Chatprotokoll aus dem Autoren-Chat


Produktionsdaten




Frage: Wie lange hat die gesamte Produktion dieser Dokumentation gedauert und wie lange die Dreharbeiten?Christian Feyerabend: Ein Team von vier Autoren und Regisseuren hat mit der Unterstützung einiger Rechercheure zwei Jahre daran gearbeitet. Dabei war die Einarbeitung in über hundert Spezialthemen nötig. Insgesamt hatten wir 120 Drehtage.


Frage: Wer sucht die Musik zu solchen Sendungen aus?Feyerabend: Die Musikberatung übernimmt unser Cutter Marc Schubert. Für diese Serie hat Paul Rabiger eine Originalmusik komponiert.


Frage: Haben Sie schon einmal eine solche Dokumentation erarbeitet?Feyerabend: Vor zwei Jahren lief Sturm über Europa - die Völkerwanderung. Die Dokumentation über das Mittelalter ist sozusagen die Fortsetzung.


Frage: Wann werden weitere Folgen gezeigt und wird in der kommenden Sendung, die verstärkt auf den Klerus im Mittelalter eingehen wird, auch auf die eventuellen Endzeitängste der Jahre 1000 eingegangen?Feyerabend: Drei weitere Folgen werden an den nächsten Sonntagen ausgestrahlt und die kommende Sendung wird die von Ihnen genannten Endzeitängste ebenfalls thematisieren.


Frage: Kann man die Doku-Serie als DVD erwerben?Feyerabend: Sie kann über das ZDF bestellt werden und auch das Buch kann beim ZDFshop erworben werden.

Besetzung der Figuren und Schauplätze


Frage: Waren die Darsteller Schauspieler oder Angehörige von Reenactmentgruppen und sind sie mit experimenteller Archäologie in Verbindung zu bringen?Feyerabend: Die Protagonisten sind Schauspieler, etliche Nebenrollen wurden ebenfalls mit Schauspielern besetzt. Es haben aber auch viele Reenactors und Stuntmen mitgemacht. Experimentelle Archäologen haben uns beraten und sie sind diejenigen, die die Burg in Guédelon bauen, sie haben jedoch nicht mitgespielt.Frage: Wo in Frankreich wird die original Burg nachgebaut? Judith Voelker: Die Burg wird in Guédelon nachgebaut und ist ab Sommer wieder für Touristen geöffnet. Guedelon liegt etwa hundert Kilometer südlich von Paris.


Frage: Wie wird der Bau der Burg in Frankreich finanziert? Feyerabend: Durch Eintritte und regionale Förderung, Spenden und ähnliches.


Frage: Wo wurde die Sendung gedreht und welche Burganlagen dienten als Schauplätze für die Dokumentation? Feyerabend: In etwa zwanzig europäischen Kulturlandschaften von den Highlands bis Italien, Portugal, Spanien, Polen und Prag wurde für die ganze Serie gedreht. Guedelon als Baustelle, Bodiam Castle in England, Chateau Chillon in der Schweiz, Burg Eltz und Najac in Frankreich standen uns zur Verfügung.

Don Pacheco aus Portugal


Frage: Existierte der dargestellte portugiesische Ritter tatsächlich? Voelker: Nein, der Ritter ist fiktiv. Aber die Dynastie Pacheco in Portugal hat es gegeben. Ein Familienmitglied hat tatsächlich an einem Kreuzzug nach Preußen teilgenommen.


Frage: Der Ritter lebte in Portugal, in dieser Zeit war ein Teil Spaniens von Muslimen besetzt. Wie kam er durch Spanien? Voelker: Nicht ganz Spanien war muslimisch, ein Streifen im Norden war nicht muslimisch, ungefähr da, wo noch heute der Pilgerweg nach Santiago de Compostela entlang führt.


Frage: Wie konnte man damals Spanien durchqueren?Voelker: Auf den Straßen der Pilgerwege, die nördlich des arabischen Teils verliefen. Abgesehen davon waren die Araber eher tolerant und es gab kein Einreiseverbot oder ähnliches. Eher im Gegenteil, viele Scholaren gingen nach Spanien, um dort die arabischen Wissenschaften zu studieren.

Literatur


Frage: Wo wird das Buch mit einem Verzeichnis aller damaligen Wappen aufbewahrt und wie lautet der Titel der zitierten Minnesammlung?Voelker: Das Wappenbuch Gelre wird in der Bibliotheque Royale in Brüssel aufbewahrt, es gibt aber auch in anderen Bibliotheken sehr schöne Wappenbücher, zum Beispiel in Paris. Die Minnesammlung finden Sie unter dem Titel Manessische Handschrift, das Original Codex Manessae befindet sich in Heidelberg, aber jede gute Bücherei besitzt ein Buch über diese Handschrift.


Frage: Wo ist die riesige Sammlung der Ritterrüstungen zu sehen?Feyerabend: Die Sammlung ist im Zeughaus Graz und im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg ausgestellt.


