Chronik der Ereignisse

Vom ersten U-Boot bis zur Untersuchung des Wracks

Auch wenn schon einige Konstruktionen Jahre vor Julius Kröhls Tauchboot zum Einsatz kamen, gilt seine "Explorer" als das erste funktionstüchtige U-Boot. Erst nach Kröhls frühem "Malaria-Tod" beginnt die Erforschung der damals noch unbekannten Taucherkrankheit.

Modellzeichnung des U-Boots "Explorer"
Modellzeichnung des U-Boots "Explorer" Quelle: John W. McKay

1820 wird Julius Kröhl in der ostpreußischen Hafenstadt Memel geboren.

19. Mai 1844 Ankunft im Hafen von New York. In der aufstrebenden Metropole fasst der Ingenieur schnell Fuß. In New York herrscht damals Goldgräberstimmung. Die aufstrebende Stadt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten lockt Abenteurer aus der ganzen Welt. Allein hunderttausende Deutsche wagen den Sprung über den Atlantik - in der Hoffnung auf das schnelle Geld.
Kröhl bezieht eine Wohnung im Bezirk "Klein Deutschland". Laut Melderegister quartiert er sich am Ende der 19. Straße ein, Tür an Tür mit Landsleuten aus der fernen Heimat.
1850 lässt der Ingenieur Wilhelm Bauer das erste deutsche U-Boot mit dem Namen "Brandtaucher" bauen. Ein Jahr später sinkt es nach wenigen Testfahrten. Die Mannschaft kann sich retten.

Nachdem Kröhl in Manhattan eine Werkstatt für Metallverarbeitung eröffnet hat, verfolgt der Tüftler einen ehrgeizigen Plan: Mit dem unverwüstlichen Metall will er Prachtbauten von schwindelerregender Höhe und spektakulären Formen errichten. Kröhls eigentliche Vision aber ist die Entwicklung eines Tauchboots aus purem Eisen. Er träumt davon, die Tiefen der Meere zu erobern.
1852 Kröhl gelingt mit der Kuppel des New Yorker Kristallpalastes der erste große Wurf. Das filigrane Dach der Ausstellungshalle stützen achtundvierzig rund gebogene Eisenträger. Die Kunst, das starre Metall in jede beliebige Form zu bringen, lässt sich der Tüftler sogar patentieren. Seine offizielle Anmeldung der Eisenbiegemaschine trägt das Aktenzeichen 12.133.

1854 Julius Kröhl nimmt die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Im selben Jahr heiratet er die strenge Katholikin Sophie Leubner in Washington. Der Erfinder meldet sein erstes Patent an - für eine Eisenverarbeitungsmaschine.

1855 Der Holländer Buren van Ryerson entwickelt eine Tauchglocke, in der zwei Männer bequem sitzen oder stehen können. Die einfache, aber effektive Ventil-Technik zum Abtauchen wird Kröhl auch bei der Explorer angewenden.
1856 konstruiert Kröhl einen eisernen Feuerbeobachtungsturm in Harlem.
1861 bis 1865 Amerikanischer Bürgerkrieg (Sezessionskrieg) zwischen den Nordstaaten und den Südstaaten

1861 Kröhl erhält von den Nordstaaten einen Spezialauftrag. Er soll als Agent an Bord der "U.S. Pinola" gehen und eine Blockade der Südstaatler im Mississippi sprengen. Doch der Kapitän der "U.S. Pinola", Henry Bell, misstraut dem Deutschen. Kröhls wagemutige Idee, das Dynamit nachts in kleinen Ruderbooten ins feindliche Gebiet zu schaffen, lehnt er kategorisch ab.

1863 stellt Julius Kröhl seine Idee der modernen Kriegführung den Verantwortlichen im New Yorker Hauptquartier vor. Doch ohne Erfolg. Die Admiralität lehnt ab, weil sie sich bereits für ein anderes U-Boot entschieden hat. Die "U.S. Alligator" wurde unter strengster Geheimhaltung entwickelt und getestet. Doch kurz vor seinem Einsatz ging das Gefährt in einem heftigen Sturm unter.
Juli 1863 Kröhl erkrankt an Malaria und kehrt nach New York zurück. Seine Erfahrungen im Militärdienst verarbeitet der geschickte Geschäftsmann mit der Umsetzung seines lang gehegten Traums. Er beginnt mit der Entwicklung eines U-Bootes. Er ist fest davon überzeugt, dass U-Boote im Seekrieg der Zukunft eine Schlüsselrolle übernehmen.

1864 Die Pacific Pearl Company wird gegründet. Einer der Gesellschafter, William Henry Tiffany, wird Kröhls Geld- und Auftraggeber.

17. Februar 1864 Die Südstaaten melden den Erfolg ihrer ersten U-Boot-Mission: Die "C.S.S. Hunley" versenkt ein Kriegsschiff der Nordstaaten vor der Küste von South Carolina. Doch die Hunley kann sich nicht schnell genug entfernen, sie wird bei der Explosion in Mitleidenschaft gezogen und sinkt. Das Wettrennen um den Ruhm als Erfinder des ersten funktionstüchtigen U-Boots scheint verloren. Dennoch lässt sich Kröhl nicht beirren. Unermüdlich arbeitet er an der Vollendung seines Lebenswerks.

