Cheops als Schöpfer

Indizien gegen Chephren

Dr. Rainer Stadelmann, ehemaliger Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Kairo, ist davon überzeugt, die Lehrmeinung widerlegen zu können. Seine Indizien sprechen gegen Chephren als Schöpfer der Sphinx.

Die Sphinx hatte im Alten Reich bestimmt keinen Bart, wie an dem Ansatz am Kinn zu sehen ist. Wäre es Chephren, der immer einen Bart an seinen Statuen trägt, dann müsste die Sphinx einen Bart gehabt haben. So kann es eigentlich nur Cheops gewesen sein. Das glatte Kinn ist nicht das einzige Argument des Archäologen.

Entscheidendes Kriterium

Auch die Traumstele lässt er nicht als Beweis für Chephren gelten. Sie benannte nur die beiden Könige, die hier Heiligtümer bauten. Von Cheops ist nur ein einziges Bildnis erhalten geblieben: die weltberühmte, nur siebeneinhalb Zentimeter große Statuette aus Elfenbein. Sie wird im Ägyptischen Museum in Kairo aufbewahrt.

Stadelmann hat die Sphinx bis ins Detail untersucht. Er will die Epoche ihrer Entstehung an ihrer Gestaltung erkennen. Ein ganz entscheidendes Kriterium ist das Kopftuch. Die Sphinx trägt das Ältere Kopftuch, das voll plissiert ist, auch über dem Schädel. Die Statue des Chephren hat ein Kopftuch, bei dem nur die Lappen plissiert sind, vermutlich war der obere Teil des Kopftuches vergoldet. Damit gehört die Sphinx einer Älteren Periode an, so Stadelmann.

Ähnlichkeiten mit Cheops

Die kunsthistorische Einordnung spricht für die Zeit von Cheops. Doch lässt sich der Erbauer tatsächlich aufgrund von anatomischen Merkmalen identifizieren? Der Vergleich mit Chephren zeigt, dass Ohren, Kinn und Augen nicht mit der Sphinx übereinzustimmen scheinen. Mehr Ähnlichkeiten entdeckt Stadelmann bei Cheops. In dem fast quadratisch geformten Gesicht der Sphinx sieht er das Antlitz des großen Pyramidenbauers verborgen.

Unscheinbare Steintrümmer

Immer wieder hat die Wüste die Sphinx fast verschlungen, wie Fotos aus dem 19. Jahrhundert zeigen. Der erste, der das Monument in moderner Zeit vom Sand befreite, war ein Kapitän aus Genua: Giovanni Battista Caviglia. Zwischen den riesigen Pranken machte er 1816 einen großen Fund.

Überwältigt von Ägypten, hatte Caviglia die Seefahrt an den Nagel gehängt und sich auf das Schatzsuchen verlegt. Mit seiner Beute stillte er die steigende Nachfrage vermögender Europäer nach Ägyptischen Schätzen. Caviglia fand die Traumstele. Im Ägyptischen Museum steht Caviglias Schatz auf schmalen Podesten an der Wand. Bei den unscheinbaren Steintrümmern handelt es sich um Fragmente eines meterlangen Bartes, den einst die Sphinx getragen hat. Der Gegenbeweis für Stadelmanns Theorie?

Im Britischen Museum in London werden weitere Fragmente aus Caviglias Fund aufbewahrt. Auch auf diesen Bruchstücken ist deutlich ein Flechtmuster zu erkennen. Diese Art der Gestaltung ermöglicht Kunsthistorikern die Datierung in eine ganz bestimmte Epoche - über 1000 Jahre nach der Zeit der Pyramidenbauer. Es handelt sich um einen geflochtenen Götterbart wie er im Neuen Reich en vogue war. Zu Chephrens Zeiten aber war der keilförmige Königsbart in Mode. Der Götterbart - wie ihn die Totenmaske des Tutanchamun zeigt - muss also nachträglich angefügt worden sein. Immer wieder im Lauf der Jahrtausende ist das Antlitz verändert worden, sagen Archäologen.

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