Chat-Protokoll mit Professor Hermann Ammon

Fragen und Antworten zum Thema Ayurveda und Heilpflanzen

Im Anschluss an die Sendung "Die Ärzte der Maharadschas" konnten die Zuschauer mit dem Tübinger Pharmakologen Professor Hermann Ammon chatten. Hier finden Sie ausgewählte Fragen und Antworten zum Thema.


Frage: Kann man Ayurveda in Deutschland studieren? Hermann Ammon: Nein. Am besten in Indien selbst.


Frage: Kann man ein Praktikum bei einem ayurvedischen Arzt in Deutschland machen, der sein Handwerk in Indien gelernt hat. Kennen Sie da jemanden? Ammon: Ich verweise hier auf die Ayurveda-Klinik in Kassel.


Frage: Wie könnte man denn Kontakt zu jemandem oder einer Klinik in Indien finden, wo ayurvedische Medizin gelehrt wird? Ammon: Sie könnten sich an die ayurvedische Fakultät der Hindu-University in Benaares wenden oder an die ayurvedische Universität in Jamnagar.


Frage: Wie sieht angemessene Ernährung im Sinne von Ayurveda denn nun im vorbeugenden Sinne aus? Sind Ihnen dazu Informationsquellen bekannt? Ammon: In Indien spielt die Verwendung von Gewürzen bei der Zubereitung von Speisen eine zentrale Rolle. Die Verwendung von Gewürzen hat auch ihren Ursprung in der Philosophie des Ayurveda. Sozusagen der Wissenschaft vom gesunden Leben. Details kann ich hier leider in diesem Rahmen nicht vermitteln.


Frage: Können Sie ein aryurvedisches Kochbuch empfehlen? Wo kaufe ich die Zutaten ein? Ammon: Gehen Sie in eine gut sortierte Buchhandlung. Im Kochbuch finden Sie auch Tipps für den Einkauf der Zutaten. Eine Möglichkeit sind Asia-Shops. Die besten Rezepte sind allerdings im indischen Schrifttum und dort in Sanskrit zu finden. Deutsche Bücher kann ich leider nicht wirklich empfehlen.


Frage: Haben Sie zu den Themen der Sendung Literaturempfehlungen, die sich weitreichender mit den Themen beschäftigen. Zum Beispiel würden mich Übersetzungen der Berichte der alten Missionare interessieren. Ammon: In Tübingen, im indologischen Seminar, gibt es ins Englische übersetzte Schriften über die Anwendung ayurvedischer Arzneipflanzen.


Frage: Wie finde ich hier in Deutschland den passenden ayurvedischen Arzt, ohne dass es mich Unsummen für so genannte Gesundheits- und Schönheitsreisen kostet? Ammon: Ayurvedische Kliniken, wie die in Kassel helfen weiter.


Frage: Macht es überhaupt Sinn, sich in Deutschland oder Österreich einer ayurvedischen Behandlung zu unterziehen, oder ist dies alles nur ein müder Abklatsch? In der Sendung war zu sehen, dass eine Massage in Indien nur zur Vorbereitung dient, bei uns jedoch die ganze Behandlung zu sein scheint. Ammon: Man sollte die ayurvedische Behandlung von Krankheiten von den sich immer mehr ausbreitenden ayurvedischen Wellness-Betrieben trennen. Ich glaube, dass eine ayurvedische Behandlung von Krankheiten stark an die ethnische, soziale, kulturelle und historische Situation des Herkunftslandes gebunden ist. Am besten wird Ayurveda sicher in Indien praktiziert. Man sollte aber bei schwerwiegenden Erkrankungen zumindest zurückhaltend sein.


Frage: Ich bin bei der DAK pflichtversichert habe aber eine 100-prozentige Krankenhauszusatzversicherung. Kann ich im Krankheitsfall in Richtung Ayurveda gehen? Oder muss ich alles selber bezahlen? Ammon: Ich fürchte, Sie müssen leider alles selbst bezahlen.


Frage: Was muss passieren, dass die Kassen den Aufenthalt in einer Ayurveda-Klinik bezahlen? Ammon: Der verordnende Arzt müsste die Notwendigkeit einer Behandlung in einer solchen Klinik überzeugend begründen.


