Chephren als Schöpfer

Erbaute der Sohn des Cheops die Löwenfigur?

Welche Indizien führen Archäologen für die Datierung der Sphinx ins Feld? Woher wissen sie, dass die Rätsel-Figur aus der Zeit der Pyramidenbauer stammt? Im Streit um den Schöpfer der Sphinx gibt es zwei vorherrschende Meinungen.

Nur ein einziger Mensch, so glauben Ägyptologen, hat der Nachwelt 3500 Jahre vor unserer Zeit ein wahrhaftiges Zeugnis vom Schöpfer der Sphinx hinterlassen.

Vision des Thutmosis

Ein ägyptischer Aristokrat jagt im Tal der Gazellen, nahe der berühmten Grabstätte seiner Ahnen. Im Schatten der Sphinx schläft er ein, so erzählt die Legende. Im Traum erscheint sie ihm als Sonnengott Re und verspricht ihm den Thron der Pharaonen. Zum Dank soll er sie vom Wüstensand befreien. Denn nur ihr Kopf ragt aus den Dünen, als sie zu dem Prinzen spricht. Der hohe Herr erfüllt den Wunsch der Sphinx - so wird sie zum Königsmacher. Als Pharao Thutmosis IV. herrscht der einstige Träumer über Ägypten.

"Sohn des Re"

Zwischen den Pranken der Sphinx errichtet Thutmosis die "Traumstele" - eine schwere Granit-Tafel, auf der seine Geschichte geschrieben steht. In Zeile 13 war einst ein Wortfetzen zu lesen: "Cheph...". Die mysteriöse Zeile gilt bis heute als Schlüssel zum Schöpfer der Sphinx. Wie stichhaltig aber ist dieses Indiz? War es wirklich Pharao Chephren, der die Löwenfigur als Wächter vor seiner Pyramide erbauen ließ?


Das Antlitz des Königs haben die Bildhauer der Antike in einer meisterhaften Skulptur verewigt. Sie ist heute im Ägyptischen Museum in Kairo zu bewundern. Der Pharao thront auf einem Löwenstuhl. Die Raubkatze war ein Sinnbild göttlicher Königswürde. Als erster nannte er sich "Sohn des Re", so die Zeichen für seinen Namen. Der Pharao war der irdische Vertreter des Himmelsgottes, der "lebende Horus". Hat die Sphinx einst wirklich seine Züge getragen? Fast nichts ist bekannt über den Herrscher, dessen Baumeister vor 4500 Jahren ein Weltwunder aus Stein in die Wüste setzten - ein gigantisches Grabmal, das die Pyramide seines Vaters Cheops fast noch zu überragen scheint.

"Highway in die Ewigkeit"

Am Fuß der Pyramide standen imposante Tempel. Hier führten Priester jene geheimnisvolle Zeremonie der Mumifizierung aus, die das ewige Weiterleben des Pharao ermöglichen sollte. Durch schmale Schlitze fiel einst Licht in das Heiligtum, es warf seinen Glanz auf prachtvolle Skulpturen des Chephren.


Im Taltempel des Chephren begann der "Highway in die Ewigkeit". Hier trug eine feierliche Prozession den Sarkophag mit der Mumie des Pharao zum Totentempel hinauf. Einst war der Aufweg überdacht. Sterne zierten die Decke des Tunnels - als Wegweiser für die Reise in das Reich der Toten

Der ägyptische Archäologe Dr. Zahi Hawass glaubt, dass die Sphinx einst die Züge ihres Schöpfers, das Antlitz des Chephren, getragen habe. Computerexperten und Künstler haben das Gesicht des Pharao digital modelliert. Ihr Ziel ist es, mit den gewonnenen Daten die Sphinx nach seinem Bildnis zu rekonstruieren. Doch wie realistisch ist das Porträt des Königs? Schon im Alten Reich haben Bildhauer die hervorstechenden individuellen Merkmale der Herrscher abgebildet. Das belegen kunsthistorische Vergleiche. Zudem aber waren ihre Werke stark idealisiert. Bit für Bit verleiht der Rechner dem zerstörten Gesicht der Sphinx die makellosen Züge des Pharao. Chephren - der lebende Gott des Himmels und des Lichts.

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