Chatprotokoll, Teil 2

Fragen der Zuschauer an den Tierfilmer Andreas Kieling

Im Anschluss an die Sendung "Im Visier der Grizzly-Giganten" beantwortete der deutsche Tierfilmer Andreas Kieling die zahlreichen Fragen der Zuschauer.

Ausrüstung und Technik


Frage: Wie funktioniert das eigentlich mit der Stromversorgung (insbesondere für Ladegeräte für die Kameras) wenn man solange in der Wildnis unterwegs ist?


Andreas Kieling: Wir haben große Lithium-Ionen-Akkus dabei, die für kleine Kameras lange halten. Mobilität ist für mich das wichtigste. Auf meinem Boot Tardis läuft immer ein kleiner Generator.


Frage: Mich interessiert wer filmt, wenn Sie selbst im Bild sind?


Kieling: Zum Teil filme ich mich selber mit einer kleinen HDV Handkamera - meistens in sehr brenzlichen Situationen, das ist alles eine frage des Schnitts. Ab und zu ist ein zweiter Kameramann dabei.


Frage: Wie haben Sie eigentlich mitten im Nichts das gebrochene Ruder des Segelboots repariert?


Kieling: Tardis hat eine Ersatzteilkammer. Ich habe aus Edelstahlblech in tagelanger Arbeit ein Ruderblatt provisorisch gebaut. In Dutch Harbour musste ich mit Tardis erst einmal in die Werft.


Frage: Solche eine große Expedition bringt viele Kosten mit sich. Wie finanzieren Sie sich das als Tierfilmer? Haben Sie einen weiteren Beruf??


Kieling: Die Filme sind Auftragsproduktionen und werden vom ZDF vorfinanziert. Die Ausrüstung ist meine eigene. Alleine die Wartung ist sehr teuer. Jedes Jahr zerlegen mir Bären oder Elche mittlerweile auch Krokodile einen Teil der Technik.


Frage: Inwieweit tragen Sie Kommunikationsmedien bei sich, wenn Sie sich z. B. von Ihrem Boot entfernen? Haben Sie ein Handy oder GPS-Ortung, so dass man Sie im Notfall auffinden könnte?


Kieling: Ich habe ein i-perp dabei. Wenn das der Bär nicht mitfressen sollte, wird über ein Notsignal nach mir gesucht. Meine Position wird automatisch an die US Coast Guard übermittelt. Glücklicherweise habe ich den Notsender bisher nur einmal in 17 Jahren einsetzen müssen.

Werdegang, Familie und Alltag


Frage: Wie werde ich ein Bärenforscher?


Kieling: Biologie studieren und viel Glück haben. Die Bärenpopulation in Europa werden in den nächsten Jahrzehnten ansteigen, Umweltorganisationen und offizielle Behörden werden eine Menge zu tun haben. Es wird sich ein ganz neues Betätigungsfeld auftun.


Frage: Wie alt waren Sie, als Ihr Traum zum ersten Mal in Erfüllung ging einen echten Bären in Freiheit zu sehen?


Kieling: Meinen ersten Bären habe ich 1988 in der Ussuri-Taiga gesehen und hatte furchtbare Angst. In den Jahren habe ich viel dazu gelernt und bin der Meinung, dass sie zu den intelligentesten und tolerantesten Tieren gehören die wir auf der Erde haben.


Frage: Wie meistern sie den Spagat zwischen Expedition, also Beruf und Familie?


Kieling: Alles hat seinen Preis. Oft bin ich monatelang unterwegs. Meine Familie hat gelernt und ich auch mit diesem unruhigen Leben zurecht zu kommen.


Frage: Wie lange brauchen sie um sich zu Hause zu akklimatisieren?


Kieling: Solche langen Drehs wirken bei mir noch lange nach. Manchmal wünsche ich mir, ich hätte mehr Zeit um mich wieder an das hektische und fordernde Leben in Deutschland ein zustellen.


Frage: Arbeiten Sie mit Wissenschaftlern zusammen und tauschen sie mit diesen Ihre beeindruckenden Aufnahmen aus?


Kieling: Die Universität von Alaska ist sehr an meinen Erfahrungen interessiert. In Deutschland arbeite ich mit verschiedenen Unis und Naturschutzorganisationen zusammen.


Frage: Arbeiten Sie lieber an bewegten Bildern (fürs Fernsehen) oder an Aufnahmen für Bücher?


Kieling: Die Herausforderung ein perfektes Foto zu machen ist mindestens genau so groß. Ich habe mehrere Bildbände veröffentlicht, lebe aber von der Tierfilmerei.


Frage: Sie müssen für solche Expeditionen sicherlich enorme körperliche Belastungen durchstehen? Wie halten Sie sich fit für Ihre Abenteuer?


Kieling: Joggen, boxen, Motocross, Bogenschießen, Fußball, Inline-Skaten, vernünftiges Essen, Schwimmen und positives Denken, sowie Spaß am Leben.


Frage: Was halten sie davon, dass sich nur noch so wenig Kinder und Jugendliche für unsere Natur interessieren, und dafür mehr für Videospiele, Klamotten etc.?


Kieling: Daran sind wir selber Schuld. Eltern sind gefordert ihren Kindern wieder die Natur näher zu bringen. Eine Übernachtung im Zelt oder eine kleine Kanutour kann da schon Wunder bewirken. Man sollte dabei auch unbedingt ein Fernglas mitnehmen.

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