Chat-Protokoll, Teil 2

Fragen und Antworten zu "Der Kontinent"

Klaus Feichtenberger über die Arbeit am Film, zur Person und zu ähnlichen Projekten.

Hinter den Kulissen

Verschiedenes

Zur Person und anderen Projekten


Frage: Die Kamera ist genial! Wer hat das gemacht?

Feichtenberger: Das waren mindestens 30 Kameraleute aus ganz Europa. Der deutsche Kameramann Andreas Kieling war auch dabei.



Frage: Gab es auch gefährliche Situationen während der Dreharbeiten?

Feichtenberger: Ja, etliche, obwohl wir sehr Sicherheitsbewusst sind und alles tun, um Gefahren zu vermeiden. Wir hatten einen Helikopterabsturz, zum Glück ohne Tote, jedoch mit Verletzten. Einmal kam der Bär frei, und das ist selbst bei einem zahmen Bären riskant. Ich bin einmal beinah mit dem Kajak verunglückt.



Frage: Im Film gibt es mehrere Szenen mit Braunbären und Wölfen. Waren das gezähmte oder dressierte Tiere?

Feichtenberger: Es waren zahme Tiere, sie waren nicht dressiert. Ein Bär war sogar sehr lieb und wollte in der Gladiatorszene überhaupt nicht aggressiv aussehen.



Frage: In einer Einstellung werden Englands Friedhöfe mit asiatischem Gewächs zugewuchert. Hier gab es eine Kamerarückfahrt, bei der im Zeitraffer die Pflanzensprösslinge durch den Asphalt brachen. Wie ist diese Aufnahme entstanden?

Feichtenberger: Über drei Wochen wurde in einer Halle etwa jede Stunde ein Einzelbild gemacht, unter kontrollierten Lichtbedingungen (Elektronikblitz). Die Kamera wurde dabei zentimeterweiße bewegt. Das Wachstum der Pflanzen ist echt. Die Betonplatten sind aus Styropor, um die Bruchstellen besser kontrollieren zu können.



Frage: Auf welchem Material wurde bei der Produktion gedreht? Wie viele Aufnahmen sind Computermanipuliert?

Feichtenberger: Das meiste auf Super 16, ein bisschen auf HDTV. Eine Zeitraffer-Szene wurde auf digitalen Stills-Kameras gedreht. Großteils drehen wir auf Kodak Vision 250, teils 500, hin und wieder nehmen wir Fudji. Insgesamt waren 13 Minuten vorwiegend CGI. Dazu kommen noch Compositings, etwa der getürkte Blick auf eine Landschaft durch ein Fenster.



Frage: Wie lange dauerte der Dreh zu diesem Film? Wie lange haben Sie sich auf die Produktion für diese vier Teile vorbereitet? Wie groß war das Team?

Feichtenberger: Die Gesamtdauer für diesen Dreh lag bei 3 1/2 Jahren. Alle Drehtage, inklusive Reisetage für die Teams, beliefen sich auf 600 Tage. Dennoch wurde auf 30 Prozent Archiv-Material von ZDF, BBC und ORF zurückgegriffen - ohne das wär's nicht gegangen. Fünf Prozent sind eingekauftes Archiv. Die Serie hat in Originalfassung 200 Spielminuten. Insgesamt haben etwa 150 Leute mitgewirkt, circa 15 durchgehend zwei Jahre lang, andere nur ein bis zwei Monate. Ich selber habe vier Jahre durchgearbeitet, ohne Urlaub und mit sehr wenigen Wochenenden. Während des Projekts gab es für nichts anderes Zeit, nicht einmal für meine Familie, die ich nur in Drehpausen gesehen habe. Die Produktion war zwar ziemlich anstrengend, hat aber enormen Spaß gemacht.



Frage: Wer hat die Dokumentation bezahlt? Gab es Sponsoren? Wie teuer war die Produktion?

Feichtenberger: BBC, ZDF und ORF haben die Dokumentation bezahlt. Sponsoren gab es keine. Das Gesamtbudget belief sich auf 4,2 Millionen Euro, was viel klingt, aber bei so einer Produktion wie ein Tropfen auf den heißen Stein verzischt.



Frage: Ihr Film hat eine tolle Prise Humor. Vor allem über die Zeitrafferszene mit den Schiffen musste ich schmunzeln - stammen alle Ideen aus ihrer Feder?

Feichtenberger: Ja - ich finde es befreiend, hin und wieder zu lachen. Oft entstehen Ideen auch spontan während der Sprachaufnahme im Studio - dort kommt es gelegentlich zu allgemeinen Lachanfällen.



Frage: Wo haben Sie dieses Zahlenmaterial her, mit denen Sie am "Rande" informierten?



Feichtenberger: Mein Team hat Tonnen von Statistiken gesammelt. Die EU bietet Homepages mit allen nur erdenklichen Statistiken. Außerdem standen wir mit unzähligen Universitätsinstituten in Verbindung.



Frage: Gibt es die Reihe auch auf DVD im Handel?

Feichtenberger: DVDs wird es ab 2006 im Handel geben.



Frage: Von wem ist die Musik? Gibt es eine Musik-CD zu kaufen?

Feichtenberger: Die Musik ist von Barnaby Taylor aus Bristol, die Musiker waren englische Solisten und das BBC-Symphonieorchester. Ich glaube nicht, dass es Musik-CDs geben wird.



Frage: Herr Feichtenberger, haben sie Regie studiert? Wie kommt man dazu so einen tollen Film mitgestalten zu können? Wer stellt die Teams zusammen?

Feichtenberger: Ich habe Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaft und Dolmetschen studiert und das Filmhandwerk autodidaktisch gelernt. Die Sender haben mich darum gebeten an dieser Produktion mitzuwirken. Das Team konnte ich aber nur teilweise aussuchen, das hat die BBC bestimmt.



Frage: Welche Art von Projekten planen sie als nächstes?

Feichtenberger: Derzeit drehen wir für den ORF ein Programm über Rotwild in Europa. Ein zweites Team arbeitet an einem Film über das Flusssystem in Österreich. Die Recherchen für ein vierteiliges Sibirienprojekt laufen auf Hochtouren.



Frage: Wird es Sendungen oder Reportagen über die Entstehung und Entwicklung anderer Kontinente geben?

Feichtenberger: Die BBC hat in den letzten Jahren alle Kontinente behandelt. Europa war das letzte Projekt. Asien wird sozusagen stückweise abgehandelt. Der ORF macht Sibirien, die BBC China. Das wird 2008 fertig werden.



Frage: Wenn man einen Film wie diesen dreht, wie schaut man da in die Zukunft - voller Angst oder zuversichtlich?

Feichtenberger: Beides zugleich. Die Gefühle sind sehr gemischt. Es hilft zu akzeptieren, dass alles kommt und vergeht, auch die Menschheit.

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