1866 In einem Dock in Brooklyn setzt Kröhl seine "Explorer" zusammen und absolviert auf dem East River geheime Testfahrten - abseits der belebten Schiffsrouten und unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

30. Mai 1866 Das Schiff steht bereit für den offiziellen Tauchgang. Zwei Jahre Schwerstarbeit liegen hinter dem Konstrukteur. Nach neunzig Minuten taucht die "Explorer" wieder auf. Die "Explorer" ist das erste funktionstüchtige U-Boot der Menschheit. Julius Kröhl, wird über Nacht zum Superstar. Seiner Karriere bei der Pacific Pearl Company steht nichts mehr im Weg. Das Tauchschiff kann sofort in Dienst gestellt werden.
September 1866 Kröhl verschifft sein in Teile zerlegtes U-Boot von New York nach Aspinwall, einem Hafen in der Karibik. Von dort geht die Reise mit dem Zug weiter bis nach Panama City.

Dezember 1866 Kröhl nimmt die Kisten mit den Einzelteilen wieder in Empfang.

Mai bis September 1867 Mit der wieder zusammengebauten "Explorer" unternimmt Kröhl im Auftrag der Pacific Pearl Company mehrere erfolgreiche Tauchgänge. Jede Fahrt führt durch die gefährlichen Riffe entlang der Küste von San Telmo. Bis zu vier Stunden dauert der Einsatz unter Wasser. Jedes Mal riskiert die Crew Kopf und Kragen, um an die begehrten Muscheln zu gelangen.
Zum Verhängnis wird der "Explorer" der Fluch der Tiefe. Kröhls U-Boot kann über vierzig Meter sinken und hält Atemluft für viele Stunden vor. Ein Fortschritt, aber mit fatalen Folgen für die gesamte Besatzung, wenn das Auftauchen zu schnell erfolgt. Im schlimmsten Fall kommt es zu inneren Blutungen.

9. September 1867 stirbt Julius Kröhl vermutlich an der Taucherkrankheit. Sein Grab liegt auf dem Auswandererfriedhof in Panama City. Auf dem Totenschein steht: Malaria.
August 1869 Zwei Jahre nach Kröhls Tod veröffentlichen Zeitungen Berichte über die erfolgreiche, doch gefährliche Perlenfischerei mit der Explorer. Der Artikel berichtet, dass die Crew an elf aufeinanderfolgenden Tagen für jeweils vier Stunden bis zu einer maximalen Tiefe von 31 Meter getaucht sei. Zu einem zwölften Einsatz sei es nicht mehr gekommen, da die Crew mit hohem Fieber gekämpft habe. Daraufhin sei die Explorer in eine nahegelegene Bucht gebracht worden. Es wird über einen Einsatz der Explorer vor der mexikanischen Küste spekuliert.

1870 Erste systematische Untersuchungen zur Taucherkrankheit von Paul Bert.

Jules Verne veröffentlicht "20.000 Meilen unter dem Meer". Star des Science-Fiction-Romans ist das Unterseeboot "Nautilus", in dem Captain Nemo die Meereswelt erkundet. Der Bestseller löst eine Begeisterung für U-Boote und die Erforschung der Unterwasserwelt aus.

1902 veröffentlicht ein Wissenschaftsjournal den Bauplan der "Explorer". Doch mehr als ein paar technische Basisdaten über Maße und Form liefern Artikel und Skizze nicht. Trotzdem hilft dieser Artikel 102 Jahre später das Wrack zu identifizieren.

1908 John Scott Haldane beginnt mit wissenschaftlichen Experimenten zur Erforschung von Methoden zum Schutz der Taucher.

Mai 1995 Die im Februar 1864 versunkene "C.S.S. Hunley" wird vor der Küste Süd-Carolinas aufgespürt und fünf Jahre später geborgen.
Februar 2001 wird der Unterwasserarchäologe James P. Delgado zum ersten Mal auf das Wrack der Explorer aufmerksam gemacht. Zerfressen von Rost und Salzwasser, verrottet es seit vielen Jahrzehnten am einsamen Strand von San Telmo. Die Insel liegt knapp sechzig Seemeilen von Panama City entfernt, der pulsierenden Metropole am Pazifik.
Einheimische halten das Wrack für ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg. Doch für Delgado wird schnell ersichtlich, dass es eine frühere Konstruktion sein muss. Für eine genauere Bestandsaufnahme bleibt jedoch keine Zeit.

März 2002 Delgado besucht die Fundstelle erneut. Diesmal wird das Objekt bei Ebbe gefilmt und protokolliert.
2004 Der Archäologe Richard Wills identifiziert das Objekt anhand der Skizzen in einem Artikel eines Wissenschaftsjournals aus dem Jahre 1902 als Kröhls "Explorer".
2006 erforscht das Team um James P. Delgado das Wrack erneut. Das Ziel ist die Bergung der "Explorer".

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