Frage: Ich leide seit Jahren an chronischer Hepatitis C und keine Therapie hat bisher angeschlagen. Gibt es Hoffnung auf Basis ayurvedischer Medizin? Ammon: In der ayurvedischen Medizin werden Lebererkrankungen nicht in der Weise differenziert wie bei uns. Es gibt ayurvedische Arzneimittel gegen Lebererkrankungen, die aber nicht aussagen, gegen welche Lebererkrankung sie - wenn überhaupt - wirksam sind.


Frage: Da ich seit geraumer Zeit bei einem Ayurveda-Arzt in Behandlung bin, vermisste ich in dem Bericht die Urin-Untersuchung. Diese wird regelmäßig bei mir zur Diagnose angewandt. Kennen Sie diese Untersuchung bei der Ayurveda-Therapie? Ammon: Der Film konnte leider nicht alle Therapieformen von Ayurveda beschreiben. Die Beurteilung des Urins ist aber ein wichtiges ayurvedisches Diagnoseverfahren.


Frage: Gibt es Möglichkeiten, Krankheiten psychischer Natur mit Ayurveda zu heilen? Ammon: Ayurveda kennt Behandlungsmöglichkeiten für psychische Erkrankungen. Über den Erfolg kann ich leider keine Auskunft geben.


Frage: Gibt es bei ayurvedischen Heilpflanzen Nebenwirkungen wie bei unseren Medikamenten? Ammon: Auch bei ayurvedischen Arzneipflanzen sind gewisse Nebenwirkungen bei unsachgemäßer Anwendung möglich


Frage: Wo kann ich mehr über ein Mittel bzw. eine Therapie gegen Schizophrenie erfahren? Ammon: Hier würde ich Ihnen die in der deutschen Psychiatrie verwendeten Arzneimittel empfehlen. Inwieweit ayurvedische Medikamente geeignet sind, wirklich zu helfen, entzieht sich meiner Kenntnis. Interessant ist die in der Sendung gezeigte Behandlungsmethode bei Geisteskrankheiten. Ich bezweifle aber, dass sie bei uns anwendbar ist.


Frage: Kann Ayurveda auch bei Augenentzündungen helfen? Ammon: In der ayurvedischen Medizin gibt es auch Anwendungsmethoden bei Augenerkrankungen.


Frage: Es wird im Internet ein Mittel gegen Diabetes auf der Basis der indischen Heilpflanze Asclepiadacae angeboten. Kennen Sie diese Pflanze und hat sie tatsächlich eine blutzuckersenkende Wirkung? Ammon: Es gibt einige hundert Arzneipflanzen mit blutzuckersenkender Wirkung, die durchaus in Entwicklungsländern auch angewendet werden. Ich möchte aber strikt davor warnen, ihre Anwendung auch bei uns vorzunehmen. Die Zuckerkrankheit ist eine derart diffizile Stoffwechselerkrankung, bei der es tatsächlich hoher ärztlicher Kunst der Internisten bedarf, sie mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu behandeln. Eine zusätzliche Verwendung blutzuckersenkender pflanzlicher Mittel könnte die hier gängigen Therapiekonzepte nur stören. Im übrigen hätten wir das Problem der zur Zeit circa acht Millionen Zuckerkranken in Deutschland nicht, wenn die Menschen sich vernünftig ernähren und bewegen würden. Hauptfaktor für die Krankheit sind Übergewicht und Bewegungsmangel.


Frage: Hat die gezeigte Depressionstherapie mit Öl geholfen? Und gibt es noch mehr Methoden zur Therapie von Depressionen in Ayurveda?

Ammon: Ich weiß nicht, ob sie in diesem Fall geholfen hat. Jedenfalls handelt es sich um eine in der Ayurveda- Medizin allgemein gängige Methode.


