Stacheldrahtfeld zu marschieren. Habe ich die Hitze schon erwähnt? Die Insekten? Die steilen Hänge? Hier leben schließlich BERGgorillas! Kein vernunftbegabter Mensch würde je freiwillig herkommen. Deshalb bin ich hier.

Kamerateam, Nebelwald Quelle: ZDF

Natürlich war ich sofort begeistert von der Idee, ein paar Moderationen für "Faszination Erde" bei den Berggorillas im ugandischen Nebelwald zu drehen. Aber ich bin ja auch naiv, immer leicht zu begeistern, insbesondere, wenn es um Expeditionen zu exotischen Zielen geht. Selber schuld also. Deshalb darf ich jetzt auch nicht rummeckern. Ich würde aber gerne. Wirklich gerne.

Bloß keinen Gorilla anstecken!

Während einer der kleinen Pausen, die Martha rücksichtsvollerweise für mich einlegt und die ich meist auf dem Boden kauernd und nach Luft schnappend verbringe - wir sind schließlich über 2500 Meter hoch - hält sie mir mit strengem Gesichtsausdruck einen Mundschutz hin. "Damit du die Gorillas nicht ansteckst", erklärt sie. Meine Lunge rasselt bedenklich, das Atmen fällt sowieso schon schwer. Jetzt also auch noch ein Mundschutz, der das Luftholen zusätzlich behindert.

Dirk Steffens mit Mundschutz, Nebelwald Quelle: ZDF

Aber sie hat natürlich recht: 98 Prozent unserer Gene stimmen mit denen der großen Menschenaffen überein. Krankheitserreger haben da vergleichsweise leichtes Spiel, die Artengrenze zu überspringen. Zwar bin ich ärztlich attestiert nicht ansteckend, aber sicher ist sicher. Schließlich will nicht ausgerechnet ich es sein, der irgendeine gefährliche Seuche bei den Letzten dieser Art einschleppt. Ich sehe schon die Schlagzeile vor mir: "ZDF-Moderator rottet Gorillas aus!" - Oh, Mann! Her mit dem Mundschutz!

Der Silberrücken will nur spielen

Silberrücken Rukina ist heute ziemlich entspannt drauf. Er liegt rücklings dösend unter einem Busch und lässt alle paar Minuten einen fahren. Ist ja auch kein Wunder, wenn man sechs Kilo Grünfutter pro Tag verdrückt. Blätter, Gras, Rinde, lauter schwerverdauliches Zeug also, das Rukina nur dank hilfreicher Bakterien in seinen Därmen kleinkriegt. Die lautstark entweichenden Biogase sind also ein Tribut an die fast ausschließlich vegetarische Lebensweise des 200-Kilo-Silberrückens.

Berggorilla Fuzi Quelle: ZDF

Sein Blätterbauch ist kugelrund, doch davon darf man sich nicht täuschen lassen. In dem fassförmigen Körper stecken gewaltige Kräfte, so ein Prachtbursche wie Rukina könnte mit jedem Arm einen Kleinwagen heben. Bloß keinen Streit anfangen, denke ich gerade, als der erwachte Silberrücken näher kommt und Gart, dem Ranger in unserer Gruppe, einen zärtlichen Schulterstups gibt. Der kräftige Einsneunzigmann fliegt in die Büsche, und ich schaue unterwürfig zu Boden, so wie ich es bei früheren Gorilla-Expeditionen in Zentralafrika gelernt habe. Rukina pupst zufrieden, dann schlendert er weiter. Schwein gehabt! Aus den Büschen lächelt Gart mich an, und Martha schmunzelt: "Sind alte Freunde die beiden, die spielen nur."

Effektvoller Auftritt

Am nächsten Tag stolpern wir wieder mit unserer Kameraausrüstung durch den Nebelwald, Martha und ich vorneweg. Als ich gerade einem vorbeifliegenden und mir völlig unbekannten Vogel hinterherstarre, bleibt Martha urplötzlich stehen. Ich renne gegen sie, sehe im Augenwinkel einen schwarzen Koloss auf mich zuwanken und mache erschrocken einen Satz rückwärts. Fuzi bleibt stehen und starrt uns unentschlossen an. Ich bin keine zwei Meter von ihm entfernt in eine Schockstarre gefallen und blicke in seine roten Affenaugen, die von einem zum anderen wandern. Irgendwas heckt er aus, das kann ich sehen. Aber was nur?

Nach einer gefühlten Ewigkeit, die vielleicht zehn oder zwanzig Sekunden dauert, entspannt sich Fuzi, das kräftige junge Männchen, und tapert im Knöchelgang an mir vorbei. Als sich sein imposantes Hinterteil an mir vorbeischiebt, macht er ansatzlos einen weiten Sprung nach rechts, schwingt die Hüfte wie ein Sambagott und schießt Gart mit seiner Pobacke von den Beinen. Dann trottet er weiter, als sei nichts gewesen. Gart rappelt sich auf, Martha schmunzelt wieder, Fuzi blickt zurück. Und wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich behaupten, da sei so etwas wie ein Grinsen in seinem Affengesicht. Aber das habe ich mir natürlich nur eingebildet.

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