Bram Stokers Vampire

Von der historischen Person zur berühmten Filmfigur

Als der irische Schriftsteller Bram Stoker im April 1912 mit 64 Jahren in London verstirbt, hat er viele Länder gesehen und sich mit Größen der Literaturgeschichte ausgetauscht. Sein Roman "Dracula" wird jedoch erst nach dem Tod Stokers zum Bestseller und Welterfolg.

Buchcover Bram Stokers Dracula Quelle: Carl Hanser Verlag

Abraham "Bram" Stoker kommt am 9. November 1947 als drittes von sieben Kindern zur Welt. Die Ärzte machen den Eltern zunächst wenig Hoffnungen auf ein langes Leben des Jungen. Bis zum achten Lebensjahr kämpft er durchgehend mit verschiedenen Krankheiten, kann weder stehen noch laufen. Als er endlich - nach Ansicht seiner Ärzte einem Wunder gleich - genesen ist, ändert sich dies.

Am Trinity College zu Dublin wird er zur wahren "Sportskanone". Dort spielt er Fußball, beschäftigt sich in erster Linie aber mit Geschichte, Literatur, Mathematik und Physik. Zwischen 1864 und 1870 macht er in London seinen Abschluss in Rechtswissenschaften.

Auf dem Weg zum Schriftsteller

Da er sich als Beamter bei der Justizverwaltung in Dublin nicht ausreichend ausgelastet sieht, beginnt er nebenher als Journalist und Theaterkritiker zu arbeiten. Er macht Bekanntschaft mit verschiedenen Größen des Londoner Theaters und wird in die High Society der englischen Hauptstadt aufgenommen. Zusammen mit dem Schauspieler Henry Irving bereist Stoker die Welt, heiratet 1878 und wird Vater eines Jungen (1879, Irving Noel Stoker).

Um sein Gehalt aufzubessern, versucht sich Stoker auch als Buchautor. Zwischen 1890 und 1911 entstehen eine Reihe von Kurzgeschichten und Romanen. Der bekannteste ist bis heute der 1897 erstmals veröffentlichte "Dracula". Den Welterfolg des Buches erlebt Stoker jedoch nicht mehr. Er stirbt 1912 in London, im Alter von 64 Jahren - angeblich an Erschöpfung.

Grausames Vorbild

Porträt von Vlad Draculea Quelle: dpa

In erster Linie soll Vlad III. Draculea (1431 bis 1476, Herrscher der Walachei, auch als Vlad Tepes - "der Pfähler" - bekannt) Pate für die Figur des Graf Dracula gestanden haben. Der Hauptcharakter des gleichnamigen Romanes wird zum Synonym für alle später entstandenen Vampir-Geschichten. Die Figur selbst jedoch beruht nach Erkenntnissen des Wiener Medienwissenschaftlers Rainer Köppl, auf historischen Quellen.



Vlad Draculea (was so viel bedeutet wie "Sohn des Drachen") führt im Mittelalter lange Jahre Krieg gegen die Türken. Dabei demonstriert er sein Talent als Politiker und Heerführer. Doch sein Kampf um den walachischen Thron ist letztlich nicht von Erfolg gekrönt. Verraten und von seinen Verbündeten im Stich gelassen fällt Vlad Draculea 1476 bei einem Hinterhalt der Türken. Den Beinamen "der Pfähler" erhält er erst nach seinem Tod. Zu Lebzeiten hatte er unter illoyale Adlige, aber auch türkische Gesandte und Soldaten durch Pfählen, eine besonders grausame und schmerzhafte Methode, hinrichten lassen.

Schloss Bran Quelle: ap,Eugeniu Salabasev

Umfangreiche Recherche

Stokers Erfolgsroman, der als eine Mischung aus Reise-, Liebes-, Abenteuer- und Horrorroman angesehen wird, verzichtet auf einen einzelnen, allwissenden oder subjektiven Erzähler. Vielmehr wird der Fortlauf der Geschichte anhand von Tagebucheinträgen, Briefen und Zeitungsartikeln dokumentiert. Zur Verständigung der handelnden Personen untereinander hilft Stoker ein wenig nach, indem er die Protagonisten die Tagebücher der anderen lesen lässt.

Wenn auch weit gereist, so hat Stoker doch nie jene Orte gesehen, an denen sein Erfolgsroman spielt. Seine Schilderungen über Draculas Ländereien, Flora und Fauna, die Menschen und das Klima sind Ergebnis intensiver Recherchen. Stoker durchforscht Bibliotheken und Archive, nutzt umfangreiches Kartenmaterial des Militärs sowie Reiseberichte von Kaufleuten und Gesandten. Was die Bekämpfung von Vampiren mit Kreuzen, Holzpflöcken oder Knoblauch anbetrifft, so bedient sich Stoker alter Vampirsagen und Legenden.

Christopher Lee Quelle: ap

Vampire heute

Stokers Roman dient bis heute einer Vielzahl von Vampirfilmen als Vorbild. Doch während die meisten neueren Filme und Serien (wie "Underworld", "Blade" oder "Buffy") die Legende um Dracula höchstens streifen, berufen sich vor allem viele ältere Filme auf Bram Stokers Version des Fürsten der Finsternis. Als transsylavnischer Graf agierten unter anderem Max Schreck (1922), Christopher Lee (erstmals 1958), Klaus Kinski (1979), Gary Oldman (1992) und Gerard Butler (2001) vor der Kamera.

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