Brutales Pankration

Der Fünfte Wettkampf-Tag

Am letzten Tag der Spiele steht noch eine Disziplin aus: das Pankration oder der Allkampf, eine Mischung aus Boxen und Ringen, erweitert um einige ausgesuchte Gemeinheiten. Dieser brutalste Sport der Antike steht beim Publikum ganz hoch im Kurs.

Im Beisein von Vater Diagoras, Bruder Damagetos und dem berühmten Dichter Pindar stellt sich Akusilaos seinem Gegner. Die Athleten treten mit bloßen Händen an. Bandagen sind hier verpönt. Gekämpft wird auf weichem Sand, bei anderer Gelegenheit auch auf feuchtem Lehmboden. Der Sieg kann nur durch K.o., Aufgabe oder Tod des Gegners errungen werden.

Kranz oder Tod

Die Methoden reichen vom Treten bis zum Knochenbrechen, von der Beinschere bis zur Strangulation. Zwar ist es nicht das erklärte Ziel, sein Gegenüber umzubringen, doch der Tod kämpft immer mit. Hat der Unterlegene vortrefflich gekämpft und hat seinen Einsatz mit dem Leben bezahlt, kann sogar seinem Leichnam der Olivenzweig zuerkannt werden.



Auch das Bohren ist eigentlich untersagt, kommt jedoch wie die anderen verbotenen Techniken gelegentlich zum Einsatz. Dabei bohrt der unfaire Kämpfer seine Hand beispielsweise durch die Bauchdecke des Gegners und reißt ihm innere Organe heraus.

Fairness unbekannt

Prinzipiell nutzen die hellenischen Kämpfer jede Chance, den Gegner nierderzuringen und ihn zur Aufgabe zu zwingen. Tritte in die Genitalien gehören ebenso zum schmerzhaften Standard wie Würgegriffe oder das Auskugeln von Armen und Beinen. In Kategorien wie Fair play denkt der altgriechische Kampfsportler nicht.

Gloreicher Abschluss


Akusilaos schwächt seinen Gegner schließlich mit einigen Tritten derart, dass er ihn zu Boden werfen und mit einem gefährlichen Fußgriff zur Aufgabe zwingen kann. Hätte der Unterlegene nicht rechtzeitig den Finger gehoben, wäre ihm womöglich der Fuß abgedreht worden. So hat er doch Glück im Unglück. Viele Kampfsportler verlassen Olympia als hilflose Krüppel oder überleben die Finalrunde nicht.

Für Akusilaos hat sich der Einsatz gelohnt. Er geht in die olympischen Annalen ein und bleibt wie sein Vater und sein Bruder unvergessen. Stolz kann er dem abschließenden Waffenlauf zusehen, bei dem die Wettkämpfer in voller Kriegsmontur unter der sengenden Sommersonne einen Stadionlauf absolvieren.

Ruhm und Tragik

Nach dem Ende der Agone ziehen alle Beteiligten zum Zeus-Tempel. Dort werden sie im Rahmen einer feierlichen Siegerehrung mit den Kränzen aus heiligen Ölbaumzweigen zu Olympioniken der 83. Spiele von 448 vor Christus gekrönt. Auch die Söhne des Diagoras nehmen die hohe Auszeichnung entgegen. Auf Rhodos erwarten sie allerdings wesentlich üppigere Belohnungen.


In diesem Augenblick größten Glückes ruft der Sage nach ein Spartaner Diagoras zu: "Stirb nun, Diagoras! Du kannst jetzt nur noch zu den Göttern aufsteigen." - Da stirbt er in den Armen seiner Söhne. Es ist ihm nicht vergönnt, die späteren olympischen Erfolge seines jüngsten Sohnes Dorieus und zweier seiner Enkel zu erleben.

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