Botschaften aus dem All?

Nasca-Pionierin Maria Reiche und Visionär Erich von Däniken

Vor knapp neunzig Jahren gerät die einsame Wüstengegend unweit der kleinen Stadt Nasca in die Schlagzeilen. Vom Flugzeug aus entdecken Piloten dort seltsame Darstellungen. Der Zufallsfund bleibt nicht ohne Folgen. Seither liefert der Ort den Stoff für verwegene Spekulationen. Allen voran die Behauptung, das Nasca-Plateau sei ein Landeplatz für außerirdische Besucher.

Linien in der peruanischen Wüste
Linien in der peruanischen Wüste Quelle: ZDF

Menschenähnliche Figuren prangen weithin sichtbar an den kargen Flanken der Hügel. Exotische Tiermotive überziehen die weitläufige Ebene - manche so groß wie zwei Fußballfelder. Zur monumentalsten Gruppe gehören geometrische Gebilde. Trapezförmige Konstruktionen, Dreiecke und kilometerlange Geraden, die sich überlagern oder mitten im Gelände abrupt enden.

Suche nach dem System

Dass der Schlüssel für das "Bilderrätsel" im Universum liegen muss, davon ist auch eine deutsche Wissenschaftlerin überzeugt. 1941 beginnt Maria Reiche, die Wüste zu fegen.

Sie ist entschlossen, das Geheimnis der so genannten Geoglyphen aufzudecken. Immer wieder fotografiert sie die geometrischen Formationen. Die Forscherin sucht nach einem System hinter dem Geflecht. Der Umgang mit Kurven, Schnittpunkten und Linien - für die Mathematikerin ein vertrautes Terrain. Im Alleingang und in glühender Hitze vermisst sie in den folgenden vier Jahrzehnten fast jedes Motiv. Das Unternehmen erweist sich als schwierig, denn die Gravuren liegen unter dem Wüstenlack und sind oft nur wenige Zentimeter tief.

Nasca - Forscherin Maria Reiche (Spielszene) Quelle: ZDF

Die ehrgeizige Frau dokumentiert eine Fläche von 150 Quadratkilometern. Ein Gebiet, etwa so groß wie Liechtenstein. Aus den Daten erstellt die Forscherin detaillierte Pläne. Sie sollen Aufschluss über Größe und Ausrichtung der seltsamen Darstellungen geben. Die Basis für ihre gewagte These. Reiche geht davon aus, die Geraden und Dreiecke dienten dazu, den Verlauf der Gestirne zu beobachten. Um das zu beweisen, versucht die Deutsche, eine schlüssige Verbindung zu den fernen Himmelskörpern zu finden. Schließlich glaubt sie, die gewaltigen Konstruktionen erklären zu können. Nach Ansicht der Mathematikerin stellen die Linien frühe Peilinstrumente der Nasca dar.

Kampf um Anerkennung

Die Indios entwickelten die Hilfsmittel, um die Position der Sonne zu bestimmen. So konnten sie die Tagundnachtgleichen ermitteln und damit den günstigsten Zeitpunkt für Aussaat und Ernte. Mit der astronomischen Deutung der Bodenbilder betritt Maria Reiche ein Gebiet, für das es bis dahin keine wissenschaftliche Disziplin gab. Die Forscherin geht in die Offensive und veröffentlicht eine erste Abhandlung im Selbstverlag. Doch ihre spektakuläre Enthüllung stößt auf wenig Zustimmung. Mit der Theorie vom Nasca-Plateau als größtem Astronomiebuch der Erde steht Reiche allein. Vergeblich kämpft sie um Anerkennung in der Fachwelt - und das über zwanzig Jahre.

Nasca - Kalenderrad der Maya Quelle: ZDF

Dabei erscheint die Idee von einem Stonehenge in Peru nicht abwegig. Viele Völker im Alten Amerika wussten Himmelserscheinungen zu deuten. So erfanden die Maya ein ausgeklügeltes Kalenderrad, um die 365 Tage eines Jahres präzise anzuzeigen. Ihre These kann Maria Reiche nicht belegen, sie ebnet aber den Weg für eine neue Spekulation.
1968 trumpft Erich von Däniken mit der Behauptung auf: Die Nascalinien sind Landebahnen von Besuchern aus fremden Galaxien. Die Aliens, so Däniken, wollen den Globus erobern und die Entwicklung der Menschen beeinflussen. Pure Fiktion ohne logische Grundlage, wie Forscher wissen. Denn selbst wenn es Außerirdische gäbe, die über Technologien verfügten, Lichtjahre zu überwinden, so benötigten sie wohl kaum primitive Landebahnen im Wüstensand.

Ernennung zum Weltkulturerbe

Die Kritik kümmert den Schweizer wenig. Geschickt kontert er mit einer Marketing-Strategie. Über 62 Millionen Mal gehen Dänikens Bücher über die Ladentheke. Den Nachweis für seine kühnen Visionen aber bleibt der Autor bis heute schuldig.
Maria Reiche wird die Geister, die sie rief, nicht mehr los. Bis ins hohe Alter wehrt sie sich gegen Dänikens Hirngespinste und verteidigt ihre eigene Theorie. Kurz vor ihrem Tod kann die Pionierin der Nasca-Forschung aber doch noch einen Erfolg verbuchen: Auf ihr Betreiben erklärt die Unesco die Geoglyphen zum Weltkulturerbe.

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