Frage: Wie kann man erkennen, dass die Produkte naturrein sind? Es wird soviel unter den Namen Ayurveda angeboten, für mich sehr viel versprechend, aber in Indien ist die Lebensweise eine völlig andere, diese fröhlichen Gesichter die man in dem Beitrag sah, trotz aller Armut . Ammon: Das kann man auf Anhieb nicht erkennen. Am besten wäre eine amtliche Kontrolle. - Es wäre schön, wenn wir in Deutschland auch so fröhliche Gesichter sehen würden - bei dem Wohlstand.


Frage: Könnte man sagen, dass es zwischen Shiatsu und Ayurveda Ähnlichkeiten gibt? Soweit mir bekannt ist wird in Shiatsu ebenfalls anhand der Augen und Zunge diagnostiziert. Ammon: Aufgrund der geographischen Nähe gibt es durchaus Ähnlichkeiten zwischen der traditionellen indischen Medizin und der traditionellen chinesischen Medizin.


Frage: Was halten Sei von Aloe vera? Ammon: Aloe vera ist eine, auch bei uns bekannte, Arzneipflanze. Sie wurde früher als Abführmittel verwendet. Auch eine kosmetische Anwendung ist bekannt.


Frage: Kann man Aloe Vera wirklich unbedenklich als Nahrungsergänzung einnehmen? Ammon: Ich möchte wissen, was man durch Aloe ergänzen will. Leider werden eine Reihe von Arzneistoffen, die bisher keine Zulassung erhalten haben, als Nahrungsergänzungsmittel angeboten, da hierfür keine Zulassungsbestimmungen (, die viel Geld kosten,) erforderlich sind. Ich halte dies für einen groben Unfug.


Frage: Wo kann ich diesen indischen Weihrauch beziehen, ich bin daran interessiert, da ich seit Jahren an Knochen- und Muskelschmerzen leide und mir kein Arzt helfen kann? Ammon: Aus Indien kommt ein Produkt mit Namen H 15. Auf ärztliche Verordnung kann es durch Apotheken besorgt werden.


Frage: Welche Nebenwirkungen von H15 sind Ihnen bekannt? Ammon: In etwa sechs bis sieben Prozent der Anwendungen können sich Magen-Darm-Unverträglichkeiten einstellen. Hin und wieder wird auch von Hautreaktionen berichtet. Ansonsten scheint indischer Weihrauch verhältnismäßig nebenwirkungsarm zu sein.


Frage: In welcher Form kann man das Weihrauchharz bei uns erwerben? Ammon: Weihrauchharz bei bestimmen Krankheiten zu verwenden, halte ich nicht für empfehlenswert. Es sollte schon auf Wirkstoffe standardisierte Produkte sein, wie zum Beispiel H 15 aus Indien, Salaki oder ein bei einer deutschen Firma in der Entwicklung stehenden Präparat, das allerdings noch nicht auf dem Markt ist.


Frage: Colitis Ulcerosa, in welcher Darreichungsform ist indischer Weihrauch zu empfehlen (Hersteller), und wie weit ist die Schulmedizin? Ammon: Das am besten untersuchte Produkt kommt aus Indien und heißt H 15. Es sind Tabletten. Es werden 3 mal täglich ein bis zwei Stück eingenommen. Wir versuchen zur Zeit, ein Weihrauchprodukt auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen, die unseren Arzneimittelgesetzen entspricht.


Frage: Erhalte ich in Indien H 15 unter dem gleichen Namen? Ammon: H 15 ist in Indien ein offiziell zugelassenes Arzneimittel. Es ist identisch mit dem von der gleichen Firma vertriebenen Arzneimittel Sallaki (Firma Gufic in Bombay).


Frage: Ich habe MC und möchte gerne wissen, wie hoch H15 dosiert werden sollte. Ich habe gehört, dass sich das auf das Körpergewicht berechnet. Ammon: Bei Morbus Crohn wird nach den Erfahrungen von Dr. Gerhardt in Mannheim/ Universitätsklinik eine Dosierung von drei Mal täglich ein bis zwei Tabletten empfohlen. Die Dosierung richtet sich jedoch nach dem eigentlichen Krankheitsverlauf.


