Bürgerkrieg im "Tal der Glücklichen"

Unabhängigkeit ist das Ziel

Noch heute wächst nichts an dem Fluss, der von der Panguna-Mine ins Meer fließt. Aus der Rebellion der Landbesitzer gegen das Minen-Monster wurde ein Bürgerkrieg mit 15.000 Toten. Noch immer schießen die Rebellen auf jeden, der es wagt, sich der stillgelegten Mine zu nähern.

Bei Arawa, der ehemaligen Bergbau-Siedlung der Panguna-Mine, ragt das zerstörte Kraftwerk der Insel aus dem Dschungel.

Militärische Gewalt

Das einstige Symbol des Fortschritts verfällt, seit die "Bougainville Revolutionsarmee" die Mine besetzt hält. Die Zentralregierung von Papua-Neuguinea, zu dem Bougainville heute politisch gehört, ging mit militärischer Gewalt gegen die Rebellen vor.


Damals verließ Surei Stevenson das Happy Valley. Das "Tal der Glücklichen" galt vor dem Bürgerkrieg als beste Wohngegend Bougainvilles. Unterhalb des Präsidentenpalastes lebten hier die Manager der Minen-Konzerne, Entwicklungshelfer und andere "Gastarbeiter" aus reichen Industrienationen. Auch Surei und ihr schottischer Mann hatten hier ein Haus. Doch das ist - wie die ganze Nachbarschaft - bis zur Unkenntlichkeit überwuchert.

Zehn Jahre Totalblockade

Auf Bougainville besucht Surei Stevenson eine der vielen Kakao-Plantagen, die überall auf der Insel entstanden sind. Bürgerkrieg und Embargo haben das Südsee-Paradies aus der Industrialisierung zurückgeworfen in die Zeit der Plantagen-Wirtschaft. Mit Kakaobohnen, Kokosnüssen und Vanille könnte sich die Insel heute finanzieren.


Simon, der Besitzer einer Plantage, war Spediteur mit 25 Lastwagen, bis der Bürgerkrieg begann. Alle hier haben sich seither zurückbesinnen müssen - auf tropische Landwirtschaft wie Kakao-Anbau, aber auch auf traditionelle Medizin oder gar Diesel aus Kokosnüssen. Denn der Bürgerkrieg führte 1991 zu einer zehnjährigen Totalblockade der Insel. Nicht einmal Medikamente wurden durchgelassen. Tausende starben deshalb hier an Ruhr, Cholera und Malaria.

Deutsche Kolonialherren waren vor hundert Jahren die ersten, die auf dem Gelände dieser Plantage Kakao-Bäume pflanzen ließen. Von der einst größten Kupfer- und Goldmine der Welt haben nur ausländische Konzerne und die Zentralregierung von Papua-Neuguinea profitiert. Für Simon und seine Landsleute bleiben nur bittere Erinnerungen.

Entscheidung über Unabhängigkeit

Surei Stevenson besucht zum Abschluss ihrer ersten Wiedersehens-Reise in ihrer alten Heimat Bougainville eine der zahlreichen Bamboo-Bands der Insel. Die Tänzerinnen tragen wieder die traditionellen Baströcke. Aber die Musik ist eine Mischung aus Folklore, Reggae und westlicher Popmusik. 2010 sollen die Einwohner Bougainvilles endlich über die Unabhängigkeit von Papua-Neuguinea entscheiden dürfen. Bis dahin soll es wieder Polizei, Schulen und ein elektrisches Stromnetz auf Bougainville geben.

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