Frage: Wieviel hat eine der für die Dokumentation hergestellte Rüstungen, zum Beispiel für die Dummys, gekostet? Feyerabend: Die Rüstungsreplika gibt es für etwa 1000 Euro.

Dummy-Experiment


Frage: Es handelt sich ja bei den Rüstungen um Plattenbrust und Rücken, Schultern, Handschuhe, Kettenhemd und (wahrscheinlich) Gambeson. Warum wurden keine speziellen Reiterplattenrüstungen für den Crashtest verwendet? Meines Erachtens war die Ausrüstung des Dummys eher für einen Fußkämpfer typisch. Voelker: Leider ist ein Dummy sehr unbeweglich, was es schwierig macht, ihm wirkliche Bein und Armpanzer anzuziehen.


Frage: War der Dummy auf dem Pferd fixiert - sozusagen das worst-case Szenario eines unvorbereiteten Lanzentreffers?Voelker: Nein, der Dummy war nicht richtig fixiert. Ein normaler Dummy hat das Gewicht eines Menschen, dabei gibt es verschiedene Standardmaße. Unser Dummy war ein 1,75 Meter Mann.


Frage: Hätten nicht eigentlich beide Dummys sich bewegen müssen?Voelker: Der Angreifer-Dummy war fixiert, da er ja über keine Muskeln verfügt, um sich selber auf dem Pferd halten zu können.

Waffen


Frage: Ich fand den Versuch mit dem Langbogen beeindruckend! Waren die Pfeile wirklich so stark, dass sie Rüstungen kaputt machen konnten?Feyerabend: Langbogen hatten schon die Angel und Sachsen, wie man aus Moorfunden weiß (Nydam Moor). Sie nahmen sie mit nach Britannien. Die Pfeile hatten eine ungeheure Wucht, daher waren sie auch so gefürchtet, sie schlagen nicht einfach ein, sondern bohren sich in die Rüstung.


Frage: Mich interessiert, wo und wann der Bogentest mit der Stahlplatte gemacht wurde. Ich bin selber Bogenschütze und habe mit meinem Bogen einen Test bei der Dresdener Flugzeugwerft gemacht. Eine Neue Cockpittür widerstand zwar den Faustfeuerwaffen, aber nicht meinem Bogen. Voelker: Der Freilufttest wurde auf einem privaten Gelände durchgeführt, welches dem Bogenschützen gehört.

Ritter und Orden


Frage: Wie groß waren die mittelalterlichen Ritterheere?Voelker: Manchmal waren es 50 Leute, je nach dem, wie vermögend ein Adeliger war, um so ein Heer aufzustellen. Das Heer des Kaisers, wenn alle Heere zusammen kamen, zählte Tausende.


Frage: Stimmt es, dass Ritter sich nur im Umgang untereinander an die Kardinaltugenden halten mussten? Waren die ritterlichen Kardinaltugenden nicht das Markenzeichen eines jeden Ritters im Umgang mit allen Menschen?Voelker: Die Kardinaltugenden galten eher nur in der Theorie für alle. Fakt ist jedoch, dass niedere Stände nicht mit einem solchen Umgang rechnen konnten.


Frage: Stimmt es, dass der Orden der Deutschen Ritter das Recht zur Christianisierung im Osten deshalb erhalten hatte, weil er der einzige Orden war, der bei der Erstürmung Jerusalems teilgenommen hatte?Voelker: Nein, es waren auch andere Orden beteiligt. Außerdem war der Orden zu der Zeit der Erstürmung Jerusalems noch ein Krankenpflegerdienst. Das Recht zur Christianisierung hatte eher politische Gründe.


Frage: Welche Religion hatten die Ritter im Osten, wenn sie Heiden waren?Voelker: Das sind zum Teil sehr verschiedene Glaubensformen, die sich eher unter dem Oberbegriff heidnische Religionen zusammenfassen lassen, als zum Beispiel unter dem Begriff schamanische Religion.

Frauen im Mittelalter


Frage: Mich interessiert, zu welchen Anlässen die Frauen welche Farben getragen haben. Welche Farbe durfte die einfache Frau tragen?Voelker: In Kleiderordnungen waren die Farben festgelegt. Die Frauen trugen bei Hochzeiten rot, bei der Verlobung grün, als Zeichen des Neubeginns, ansonsten schwarz bei Trauer - wie heute auch. Die einfach Frau durfte nur ungefärbte Kleidung tragen, an Festtagen trug sie allerdings auch blau gefärbte Kleidung.


Frage: Gibt es auch weibliche Protagonisten? Voelker: Natürlich waren auch Frauen unterwegs, aber wir haben uns historische Vorbilder für unsere Protagonisten gesucht, für Frauen gibt es da leider keine ausreichenden Zeugnisse und Quellen.


Frage: Waren Ritter auch verheiratet oder gab es nur die unerfüllte Liebe der Minne?Voelker: Der Erstgeborene war (fast) immer verheiratet, er erbte auch. Die nachgeborenen Söhne gingen entweder zum Klerus oder mussten sich selbst eine Existenz aufbauen und waren daher, wenn überhaupt, oft erst sehr spät verheiratet.

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