Frage: Mein Internist hat zwar eine Therapie mit Weihrauch für Colitis Ulcerosa erwähnt, aber hält nicht viel davon. Ich würde doch dies ausprobieren, halten Sie dies für gut, auch wenn die Krankheit schon seit sehr viele Jahren besteht? Ammon: Da ein Weihrauchprodukt in Deutschland nicht zugelassen ist und keine deutschen klinischen Studien vorliegen, wird von vielen Medizinern ein Weihrauch-Produkt zur Behandlung der Colitis Ulcerosa abgelehnt. Es gibt allerdings in Indien eine Pilotstudie, die eine Wirksamkeit eines Weihrauchextraktes bei Colitis Ulcerosa nahe legt. In Deutschland hat die größten Erfahrungen wiederum Dr. Gerhardt in der Uniklinik Mannheim.


Frage: Ich habe gehört, dass es ein Heilmittel geben soll, das ein Ersatz für Kortison ist nur mit erheblich geringeren Nebenwirkungen. Welches wäre das, denn ich habe den Namen des Heilmittels nicht mitbekommen? Ammon: Cortison ist ein sehr wichtiges Arzneimittel und hat seinen Platz in unserer Arzneimitteltherapie. Allerdings müsste man die Art Ihrer Erkrankung kennen, um nachzuvollziehen, ob es für diese bereits Erfahrungen oder wissenschaftliche Hintergründe für eine Behandlung zum Beispiel mit indischem Weihrauch gibt, etwa H 15. Allerdings ist die Nebenwirkungsrate bei letzterem sehr gering.


Frage: In welcher Weise kann mir indischer Weihrauch bei Colitis Ulcerosa, Asthma Bronchiale und Neurodermitis helfen? Gibt es schon ein vergleichbares Medikament auf dem deutschen Markt? Bezahlt so etwas die Krankenkasse? Ammon: Bei Colitis Ulcerosa und in manchen Fällen auch bei Asthma Bronchiale gibt es einige Erfahrungen und auch klinische Daten mit dem Weihrauch-Produkt H 15 sowie anderen Weihrauch-Extrakten. Die Kassen bezahlen dies, so viel ich weiß, nicht, da es sich nicht um zugelassene Medikamente handelt.


Frage: Mein Hausarzt hat mir von Weihrauchpräparaten aus Indien abgeraten, da nach seinen Angaben manche Präparate Kortison enthalten sollen. Ist das wahr? Ammon: Es ist leider immer wieder vorgekommen, dass in Arzneipflanzenpräparationen aus China oder Indien in krimineller Weise hochwirksame westliche Arzneistoffe beigemischt wurden. Dies ist jedoch nicht die Regel. Von Weihrauch-Präparaten ist mir das bislang nichts bekannt geworden, nur von diesen im Chat bereits erwähnten H 15 / Sallaki.


Frage: Gibt es schon Studien zur Anwendung von Weihrauch in der ayurvedischen Krebstherapie? Wenn ja, wie soll H 15 wirken? Ist es sinnvoll, eine Chemotherapie damit zu begleiten? Ammon: Die gibt es bisher nicht. Es gibt jedoch pharmakologische Untersuchungen, die zeigen, dass gewisse Inhaltsstoffe des Weihrauchs (Boswellia- Säuren) im Reagenzglas einige Tumorzellarten zum Absterben bringen. In Bezug auf die Begleitung einer Chemotherapie gibt es keine Untersuchungen.


Frage: Guggulu-Präparate gibt es in Deutschland zu kaufen, wenngleich zu gepfefferten Preisen. Halten Sie diese Präparate für seriös und vergleichbar etwa mit H15? Ammon: Guggulu gibt es zwei Arten in der Ayurveda- Medizin. Eine Art ist Salai-Guggul. Dies ist der indische Weihrauch. Weihrauch als solches ist ein billiges Produkt. Bei der Vermarktung entsprechender Präparate finden sich jedoch erkleckliche Preise. So kostet eine Tablette Sallaki in Indien umgerechnet zirka fünf bis zehn Cent.


