Chatprotokoll, Teil 1

Fragen der Zuschauer an den Tierfilmer Andreas Kieling

Im Anschluss an die Sendung "Im Visier der Grizzly-Giganten" beantwortete der deutsche Tierfilmer Andreas Kieling die zahlreichen Fragen der Zuschauer.

Andreas Kieling mit Kanu Quelle: ZDF/Andreas Kieling

Informationen rund um den Bären


Frage: Wie ist es denn um den Lebensraum der Bären in Kanada und Alaska bestellt und wie viel merken Sie davon auf ihren Expeditionen?


Andreas Kieling: Die Population steigt weiter an, aber es fehlt in einigen Regionen an alten Männchen. Eine Erscheinung die man in vielen Gebieten der Erde beobachten kann, nicht nur bei Braunbären.


Frage: Warum kümmert der Bärenvater sich nicht um seine vier Kinder?


Kieling: Bärenväter sind Rabenväter. Sie kümmern sich nicht um ihren Nachwuchs, sondern paaren sich mit vielen Weibchen, wenn sie stark und dominant sind.


Frage: Bietet die Gegend wo die Filmaufnahmen entstanden sind einen langfristig geschützten Lebensraum für seine wunderbaren Bewohner nach ihrer Einschätzung?


Kieling: Ja. Alaska ist der größte Bundesstaat der USA und hat die meisten Schutzgebiete in der Union.


Frage: Wie kann man für den Schutz der Bären eintreten?


Kieling: Es gibt viele Naturschutzorganisationen, wie NABU, WWF und Greenpeace. Die wären sehr glücklich über Ihre Mitgliedschaft oder eine Spende und tun wirklich viel für den Schutz bedrohter Arten. Wobei der Braunbär nicht wirklich zu den bedrohten Arten gehört. Sein großes Problem ist, dass er in vielen Regionen der Erde nicht mehr genug Lebensraum zur Verfügung hat und der Mensch zu intolerant ist. Da muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.


Frage: Gibt es fachmännisch geleitete Trekking-Touren, die es Interessierten ermöglichen, Bären in Nordamerika aus der gebotenen Distanz mit eigenen Augen erleben zu können?


Kieling: Nationalparks in Nordamerika sind ideal für Bärenbeobachtung. Das ist mittlerweile auch in Rumänien möglich. Die Ranger und Führer sind tolle Begleiter, ein Erlebnis was ich jedem Bärenbeginner empfehlen kann.


Frage: Ich habe gehört, dass es Mischlinge zwischen Grizzly und Eisbär gibt. Haben Sie schon mal einen gesehen?


Kieling: Ja. Der Eisbär ist die jüngste Raubtierart der Erde, erst 200.000 Jahre alt. Eis- und Braunbären können sich miteinander paaren und diese Nachkommen sind auch wieder paarungsfähig. Das werden wir in einem meiner nächsten Filme näher untersuchen.


Frage: Töten Bären einen anderen Bären, um ihn zu fressen, oder aus einem anderem Grund?


Kieling: Es gibt zwei Gründe warum Bären das tun: Zum einen dient das der Durchsetzung der Rangordnung. Zum anderen haben Bären keine natürlichen Feinde und regeln so innerartlich ihren Bestand.


Frage: Glauben Sie es gibt eine Chance für den Braunbären, sich in Deutschland wieder anzusiedeln?


Kieling: Wenn wir etwas toleranter wären als in Bayern erlebt, hätte der Braunbär auch in einigen Regionen Deutschlands eine echte Chance!


Frage: Welches Land oder Gebiet ist denn in Europa am bärenreichsten? Kieling: Rumänien hat die höchst Bärendichte das hat allerdings auch politische Gründe.


Frage: Was halten sie von Bärenhaltung im Zoo und im Circus?


Kieling: In deutschen Zoos hat sich in den letzten Jahrzehnten viel getan. Es gibt großräumige Bärenanlagen, letztendlich bleibt es aber immer ein Gehege.


Frage: In der Schule habe ich gelernt das man die Arme hochheben soll wenn man sich durch ein Wildtier bedroht fühlt, damit man dem Tier gegenüber größer wirkt. Warum haben sie das in der Szene, als sie den Bär auf englisch verjagt haben nicht getan? Gibt es dafür einen grund oder haben sie es in der Aufregung schlichtweg vergessen?


