Briefe an den Scheich

Wissenschaftlicher Schatz

Die Professoren Michael Jansen und Heinz Gaube haben sich vorgenommen, dem Geheimnis der Oasen auf den Grund zu gehen. Das System Oase wird entschlüsselt. Am Anfang steht ein überraschender Fund.

Oman mit seiner Hauptstadt Muscat liegt im äußersten Südosten der Arabischen Halbinsel. 82 Prozent des Landes bestehen aus Wüste und 15 Prozent aus kargem Gebirge - lebensfeindliches Terrain.

Exodus aus den Oasen

Die Spuren der ersten Oasen reichen 5000 Jahre weit zurück. Heute sind viele von ihnen verlassen. Im Laufe der Geschichte Omans kam es immer wieder zum Exodus aus den Oasen. In diesem Umfang ein Phänomen - einmalig auf der Welt. Seit langem rätselt man über die Gründe für diese Art von Schwankungen. Warum verließen die Menschen manche Dörfer und ganze Regionen für immer? Während andere Oasen über Jahrtausende bestehen konnten. Diesem Geheimnis ist der Orientalist Heinz Gaube von der Universität Tübingen auf der Spur. Gaube selbst weiß von 70 solcher Geisterstädte. Aber um Antworten geben zu können, muss er zuerst wissen, wie das System Oase funktioniert.

Nasser, ein Student der Uni Muscat, führt Gaube zum verlassenen Haus des Scheichs. Nasser hat in Gaubes Auftrag recherchiert und ist vom Scheich persönlich auf alte Dokumente hingewiesen worden, die nützlich für Gaubes Forschung sein können. In den ehemaligen Lagerräumen finden sie alte Tonkrüge und entdecken einen wissenschaftlichen Schatz: über 8000 Briefe aus dem frühen 19. Jahrhundert. Originalbriefe an Murzin al Abri, der damalige Scheich der Oase. Schon der erste Brief erwähnt das Zauberwort, "Wasser!"

Geniale Technik

Eine Expedition auf der Spur des Wassers, soll zeigen wie das Bewässerungssystem der Oasen funktioniert. Immer wieder sprechen die Briefe von lebenswichtigen Kanälen. Bekannt ist, dass die Oasen nur mittels der genialen omanischen Bewässerungstechnik, der Falaj-Kanäle, überleben. Die Falaj-Kanäle sind eine wahre Meisterleistung der Ingenieure. Doch wie und wo wurde diese Technik entwickelt? Und woher kommt das Wasser? Bisher nimmt man an, dass persische Eroberer 600 vor Christus diese Technik nach Oman brachten. Doch die Präsenz der Perser im Landesinneren konnte bislang nicht sicher nachgewiesen werden.

In den alten Briefen findet der Orientwissenschaftler wertvolle Details über das blaue Gold der Oasen - das kostbare Nass als Grundlage allen Handelns. Mit Hilfe der Briefe kann Gaube das Leben in den Oasen des frühen 19. Jahrhunderts rekonstruieren. Neben Klagen über Fehden und Streitereien um Wasser und Land berichten sie, wie die Oasen organisiert waren: Soziale Hierarchien und die Wasserverwaltung spielen eine große Rolle. Neben Besitzübernahmen ist in den Briefen von Handel die Rede.

Berühmte Fernhändler

Die Omanis waren berühmte Fernhändler, sie galten als die besten Seefahrer ihrer Zeit. Sie hielten es länger auf See aus, legten größere Distanzen zurück, weil sie nicht mit Skorbut zu kämpfen hatten. Die vitaminreichen Datteln aus den heimatlichen Oasen waren ihre Wunderwaffe. Sie navigierten nach den Sternen und ihre schnellen, wendigen Boote machten sie zur Legende - wie Sindbad der Seefahrer, der aus dem Oman stammte. Sie kannten den Seeweg nach Indien und importierten von dort Gewürze. Und um 660 führte sie der Handel bis nach China. An den Küsten entstanden reiche Hafenstädte, Oasen am Ozean. Das Süßwasser kommt aus dem Landesinneren direkt bis ans Meer. So konnten die Handelsflotten ihr Trinkwasser auftanken.

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