Brisante Fracht an Bord

Geheime Pläne und Bauteile für das japanische Militär

Auf dem Kriegsschauplatz Europa wendet sich 1944 das Blatt: Hitler und seine Führungsriege geraten unter Druck. Nach der geglückten Landung der Amerikaner in der Normandie ziehen die Alliierten die Schlinge unaufhaltsam zu.

Schwere Angriffe zu Wasser, zu Land und aus der Luft drängen die deutschen Truppen immer weiter zurück.

Gefahrvolle Reise



Im freien Hafen Kiel bereitet Ende 1944 die Mannschaft der U-864 das Schiff zum Auslaufen vor. Vor den Männern liegt eine gefahrvolle Reise. Das Kommando führt Kapitän Ralf-Reimar Wolfram. Ein bewährter Ausbilder, jedoch ohne Erfahrung im Einsatz gegen den Feind. Auf fehlende Routine aber nimmt im fünften Kriegsjahr niemand mehr Rücksicht. Unter Wolframs Verantwortung fällt die geheime "Operation Cäsar". Sie genießt oberste Priorität. In dunkler Nacht nimmt die U-864 eine Reihe von Kisten auf. Nur wenige aus der Crew kennen den brisanten Inhalt.

Keine besonderen Vorkomnisse

Das Boot vom Typ 9 D 2 ist ein Ausnahmeexemplar. Mit 20 Knoten pro Stunde und fast 90 Metern Länge gehört es zu den schnellsten und größten seiner Zeit. Dies sind die Vorteile, die den Ausschlag geben, die geheime Fracht auf der U-864 zu transportieren. Die Instruktionen sind unmissverständlich: Kapitän Wolfram soll mit der U-864 die gegnerischen Linien durchbrechen und die Fracht sicher ans Ziel bringen. Ebenso wie die deutschen und japanischen Wissenschaftler an Bord. Ihr Auftrag lautet: die Konstruktion einer Superwaffe im Einsatz gegen die amerikanische Luftflotte.


Am frühen Morgen des 5. Dezember 1944 sticht das Boot in See. Die geplante Route führt von Kiel aus über den Atlantik, um Afrika herum bis zur Insel Penang in Malaysia. Zunächst lässt der Kommandant Kurs Nord einschlagen - in Richtung Norwegen. Die Fahrt läuft gut an, es gibt keine besonderen Vorkommnisse. Längst halten die Royal Navy und die Royal Air Force das Seegebiet unter Kontrolle. Im Dauereinsatz jagen sie deutsche U-Boote. Die einst gefürchteten "Wölfe der See" sind leichte Beute.



Von Kiel bis nach Farsund an der Südküste Norwegens pflügt die U-864 ungestört durch die Gewässer. Um nicht entdeckt zu werden, fährt die Crew bei Tag über weite Strecken im Tauchgang. Nur hin und wieder riskiert Kapitän Wolfram einen Blick durch das Periskop. Weit und breit keine Gefahr in Sicht. Dann befiehlt der Kommandant das Abtauchen auf 40 Meter Tiefe. Eine fatale Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. So zumindest geht es aus aufgezeichneten Funksprüchen hervor. Am 29. Dezember 1944 hat die U-864 plötzlich Grundberührung. Das Aufsetzen auf dem Meeresboden vor Farsund könnte "Operation Caesar" nachhaltig gefährden.

Kampfjets für Japan

Kapitän Wolfram lässt umgehend die üblichen Sicherheits-Checks durchführen. Schiff und Ladung werden von der Crew auf Schaden überprüft. Und die Ware hat es in sich: In den Kisten liegen Blaupausen der neuesten Triebwerke und Bauteile für das erste militärische Düsenflugzeug der Welt - entwickelt von Junkers, Walter, BMW und Messerschmitt. Den neuartigen Antrieb konstruierten die Ingenieure eigens für den Kampfjet "Messerschmitt 262". Hitlers Verbündeter Japan brauchte die technische Innovation dringend. Denn die Truppen des Tenno konnten der amerikanischen Luftüberlegenheit im pazifischen Raum Ende 1944 nichts mehr entgegensetzen. Für die Japaner steht also viel auf dem Spiel. Umso wichtiger ist das Gelingen des heiklen Unternehmens.

Doch die Alliierten wissen bereits Bescheid - der britische Geheimdienst hatte saubere Arbeit geleistet. Den Abhör- und Dechiffrierspezialisten von Bletchley Park bei London gelang es, den Code der legendären Enigmamaschine zu knacken. So konnten sie den gesamten Funkverkehr der Deutschen lesen. Besonders die Botschaften der U-Boot-Flotte zeichneten die Agenten minutiös auf und leiteten sie entsprechend weiter. Das Transportgut auf der U-864 war den Engländern demnach bis ins Detail bekannt - sogar, wie die Wissenschaftler hießen und der Deckname der Aktion: "Operation Caesar".

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet