Brünings Pionierleistung

Deutscher entdeckt Hinweise auf ein untergegangenes Reich

Im Tal von Lambayeque, rund 50 Kilometer von der Küste Nordperus entfernt, arbeitet um 1880 der Deutsche Hans Heinrich Brüning. Der Sohn wohlhabender Bauern stammt aus der Nähe von Kiel. Den ausgebildeten Ingenieur führte sein Beruf fünf Jahre zuvor in die exotische Welt am Fuß der Anden.

Brüning schaut auf die Pyramiden (Spielszene) Quelle: ZDF

Seither verkauft er an die großen Zuckerrohrplantagen Erntemaschinen, arbeitet dort aber auch als Techniker und Verwalter. Sein Know-How benötigen die Indios immer wieder. Wie so oft haben die Arbeiter Probleme mit den empfindlichen Geräten aus Europa. Doch auf dem Weg zur Werkstatt macht er eine Entdeckung, die sein Leben verändern wird.

Kunstschätze im Feuer

In der Schmiede der Hazienda Patapo floriert ein dunkles Geschäft. Statt Roheisen für Ackergeräte glühen goldene Kunstschätze im lodernden Feuer der Esse. Als Brüning im Vorbeigehen die verbotene Aktion bemerkt, kann er den Frevel nicht fassen. Er muss zusehen, wie die Handwerker das Erbe ihrer eigenen Ahnen einschmelzen.


Rund 1000 Jahre alte Objekte werden unwiederbringlich zerstört. Das edle Metall verscherbeln die Einheimischen meistbietend an skrupellose Handwerker, die daraus Schmuck und Goldzähne fertigen. Der Deutsche weiß zwar, dass die heimlichen Nebeneinkünfte das karge Einkommen der Tagelöhner, die fast alle eine Großfamilie ernähren müssen, verbessern. Doch wenn er die wertvollen Gegenstände retten will, muss er handeln. Als eine bemalte Maske aus Goldblech ins Feuer soll, zögert der Ingenieur nicht länger. Brüning bietet einen stolzen Preis - so hoch, dass keiner der Indios ihn ausschlagen kann. Das Meisterwerk aus der Vergangenheit ist nur der Bruchteil eines riesigen Schatzes und der Hinweis auf ein untergegangenes Reich irgendwo im Umland.

Bemalte Maske aus Goldblech Quelle: ZDF

Bizarre Strukturen

Von Neugier getrieben beschließt Brüning, der Sache auf den Grund zu gehen. Schon wenige Wochen später schlüpft er in die Rolle eines Forschers. Mit einem kundigen Führer streift er viele Kilometer durch die Wildnis. In jedem Winkel, von der Pazifikküste bis zu den Höhen der Anden, suchen die beiden nach der Spur des Goldes. Mitten in der Einöde stoßen Brüning und sein Begleiter auf eine Gruppe schroffer Felsformationen, die majestätisch alle anderen Erhebungen überragen. In glühender Hitze suchen die Abenteurer nach einem Pfad, der sie auf einen der Berge bringt. Von oben wollen sie sich einen Überblick verschaffen. Der Deutsche hat derart bizarre Strukturen noch nie zuvor gesehen. Sie können unmöglich ein Wunderwerk der Natur sein. Vielmehr sieht es so aus, als seien sie von Menschenhand geschaffen.

Schroffe Felsformation Quelle: ZDF

Brüning weiß, dass die altindianischen Völker auch als begnadete Baumeister von sich reden machten. Und die verwitterten Brocken erkennt er eindeutig als Lehmziegel. Die Reisegefährten stehen vor einer gewaltigen Pyramide, die im Lauf der Jahrhunderte durch Wind und Wetter ihre Konturen einbüßte. Ehemals reckte sie sich als kunstvoll komponiertes Monument dem Himmel entgegen. Ein imposantes Geschenk der Bewohner an ihre Götter. Und nicht nur eins allein. Auch die anderen Berge im Tal enttarnt Brüning als Pyramiden. Die gesamte Anlage muss ein heiliges Zentrum gewesen sein. Das tropische Klima Nordperus mit seltenen, aber heftigen Regengüssen hat den ungebrannten Lehmziegeln stark zugesetzt.

Einmalige Dokumente

Die folgenden Wochen stehen im Zeichen weiterer Entdeckungen. Überall kauft Brüning den Bauern uralte Gegenstände ab. Zudem bannt er die bedeutenden archäologischen Stätten auf Fotoplatten. Bis heute gelten die Aufnahmen als einmalige Dokumente für die Wissenschaft. Doch das architektonische Highlight der peruanischen Pyramidenbauer wartet noch auf ihn. Lange zögert sein einheimischer Freund, bis er von dem mysteriösen Ort erzählt. Selbst seine Landsleute trauen sich nicht dorthin. Es heißt, die menschenleere Gegend sei seit alters her verhext und von Dämonen der Finsternis bewohnt. Brüning aber lässt sich nicht abschrecken. Er drängt seinen Kameraden, ihn zu den geheimnisvollen Bergen zu führen. An jenen Platz, den schon die spanischen Eroberer ehrfurchtsvoll "el Purgatorio", das Fegefeuer, tauften.

Foto-Aufnahme derarchäologischen Stätten von Brüning Quelle: ZDF

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten setzt ein Europäer den Fuß in die heilige Zone. Hans Brüning überschreitet allein die unsichtbare Grenze zwischen dem nahen Dorf Tucume und dem Reich des Todes. Der abergläubische Begleiter bleibt zurück. Die Pyramidenstätte ist ein magischer Ort inmitten einer weiten Ebene. Die Verehrung von Naturgeistern an geweihten Plätzen gehörte auch noch im 19. Jahrhundert zum Kult der Peruaner. In Tucume hielten sich aber bevorzugt Schwarzmagier auf. Denn der Legende nach lag ein Fluch über dem Areal.

Überreste eines Zauberrituals

Bei seinem Rundgang entlang der künstlichen Berge stößt der Ingenieur auf die Überreste eines Zauberrituals. Das Gebilde entpuppt sich als blutbespritztes Nest aus Muscheln, Tierknochen, Samen, Ketten und Federn. Der Beweis, dass die Jahrtausende alten Opferrituale im Leben der Menschen nach wie vor fest verankert sind. Die einzigartige Stätte mit ihren Monumentalbauten zu Ehren der Götter zieht Hans Brüning in den Bann. Fortan sammelt und dokumentiert er die Hinterlassenschaften eines Volkes, das er nicht kennt. Im Alter von 80 Jahren stirbt der Ausnahmeforscher, ohne das Geheimnis von Tucume aufgedeckt zu haben.

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