Chat-Protokoll

Fragen und Antworten zu Verschollen in Mosambik

Im Anschluss an die Sendung konnten die Zuschauer im Chat Fragen an den Chef der Bergungsfirma Arqueonauts, Nikolaus Graf Sandizell, stellen.

Finanzierung


Frage: Wann begann Ihr Projekt und wie wurde es finanziert?

Nikolaus Graf Sandizell: Das Projekt läuft seit sechs Monaten und wird von Aktionären der Gesellschaft finanziert.


Frage: Sind auch Archäologen des jeweiligen Staates, in dem Sie gerade arbeiten, beteiligt?

Sandizell: Selbstverständlich. Es ist unter anderen unsere Aufgabe, die lokalen Studenten zu schulen.


Frage: Wie viel Prozent der Wertgegenstände, die Sie bergen, dürfen Sie behalten und wie viele Prozent erhält die jeweilige Regierung?

Sandizell: Wir erhalten 50 Prozent nach Abzug der operativen Kosten und die Regierung des jeweiligen Staates in dessen Territorialgewässern das Wrack liegt, erhält die anderen 50 Prozent für weiterführenden Kulturprojekte wie zum Beispiel Marine Museen und Konservierungszentren.


Frage: Wie sieht es mit der finanziellen Situation von "Arq" aus? Können die Verkäufe der gefundenen "Schätze" die Ausgaben decken und gibt es weitere Möglichkeiten, neben dem Kauf von Anteilsscheinen, Sie bei Ihrer Arbeit zu unterstützen?

Sandizell: Das wird das Endergebnis des momentanen Projektes zeigen. Es sieht jedoch sehr gut aus, da es um Münzen geht. Jedoch sind wir immer auf der Suche nach Sponsoren.


Frage: Beteiligt sich die deutsche oder europäische Industrie als Sponsoring am Erhalt des Maritimen Kulturerbes?

Sandizell: Bisher leider (noch) nicht. Wenn es jedoch Interessenten gibt, wären wir über eine Kontaktaufnahme glücklich.


Frage: Rechnet sich eine Forschungsreise auch wirtschaftlich, kann eine solche Reise Gewinn bringen?

Sandizell: Wirtschaftlichkeit ist ein Credo. Wir versuchen den Mittelweg zwischen der Bewahrung von kulturhistorischen Artefakten und einer gesunden Rendite für unsere Anleger.

Funde und ihr Wert


Frage: Was passiert, wenn man zufällig beim Tauchen in Küstennähe eine Goldmünze oder etwas ähnlich Wertvolles findet? Ist es erlaubt, selbst nach Schätzen zu tauchen?

Sandizell: Wenn man ein Artefakt findet, muss man es bei der Küstenpolizei melden, da man sich sonst strafbar macht. Solange der Tauchgang angemeldet und genehmigt ist, ist es nicht illegal selbst nach Schätzen zu tauchen. Illegale Taucher werden angzeigt.


Frage: Was fühlen Sie, wenn Sie einen großen Fund in Ihren Händen halten und was war für Sie der bisher bedeutendste und was der älteste Fund?

Sandizell: Ich fühle Euphorie und Bestätigung für die harte Arbeit. Ein bisher einmaliges versilbertes Astrolabium, welches jetzt in Virginia/USA in einem Museum ausgestellt ist, ist für mich der bedeutendste Fund. Der älteste ist ein Astrolabium aus dem Jahr 1645.


Frage: Gehören die Funde nicht den Alteigentümern und wo kann man Unterwasserfunde besichtigen?

Sandizell: Das ist ein Thema, das noch international zu klären ist, da nicht sicher ist, wem sie wirklich gehören. Besichtigen kann man die Funde in lokalen Museen und Konservierungszentren.


Frage: Ich habe gesehen, dass die Münzen mit Salzsäure gereinigt wurden, ist das nicht schädlich für die Münzen?

Sandizell: Bisher gab es noch keine Probleme. Die Reinigung wird von einem seit 39 Jahren tätigen Fachmann vorgenommen und das Resultat von Numismatikern überprüft.


Frage: Wie viel Wert hat eine dieser Silbermünzen?

Sandizell: Eine einzelne Silbermünze hat im Schnitt einen Wert von circa 50 bis 100 Euro.


Frage: Was ist aus den Kanonen geworden, die Sie gefunden haben und wie viel ist von dem eigentlich Schiff noch vorhanden? Sandizell: Im Moment befinden sich die Kanonen noch an der Fundstelle. Später werden sie dann fachgerecht geborgen. Von dem eigentlichen Schiff ist leider nur noch sehr wenig vorhanden, da kaum organische Materialien überlebt haben. Das, was wir gefunden haben, wird nach und nach fachmännisch geborgen. Ich liebe es, selbst diese raren Funde zu aufzuspüren.


Frage: Wie groß war das Raster, das um den Fundort der ersten Münzen gelegt wurde? In welcher Tiefe wurden sie gefunden?

Sandizell: Das Raster war 25 Quadratmeter groß, die Münzen wurden in einer Tiefe von 26 Metern gefunden.


Frage: Bis wie weit unter dem Meeresspiegel können Sie bergen und wie dringen Sie in die tieferen Sedimentschichten vor?

Sandizell: Für die Tiefe gibt es keine Limitierung. Ab einer gewissen Tiefe kommen dann Roboter zum Einsatz. Um in die tieferen Sedimentschichten zu kommen, setzen wir zum Beispiel einen so genannten Airlift, einen Unterwasserstaubsauger, ein.

Gefahren und Probleme


Frage: Haben Sie bei den Arbeiten unter Wasser keine Angst vor Haien?

Sandizell: Haie sind das kleinste Risiko. Wir haben sehr viel mehr Respekt vor giftigen, fast unsichtbaren Steinfischen. Deswegen gehören auch Ärzte und Krankenpfleger zu unserer Crew.


Frage: Sind Sie schon einmal von Piraten bedroht oder gar überfallen worden?

Sandizell: Bisher noch nicht. Diese Gefahr besteht aber durchaus.


Frage: Haben Sie schon einmal Kontakt mit illegalen Tauchern gehabt?

Sandizell: Ja, diese wurden umgehend angezeigt.


Frage: Wurden Sie bei Ihrer Arbeit mit korrupten Beamten und Behörden in Mosambik konfrontiert?

Sandizell: Meiner Erfahrung nach sind diese nicht korrupt.


Frage: Konventionelle Grabungsfirmen tun sich aufgrund der großen Konkurrenz in der freien Marktwirtschaft sehr schwer. Wie erleben Sie diese Situation?

Sandizell: Seriöse Firmen, die man als Konkurrenz ansehen kann, gibt es in unserem Bereich höchstens ein halbes Duzend.

Verschiedenes


Frage: Nach welchen Kriterien wählen Sie Projekte aus?

Sandizell: Ich wähle meine Projekte nach der Gefährdung der Wracks und dem kulturhistorischen Wert aus.


Frage: Haben Sie auch schon in Nord- und Ostsee gesucht oder ist da nichts zuholen?

Sandizell: Ich würde mich über ein interessantes Schiffswrack in der Nord - oder Ostsee enorm freuen. Wenn Sie etwas wissen, können Sie uns jederzeit gerne kontaktieren.


Frage: Wäre das kürzlich gefundene Columbus-Wrack in der Karibik für Sie interessant gewesen, oder wären dort die Gewinnaussichten zu mager?

Sandizell: Es wäre sehr interessant gewesen. Wenn der wirtschaftliche Wert nicht gegeben ist, müssen Sponsoren gefunden werden. Immerhin geht es um die Wiederentdeckung geschichtlicher Fakten.


Frage: Weshalb suchen Sie nach diesen Schätzen und wie kommen Sie auf die Lage der Funde, abgesehen von Sichtung alter Aufzeichnungen und langem Suchen?

Sandizell: Ich suche nach diesen Schätzen zum einen, um das maritime Kulturerbe zu retten und zu dokumentieren und zum anderen, weil sehr wenige Unternehmen bisher professionell in diesem Gebiet arbeiten. Die Lage der Schätze finden wir mit Sonar - Technologie mit der Seegebiete abgesucht werden.


Frage: Warum konzentrieren Sie sich auf portugiesische Schiffe?

Sandizell: Wir folgen der portugiesischen Handelsroute.


Frage: Wie lange in etwa wird die Bergung der San José noch in Anspruch nehmen?

Sandizell: Es wird noch etwa sechs Monate dauern. Das wird aber auch von den weiteren Funden und deren Lage abhängen.

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