Frage: Ich habe persönlich schon die besten Erfahrungen mit Boswellia Serrata D3 von Leinersans bei Entzündungen gemacht. Allerdings wurde ich hier von einer Heilpraktikerin meines Vertrauens auf diesen Weg gebracht. Ich kann nur begrüßen wenn es Menschen gibt wie sie, die sich auch für alternativen zur Pharmazie einsetzen. Ammon: Dieses Mittel hat man früher bei uns verwendet. Es ist durch spezifischere und nebenwirkungsärmere Mittel abgelöst worden.


Frage: Gibt es in der indischen Medizin auch Hilfe bei Psoriasis? Ammon: Meines Wissens werden gerade Boswellia-Harze (indischer Weihrauch) dort bei Psoriasis versucht.


Frage: Wie heißt der Stoff aus dem Weihrauchbaum, der auch chronische Darmerkrankungen lindert? Ammon: Es ist das Harz des indischen Weihrauchbaumes. Die bei Darmerkrankungen wirksamen Bestandteile sind Boswellia-Säuren. Sie hemmen die für die Entzündung verantwortlichen körpereigenen Faktoren (Entzündungsfaktoren).


Frage: Wann ist damit zu rechnen, dass das Weihrauchprodukt bei entzündlichen Erkrankungen auf den Markt kommt? Ammon: Wir haben derzeit große Schwierigkeiten, die Anforderungen, die das Arzneimittelgesetz an eine Zulassung stellen, zu erfüllen. Viel ist wissenschaftlich bereits getan. Insbesondere klinische Prüfungen, die gefordert werden, diese kosten jedoch horrende Summen. Falls wir diese aufbringen können, wäre es durchaus denkbar, ein zulassungsfähiges Produkt zu schaffen.


Frage: Würden Sie bitte den Namen des blutdrucksenkenden Mittels nochmals nennen? Ist dies in Deutschland erhältlich? Ammon: Reserpin - wird aber bei uns nicht mehr verwendet wegen erheblicher Nebenwirkungen.


Frage: Halten Sie auch öffentliche Vorträge zur Phytopharmakologie? Ammon: Ja. Bei wissenschaftlichen Gesellschaften, aber manchmal auch auf private Einladung. Ich bin in Tübingen am pharmazeutischen Institut der Universität zu erreichen.


Frage: Der Glaube an die Wirksamkeit spielt doch eine wichtige Rolle beim Heilungsprozess und so lässt sich der Erfolg diverser Zauber- Heilmittel erklären. Würden diese exotischen Heilkünste auch beim hiesigen, "skeptischen" Patienten wirken? Ammon: Der Glaube an die Wirksamkeit spielt immer eine Rolle. Ich gehe allerdings davon aus, dass es sich dabei um Heilpflanzen handeln muss, bei denen sich auch nach naturwissenschaftlichen Gesichtspunkten eine Wirkung nachweisen lässt.


Frage: In wie weit findet Ihre wissenschaftliche Arbeit den Zugang zur Pharmaindustrie. Besteht da überhaupt ein Interesse an natürlichen Wirkstoffen, oder glauben Sie, dass es eher darauf hinauslaufen würde, diese synthetisch herzustellen? Ammon: Die pharmazeutische Großindustrie scheint wenig Interesse zu haben. Dagegen besteht ein Interesse bei mittelständischen Pharmaherstellern, die hauptsächlich pflanzliche Arzneimittel produzieren. Allerdings bilden die hohen Entwicklungskosten, die durch unsere Arzneimittelgesetzgebung zustande kommen, ein erhebliches Hindernis.


Frage: Wir lassen als kleiner Deutscher Verein in Indien indische Kinder in großer Zahl gegen typische Kinderkrankheiten durch indische Ärzte impfen. Verwendet werden die bei uns üblichen Impfstoffe gegen Kinderkrankheiten, wie MMR, DPT, Typhus und Polio. Halten Sie die Verwendung der auch bei uns für unsere Kinder verwendeten Impfstoffe in Indien für indische Kinder für richtig oder würden Sie andere Präventive bzw. Maßnahmen zum Beispiel aus dem Ayurveda- Bereich vorziehen?Ammon: Ich halte die bei uns verwendeten Impfstoffe auch bei der Verwendung in Indien für richtig


