Borchardts Jahrhundertfund

Deutscher Schatzjäger findet "bunte" Büste der Nofretete

Im Jahr 1895 kommt Ludwig Borchardt im Auftrag der Deutschen Orientgesellschaft nach Ägypten. Der junge Bauingenieur ist fasziniert von der Architektur der Pharaonen, erforscht die Pyramiden von Abusir. Von Anfang an nutzt Borchardt das Medium der Fotografie, um seine Studien zu dokumentieren. Er beschreibt jede Säule und jede Inschrift in den Tempelruinen von Abusir.

Borchardt hält Büste von Nofretete in den Händen (Spielszene) Quelle: ZDF

Doch Borchardt interessiert sich nicht nur für die Archäologie: Mimi Cohen kreuzt seinen Weg. Sie stammt aus einer Frankfurter Bankiersfamilie und bereist mit ihren Eltern das Land am Nil. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Ludwig und Mimi sind unzertrennlich und heiraten im Jahr 1903. Sie teilen ein lebenslanges Interesse für die Archäologie und stehen im Mittelpunkt der Gesellschaft in Kairo.

Cornelius von Pilgrim im Keller der Borchardt-Villa Quelle: ZDF

Jahrzehntelanges Desinteresse

Im Keller der Borchardt-Villa im noblen Stadtteil Zamalek findet der Archäologe Cornelius von Pilgrim ungehobene Schätze aus dem Leben von Ludwig Borchardt und seiner Frau Mimi. Fast der gesamte private Nachlass ist erhalten geblieben. Doch Jahrzehnte hat sich niemand für den Entdecker der Nofretete interessiert. Cornelius von Pilgrim findet einen ganzen Koffer voller versiegelter Briefe. Enthüllen sie, wie es Borchardt gelang, die Büste der Nofretete nach Deutschland zu bringen? Von Pilgrim leitet heute das Institut, das von Borchardt gegründet wurde, und lebt mit seiner Frau Beatrice in der Villa am Nil. Gemeinsam rekonstruieren sie das Leben von Ludwig und Mimi Borchardt, die sich tagtäglich geschrieben haben, wenn sie nicht zusammen auf der Grabung waren.

Ludwig Borchardts Leidenschaft ist die Astronomie, und er ist ein glänzender Mathematiker. So gelingt es ihm, aufgrund von Sternenkonstellationen das Alter vieler Monumente zu berechnen. Mit größter Akribie zeichnet er die Pyramidenanlage von Abusir, jeden Stein im richtigen Winkel. Mimi nimmt an seinem Leben teil. Und ihr Vermögen sorgt für finanzielle Sicherheit, die andere Ausgräber entbehren müssen.

Borchardt zeichnet die Pyramidenanlage von Abusir (Spielszene) Quelle: ZDF

Schatzjäger für Deutschland

Borchardt ist nicht nur Entdecker und Gelehrter. Als Schatzjäger ist er im Auftrag des Kaiserlich Deutschen Generalkonsulats unterwegs. Seine Mission ist der Erwerb von Raritäten aus der Zeit der Pharaonen. Mit seinen Schätzen sollen die deutschen Museen so berühmt wie der Louvre oder das Britische Museum werden. So kommt Borchardt auch in Kontakt mit Antikenhändlern, die den privaten Markt mit heiß begehrten Mumien und Skulpturen bedienen. Borchardt fahndet nach seltenen Papyri, an denen in Deutschland großes Interesse besteht. Durch seine Verbindungen erhält er wertvolle Informationen über die besten "Claims". Gelangt Borchardt bei seinen Deals an den Geheimtipp für ein neues Eldorado in Ägypten?

1907 tauchen auf dem Markt außergewöhnlich schöne Skulpturen auf: die Beute von Raubgrabungen in Amarna. Sie führen Borchardt auf die Spur zu seinem größten Schatz. Die Grabung in der versunkenen Stadt Echnatons mit ihren Tempeln und Palästen, Hunderten von Häusern und Werkstätten muss eine große Herausforderung für den jungen Bauforscher gewesen sein. Borchardt gelingt es, die Grabungserlaubnis für die Ruinen von Amarna für die deutsche Orient-Gesellschaft zu erlangen - im Wettstreit mit amerikanischen und französischen Archäologen. Financier ist der Berliner Textilfabrikant und Mäzen James Simon.

Ikonen einer versunkenen Welt

Von Anfang an ist das Unternehmen mit Erfolg gesegnet. 17 Jahre hält Borchardt für nötig, um die Schätze der Wüste auszugraben. Ein Kopf des Königs Echnaton ist eines der ersten Fundstücke. Porträts, "die alles Bekannte übertreffen", so Borchardt an Simon. Gesichter mit bewegend echten Zügen. Borchardt erklärt die Grabung in der Werkstatt des grandiosen Bildhauers Thutmosis zur Chefsache. 26 fragile Skulpturen aus Stein und aus Gips, teilweise noch unvollendet, gelangen ans Tageslicht. Ikonen einer versunkenen Welt, die bis heute voller Rätsel ist.

Was am 6. Dezember 1912 geschieht, hat Borchardt in seinem Grabungstagebuch beschrieben: "Etwa in Kniehöhe vor uns im Schutt wurde ein fleischfarbener Nacken mit aufgemalten Bändern bloß. 'Lebensgroße bunte Büste der Königin' wurde angesagt und mit den Händen behutsam weitergearbeitet." Ein Jahrhundertfund!

"Beschreibung zwecklos"

Ein Wunder, dass die zerbrechliche Skulptur 3.000 Jahre im Sand überstehen konnte. Die Farben sind so kräftig, als hätte der Bildhauer sie gerade aufgetragen. "Als das Stück ganz befreit war", schreibt der Entdecker, "hatten wir das lebensvollste ägyptische Kunstwerk in Händen." "Beschreibung zwecklos, muss man gesehen haben", so Borchardt weiter. Die Schönheit der Büste verschlägt ihm die Sprache. Nofretete: "Die Schöne ist gekommen", so lautet ihr Name. Als "göttlich schöne Frau" wird man sie verehren - ihren Entdecker aber in den Verdacht dubioser Machenschaften bringen.

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