Kieling: Ich musste mich mit einer kleinen Handkamera selber filmen und Sie wollten doch ein brauchbares Bild sehen. Ansonsten ist Ihre Schulinformation absolut richtig.

Die Umstände der Dreharbeiten


Frage: Hatten sie jemals Angst, während ihrer Dreharbeiten? Kieling: Ich habe selten Angst aber immer Respekt vor den Grizzlys, das ist wichtig um in den Entscheidenden Situationen richtig zu reagieren. Angst ist lähmend.


Frage: Wie viel Vorbereitungszeit benötigt eigentlich eine solche Expedition? Können Sie einzelne Meilensteine nennen wie Sie sich auf diese Expedition vorbereitet haben?


Kieling: Alaska ist meine zweite Heimat. Trotzdem müssen solche Expeditionen 3-4 Monate lang vorbereitet werden. Das Wetter ist ein ganz entscheidender Faktor. Das kennt jeder Nordlandfahrer. Vor Überraschungen ist man nie sicher. Manchmal passiert wochenlang nichts Besonderes und dann bezahlen wenige Tage den Trip bzw. entschädigen für das harte Leben.


Frage: Von was ernähren Sie sich in der Wildnis?


Kieling: Ich esse überwiegend Fisch. Wichtig ist das man genug Kohlehydrate zu sich nimmt. Man verbrennt dreimal so viel Energie auf Drehs wie bei einem normalen Job in Deutschland. Nudeln, Schokolade, Nüsse sind da ideal. Trotzdem nehme ich auf jedem Dreh etwa 10 Kilo ab.


Frage: Hatten sie schon mal das Gefühl, das sie einer Situation nicht lebend rauskommen könnten?


Kieling: Das Gefühl habe ich jedes Jahr mehrmals aber es gehört zu meinem Beruf dazu.


Frage: Kann man die Tiere mit einer 1-2 wöchigen ständigen Präsenz schon ein wenig an sich gewöhnen oder braucht dies Monate?


Kieling: Manchmal genügen nur wenige Tage und manchmal gelingt das niemals. Tiere sind wie wir Menschen, es gibt sehr unterschiedliche Charaktere. Die meisten Bären ziehen es vor, uns Zweibeinern aus dem Weg zu gehen.


Frage: Kann man Grizzly-Bären wie im Film gezeigt, durch laute Zurufe bzw. entsprechendes Gestikulieren vertreiben oder einschüchtern? Funktioniert das immer und haben Sie außer dem Bärenspray noch andere Abwehrgegenstände- oder Möglichkeiten um sich notfalls verteidigen zu können ?


Kieling: Im Zweifelsfall ist es immer gut, sich dem Bären zu erkennen zu geben. Wir gehören nicht zum Beutespektrum von Braunbären, das gilt für alle Gebiete in denen Braunbären vorkommen. Das was ich in dem Film zeige, ist allerdings nicht zur Nachahmung zu empfehlen. In Nordamerika finden Sie an jeder Rangerhütte ein Hinweis auf Verhaltenregeln gegenüber Bären.


Frage: Woher kommt der Tipp mit den Mottenkugeln?


Kieling: Mottenkugeln enthalten Zedernholzöle und einige chemische Zusätze. Ich habe den Tipp von einem alten Waldläufer aus Nordkanada.


Frage: Wurden Sie denn bei einer Ihrer Tieraufnahmen verletzt, also hat eines jener Tiere, das Sie beobachteten Sie angegriffen?


Kieling: Meine schwerste Verletzung war 1995 in der Eifel bei Dreharbeiten zu einem ZDF Film über unsere heimischen Tiere. Damals wurde ich von einem Wildschweinkeiler schwer verletzt.


Frage: Stehen die Regionen, in denen Sie gefilmt haben unter Schutz, mussten Sie extra Drehgenehmigungen beantragen?


Kieling: Einige Drehs fanden in Schutzgebieten statt, wo sich aber nur alle paar Jahre mal ein Ranger hin verirrt. Die Dimensionen in Nordamerika sprengen oftmals selbst meine Vorstellungskraft. In Nationalparks z.B. braucht man eine Drehgenehmigung, in State Land ist das nicht erforderlich.

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