Frage: Können ayurvedische Pflanzen auch in Deutschland gezüchtet werden? Oder geht das nicht, weil diese Pflanzen nur in den Tropen wachsen können? Ammon: In Indien wachsen Arzneipflanzen in den verschiedensten Klimazonen. Es wird in Deutschland schwierig sein, ayurvedische Pflanzen zu kultivieren. Einige Ausnahmen sind aber sicher möglich


Frage: Glauben Sie nicht, dass auch wir in Europa adäquate Heilpflanzen haben, die bei chronischen Krankheiten ebenfalls Erfolge erzielen könnte? Ammon: Die europäischen Arzneipflanzen sind weitgehend gut untersucht und man kann davon ausgehen, dass hier ein zusätzliches Reservoir eher gering ist. Ich bin aber der Meinung, dass es in anderen ethnischen Kulturen und Klimazonen durchaus noch viele Arzneipflanzen gibt, die, wenn sie wissenschaftlich untersucht werden würden, auch für uns von Nutzen sein können.


Frage: Warum ist die Zusammenarbeit zwischen der fernöstlichen Heilmedizin und der bei uns angewandten Schulmedizin so schwierig? Ammon: Die Schulmedizin konzentriert sich hauptsächlich auf die Entwicklung von Arzneimitteln, die strengen naturwissenschaftlichen Kriterien standhalten. Bei der Verwendung fernöstlicher Medizin haben wir das wissenschaftliche Problem des Wirksamkeitsnachweises und der Unbedenklichkeit, beide zu verifizieren verschlingt bei uns enorme Summen an Geld, das von der Industrie nicht aufgebracht wird.


Frage: Wo kann ich mich umfassend sowie seriös über die Phytotherapie im Sinne der alten ägyptischen, griechischen, indischen oder sonstigen Ärzte informieren? Ammon: Dies ist schwierig zu vermitteln, da in jeder Kultur die Behandlung mit Pflanzen unter einem unterschiedlichen philosophischen Gesichtspunkt betrachtet wird. Bei uns in der westlichen Medizin zählt man auf naturwissenschaftliche Kenntnisse. In Indien auf die Beachtung der ayurvedischen Philosophie nach den drei Grundprinzipien der Tritosha: Vata, Pitta, Kapha.


Frage: Unsere klassischen Arzneimittel kurieren doch überwiegend lediglich die Krankheitssymptome. Ist es nicht besser den Ursachen auf den Grund zu gehen, wie es in der ayurvedischen Lebensweise praktiziert wird? Ammon: Die Philosophie der ayurvedischen Medizin besteht darin, den Menschen in einem körperlichen und seelischen Gleichgewicht zu halten. Falls dieses gestört ist und daraus Krankheiten entstehen, versucht Ayurveda mit den ihr vertrauten Mitteln ein solches Gleichgewicht wieder herzustellen.


Frage: Können Sie ein Buch zu diesem Thema empfehlen? Ammon: Lassen Sie sich in Ihrer Buchhandlung beraten. Es gibt mehrere Bücher, aber achten Sie darauf, dass diese seriös verfasst sind, sprich, dass sie mit der Philosophie des Ayurveda in Einklang stehen.


Frage: Mein indischer Ayurveda-Arzt sagte mir, dass die Potenz der Heilpflanzen stark abgenommen habe. Sie waren früher wohl nicht viel schwächer als die tibetischen. Ohne mehr Umweltschutz könnte Ayurveda aussterben und die nächste Hauptgefahr geht von Pharmafirmen aus, die alles für sich patentieren lassen wollen. Was können wir dabei tun? Ammon: Auch in Indien sind ayurvedische Arzneipflanzen durch Umwelteinflüsse gefährdet. Etwa 80 Prozent der in Indien verwendeten Pflanzen werden wild gesammelt. Patentieren kann man etwas, wenn man selbst wesentliche Erkenntnisse gewonnen hat, die die Anwendung eines Medikamentes empfehlen. In Indien ist man in vielen Fällen technisch noch nicht so weit.


