Chat-Protokoll

Fragen und Antworten zu "Der Kontinent"

Vier Jahre harte Arbeit, 4,2 Millionen Euro Kosten, 70 Prozent selber gedreht - um 200 Spielminuten in den Kasten zu kriegen, haben die Macher von "Der Kontinent" getüftelt, gefeilt und einiges riskiert. Im Chat beantwortete Filmautor Klaus Feichtenberger im Anschluss an die Erstausstrahlung im Oktober 2005 Fragen zum Vierteiler und zum Dreh.

Natur und Klima


Frage: Sie zeigen uns für die Zukunft zwei Möglichkeiten auf - neue Eiszeit oder Erwärmung. Wenn das Klima wirklich in "nur" 100 Jahren umkippt, wären Kriege und Dürre die Folge. Wird es möglich sein, mit den Folgen der Klimaveränderungen zu leben?

Klaus Feichtenberger: Sowohl Erwärmung, als auch Eiszeit werden Veränderungen mit sich bringen. Zu erwarten ist zunächst eine starke Erwärmung. Ich beobachte den Gletscherschwund in Österreich seit vielen Jahren mit Besorgnis. Es wird Wasserknappheit geben, die sich auf die Landwirtschaft, die Trinkwasserversorgung und das Klima auswirkt. Das scheint vorprogrammiert zu sein. Vielleicht wird man bald in Nordnorwegen unzählige Straßencafes eröffnen? Aber in Spanien droht tatsächlich Dürre mit harten ökonomischen und sozialen Folgen.

Zurück zur Natur

Ein Leben in der Eiszeit ist aber auch möglich. In der letzten Eiszeit lebten in Europa Menschen unter schwersten Bedingungen ohne technische Hilfsmittel. In Sibirien leben heute Menschen unter Eiszeitbedingungen. Nur in den vergletscherten Teilen werden keine Menschen leben können. Bei jeder Veränderung gibt es Gewinner und Verlierer. Wenn das Klima dem Muster den letzten zwei Millionen Jahren folgt, dauert die Abkühlung noch ein- bis zweitausend Jahre. Aber es sind neue Faktoren im Spiel, die es früher nicht gab. Der Mensch wird diese Veränderungen mit beeinflussen.



Frage: Im Film wird auf die Zerschneidung der Landschaften durch Straßen eingegangen. Wie sieht es mit der Oberflächenversiegelung durch Straßen aus?Feichtenberger: Oberflächenversiegelung und Abwasser von diesen Flächen in den Flüssen ist ein großes Problem. Der Gummiabrieb von Autoreifen im Rhein ist zwar nicht giftig, trübt aber das Wasser erheblich.



Frage: Es wird gesagt, dass für die Landwirtschaft viel Wald gerodet wurde. Gibt es inzwischen auch Bestrebungen, Deutschland und Europa Wald zurückzugeben?

Feichtenberger: Der Wald wächst mittlerweile alleine zurück, einfach, weil viel weniger abgeholzt wird. Der jährliche Zuwachs liegt bei circa sieben Prozent.



Frage: Wie stehen Sie zu Veränderungen in der Artenzusammensetzung unserer "heimischen" Flora und Fauna? Denken Sie der Mensch könnte eine Veränderung durch Invasion ernsthaft verhindern oder beeinflussen?

Feichtenberger: Artengemeinschaften haben sich immer verändert und werden das auch immer tun, mit oder ohne menschlichen Einfluss. Bei einzelnen Arten, die ökonomisch gefährlich werden könnten, zahlt sich eine Bekämpfung aus.



Frage: Was waren die Ursachen für den Kälteeinbruch, der zur Völkerwanderung führte und in Verbindung mit dem Untergang Roms gebracht wird?

Feichtenberger: Man vermutet einen Vulkanausbruch, das heißt Vulkanasche in der Atmosphäre. Das ist aber nicht bewiesen.



Frage: Sie zeigen in Ihrem Film, dass das Leben immer neue Wege findet. Müssten wir uns dann überhaupt noch Gedanken über Veränderungen machen?

