Cenotes als mythologische Orte

Archäologische Funde im Unterwasser-Labyrinth

In Yucatan ist der mexikanische Unterwasser-Archäologe Guillermo de Anda und sein Team auf dem Weg zu einer Expedition in die Mangrovenwälder nahe der Küste. Yucatan ist eine Halbinsel im Golf von Mexiko. Die Gegend ist übersät mit bedeutenden Maya-Ruinen. Manche Orte sind nur von der Küste her über Wasserläufe zu erreichen.

Jäger und Gummi (Chicle)-Sammler berichteten dem Unterwasser-Archäologen de Anda von einem geheimnisvollen Wasserloch. Die Maya nennen solche Wasserlöcher Cenotes. Sie galten als Einstiege in die Unterwelt.

Mythologischer Ort


Das alte Mayawort Cenote bedeutet "heilige Quelle", ein mythologischer Ort. Durch den Einsturz der Kalksteindecke entstanden, sind die Cenotes mit den unterirdisch fließenden Wasserströmen verbunden. Über Tausende von Kilometern durchziehen sie die Unterwelt Yucatans, verbinden Höhlen, Flüsse und Grotten. Ein weltweit einzigartiges Ökosystem mit kristallklarem Wasser.


Von oben gewachsene Stalaktiten bedeuten, dass der Wasserstand zeitweise niedriger gewesen sein muss. Doch die Cenote scheint noch sehr viel tiefer zu sein. Beim Absuchen der Wände taucht ein Keramik-Gefäß auf. Wie ist es hierhergekommen, so weit entfernt vom Eingang? Die Taucher müssen vorsichtig schwimmen, um die Fundstücke nicht zu bewegen und auch, um den staubfeinen Untergrund nicht noch mehr mit ihren Flossen aufzuwirbeln.

Ohne Hilfsmittel keine Rückkehr

Um sich nicht im weit verzweigten und unübersichtlichen Höhlensystem zu verlieren, befestigt de Anda eine Schnur an einer Stalaktite. Dieses Orientierungshilfsmittel wird auch "Faden der Ariadne" genannt. In etwa vierzig Meter Tiefe und 150 Meter vom Eingang entfernt, gibt es ohne Tauchflaschen oder andere Hilfsgeräte bei dieser Entfernung keine Rückkehr. Das Labyrinth ist sogar noch tiefer. Waren die Maya etwa in diese Höhlenstollen hinein getaucht? Wie haben sie es ohne diese Hilfsmittel geschafft? Auch zu Maya-Zeiten waren diese Stollen überflutet.


Im Unterwasser-Labyrinth entdecken die Taucher viele hochinteressante Fundstücke. Eine bearbeitete Säule: Gehörte sie einst zu einem Tempel? Auf einem Stein ist ein Gesicht eingemeißelt.
Ein Steinkopf bei dem nur der Haarkranz und die Augen zu sehen sind.
Ein Glyphenstein: Das Zeichen mag das Datum der Inthronisation eines Maya-Herrschers oder den Baubeginn eines Tempels angeben. Wurden hier bewusst Teile eines zerstörten Tempels abgelegt?
Der menschliche Schädel gehörte vielleicht zu dem Priester, der die Opfergaben hierher brachte und selber zum Opfer wurde. Eine Spekulation, sicherlich. Aber warum wurden Teile eines Tempels so tief in die Unterwelt verfrachtet?

Tausende Höhlen und Wasserlöcher

An der Nordküste Yucatans im heutigen Mexiko schlug vor rund 65 Millionen Jahren ein Meteorit ein, der das Weltklima veränderte und vermutlich zur Ausrottung der Dinosaurier führte. Als Millionen Jahre später die Halbinsel Yucatan aus dem Meer auftauchte, war sie übersät von einem Ring tausender Höhlen und Wasserlöchern.


Mayapyramiden sind oft in der Nähe von Cenotes gebaut. Die bekannteste ist die Cenote von Chichen Itzá mit ihrem Verbindungsweg zur Hauptpyramide. Im mythologischen Alltag müssen die Cenotes eine wichtige Rolle gespielt haben.

Opfer für den Regengott

Die Maya pilgerten dorthin und hielten an ihrem Rand Opferrituale ab - an den Eingängen nach Xibalba, der Unterwelt. Den Wohnstätten von Chac, dem Regengott, dem man Opfer darbringen musste, wenn der Regen ausblieb. Und wenn die Dürre zu lange anhielt, mussten die Opfer größer sein: Menschenopfer zum Beispiel. Chac, wie eine 2000 Jahre alte Stele zeigt, fischte unter Wasser. Und wenn er gnädig war, nahm er die Gaben an.

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