Frage: In Ihrem Bericht wurde die Behandlung von Analfisteln mit Hilfe eines Fadens erwähnt. Ich stehe kurz vor einer Operation wegen einer Perianalfistel. Außerdem bin ich seit einem Autounfall Paraplegikerin. Mein Allerwertester ist also mein wichtigstes Körperteil und ich wäre unsagbar glücklich, wenn eine OP vermeidbar wäre. Wo kann ich mich bezüglich dieser Fadentherapie erkundigen? Ammon: Die Fadentherapie wird an der ayurvedischen Fakultät der Benaares-Hindu-Universität (in Benaares) routinemäßig durchgeführt.


Frage: In der Sendung wurde ein Buch von Ihnen erwähnt. Ich habe aber den Namen nicht mitgekriegt. Könnten Sie diesen bitte nochmals erwähnen? Ammon: Das Buch heißt: H.P.T. Ammon: Arzneimittelneben- und Wechselwirkungen.


Frage: Entstehen durch die auf die Heilpflanzen fokussierte Betrachtung nicht ein falsches Bild der indischen Heilmedizin, deren Philosophie wesentlich umfassender ist? - und vor allem auch spirituelle Aspekte miteinbezieht. Ist es nicht eine Art Systemfehler oder sogar Widerspruch, die Heilwirkung der Pflanzen/Stoffe in unserem westlichen materiellen (auf kurzfristige Heilung aus) System anzuwenden - sollte nicht nachhaltiger Wert auf die philosophischen Aspekte gelegt werden? Ammon: Die Verwendung von Heilpflanzen ist lediglich ein Teil der ayurvedischen Philosophie. Die Verwendung von Heilpflanzen beruht auf der Basis der Tridosha und hat etwas mit der Vorstellung zu tun, dass der Mensch und jedes Lebewesen - auch Pflanzen - einen Mikrokosmos in einem Makrokosmos darstellen. Nach ayurvedischer Philosophie, die ja bis zu 5000 Jahre alt sein dürfte, bestehen Makro- und Mikrokosmos aus den fünf Naturelementen Feuer, Wasser, Luft, Himmel und Erde. Diese Elemente sind im Organismus in einem Gleichgewicht vorhanden. Ist eines der Elemente zu viel vorhanden, wird der Mensch krank. Dann muss es mit ayurvedischen Methoden entfernt werden (Abführen, Erbrechen usw.). Ist ein oder sind mehrere Elemente zu gering vorhanden, dann müssen substituiert werden. Nach ayurvedischer Philosophie sind je nach Pflanzenart diese Elemente in unterschiedlicher Ausprägung in den bei Ayurveda angewandten Arzneipflanzen vorhanden. Es gibt aber auch einige Arzneipflanzen, die eine direkte pharmakologische Wirkung nach Schulmedizin haben.


Frage: Wo liegen die größten Probleme bei der medizinischen Versorgung der indischen Bevölkerung? Ammon: Die größten Probleme liegen darin, dass westliche Medizin für den größten Teil der Bevölkerung nicht erschwinglich ist (insbesondere auf dem Land). Um überhaupt eine medizinische Betreuung zu erhalten, bleibt derzeit nichts anderes übrig, als sich der Ayurveda-Medizin zu bedienen, die jedoch sicher nicht so viele Probleme lösen kann wie die westliche Medizin.


Ammon: Ich möchte mich sehr herzlich für das große Interesse an dieser Sendung mit diesem Thema bedanken, ich hoffe, dass ich durch den Chat weitere interessante Informationen haben geben können. Vielleicht ist es mir auch gelungen, manchem Teilnehmer Hilfe zu vermitteln. Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass die Ayurveda- Medizin auf einer Philosophie beruht, die vor zirka 5000 Jahren in Indien geboren wurde, zu einer Zeit also, zu der das Wissen über die Natur, über den Menschen, über seine Krankheiten sich auf einem sehr niedrigen Stand befand. In unseren Breiten war auf diesem Sektor praktisch gar nichts vorhanden. Man sollte aber auch davor warnen, Ayurveda- Medizin zu überschätzen, sondern danach forschen, welche Elemente dieser Medizin auch für uns einen Nutzen bringen. Hierzu ist allerdings noch erhebliche Forschungstätigkeit zu leisten.

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