Feichtenberger: Das Leben auf der Erde hat sich immerfort verändert, manchmal schnell und radikal. In der Serie ging es darum, diese Tatsache bewusst zu machen. Sorgen muss man sich nur über die Menschheit selbst machen - sie gerät zusehends unter Anpassungsdruck.



Frage: Denken Sie, wir Menschen bringen uns durch die Zerstörung der Natur selbst um?

Feichtenberger: Ich persönlich glaube, dass wir es schaffen werden, die Umweltprobleme so weit in den Griff zu bekommen, dass wir überleben werden - auch wenn noch erhebliche menschengemachte Umweltschäden zu erwarten sind.



Frage: Ist ein "Zurück zur Natur" noch möglich?

Feichtenberger: Das war immer ein unmöglicher Traum, denke ich. Ein Miteinander zwischen Zivilisation und Natur ist aber möglich.



Frage: Wie lange wird es dauern, bis sich die Flüsse vollständig erholen?

Feichtenberger: Vollständig - ich weiß nicht, ob man das erwarten kann. Das hieße, ihnen beiderseits sehr viel Platz einräumen, und das wird kaum geschehen. Aber streckenweise ist es möglich. Die Wasserqualität der mitteleuropäischen Flüsse hat sich aber seit 20 Jahren kontinuierlich erholt - und wird sich, das erwarte ich, noch weiter erholen. Ich bin an einem der schmutzigsten Flüsse Europas aufgewachsen. Heute gehe ich dort mit meinem 10-jährigen Sohn tauchen und beobachte zig Fischarten, die bereits verschwunden waren. Mein Heimatfluss ist die Mur.



Frage: Wie wird sich die Erhöhung des Wasserspiegels auf das restliche Europa auswirken? Reichen die Dämme in den Niederlanden für die Zukunft?

Feichtenberger: Alle tiefliegenden Küstengebiete werden allmählich zu Risikozonen. Auf die Dauer wird man sich nicht mit technischen Mitteln gegen die Flut stemmen können.



Frage: Ist es bereits voraus zu rechnen, wie lange es noch dauert bis der Golfstrom abreißt?

Feichtenberger: Nein, das ist bis dato nicht gelungen - man stellt nur bedenkliche Veränderungen der Strömungsstärke fest. Auch Schwankungen im Salzgehalt und in den Meerwassertemperaturen geben Anlass zur Sorge. Dazu kommt das Wissen, dass der Goldstrom schon in der Vergangenheit mehrfach zum Stillstand gekommen ist.



Frage: Leben inzwischen wieder wilde Tiere, wie Bären, Marder und Wildschweine in Deutschland?

Feichtenberger: In Deutschland gibt's noch keine Bären. Im Süden und Osten Österreichs, in der Slowakei, in Tschechien, in Slowenien und weiter im Osten gibt es in den bewaldeten Mittelgebirgen mittlerweile viele Bären. In Slowenien allein gibt es etwa 800 Bären, alljährlich werden etwa 80 geschossen. Marder gibt's in jeder europäischen Stadt. Auch die Wildschweine ziehen in deutsche Städte, wie zum Beispiel Berlin.



Frage: Wie groß ist die Bedrohung durch den asiatischen Holzkäfer für Europa?

Feichtenberger: Noch hat er sich kaum ausgebreitet. Forstleute treiben aber bereits großen Aufwand, um jeden Befall sofort zu unterdrücken.



Frage: Sind die Schäden, die der Kot der Stare in Rom anrichtet, wirklich so gravierend? Was kann in dieser Zeit außer Lichtblenden und Warngeräuschen dagegen getan werden?

Feichtenberger: Die Römer leiden wirklich darunter, jedenfalls die Bewohner der betroffenen Viertel. Sie gehen nur noch mit Gummistiefeln aus dem Haus. Bei Regen gibt es Massenkarambolagen wie bei uns bei Glatteis. Ganze Alleen wurden entastet, um den Staren die Übernachtungsmöglichkeiten zu nehmen. Dann wichen sie auf den Friedhof aus und versauten ihn gründlich.




Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet