Chronik der Ereignisse

Unerbittlicher Kampf zwischen Österreich-Ungarn und Italien

Von der Gründung der Doppelmonarchie bis zum Waffenstillstand mit den Alliierten und dem Austritt Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg

Soldaten auf der Szent Istvan
Soldaten auf der Szent Istvan Quelle: ZDF

1866 Die Stadt Pula (gehört heute zu Kroatien) wird zum mächtigsten Kriegshafen des Kaisertums Österreichs ausgebaut.

15. März 1867 Gründung der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie, auch die kaiserlich und königliche Monarchie (k.u.k.-Monarchie) genannt.

20. Mai 1882 Italien schließt sich dem Zweibund, bestehend aus dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn, an. Somit entsteht der Dreibund.

1907 Frankreich, Russland und das Vereinigte Königreich vereinigen sich zu dem Militärbündnis Triple Entente.

Oktober 1911 Österreich-Ungarn beginnt, seine Flotte stetig aufzurüsten, um die Verteidigung der Adriaküste sicher zu stellen.

Stapellauf der Istvan Quelle: ZDF

29. Januar 1912 Die Szent Istvan wird auf Kiel gelegt. Sie ist eines von vier Großkampfschiffen der k.u.k.-Kriegsmarine. 60 Millionen Kronen werden dafür bereitgestellt, die Werft der Firma Dambius in Fiume (dem heutigen Rijeka) wird vergrößert. 17. Januar 1914 Stapellauf der Szent Istvan. Der Name ist auf den mittelalterlichen Königs Stephan, den Nationalheiligen der Ungarn zurückzuführen. Er soll dem Schiff Glück bringen.

28. Juni 1914 Das Sarajevo-Attentat auf den Thronfolger Franz Ferdinand löst den Ersten Weltkrieg aus.

28. Juli 1914 Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg. Zeitgleich wird die Szent Istvan zur Fertigstellung nach Pula überführt. So ist sie in der Nähe des Geschehens stationiert und kann im Notfall schnell auslaufen.
1. August 1914 Deutschland stellt sich auf die Seite der k.u.k.-Monarchie und erklärt der Entente den Krieg.
26. April 1915 Italien wechselt die Seiten: Es tritt aus dem Dreibund aus und schließt sich stattdessen der gegnerischen Entente an, nachdem die k. und k.-Monarchie keine Gebiete an Italien abtreten wollte.

23. Mai 1915 Kaiser Franz Joseph I. veröffentlicht das Manifest "An meine Völker!", in dem er schreibt: "Der König von Italien hat mir den Krieg erklärt. Ein Treuebruch, dessengleichen die Geschichte nicht kennt, ist von dem Königreiche Italien an seinen beiden Verbündeten begangen worden". Österreich erklärt Italien zum Hauptfeind. Währenddessen baut Italien bei Otranto eine 80 Kilometer lange Blockade aus Minen und Stahlnetzen auf. Der Flotte von Österreich-Ungarn bleibt dadurch der Zugang zum Ionischen Meer verwehrt.

17. November 1915 Indienststellung der Szent Istvan. Die geplante Bauzeit wird dadurch um mehr als ein Jahr überschritten, da viele Arbeiter nicht die nötige Ausbildung haben. Doch die teure Kriegsflotte ist endlich einsatzbereit. Die Besatzung der Szent Istvan umfasst 1098 Mann.
1915-1917 Stellungskrieg am Isonzo-Fluss: Zwölf Schlachten zwischen Italien und Österreich-Ungarn fordern unzählige Tote auf beiden Seiten. Nachdem die Front der k.u.k.-Monarchie beinahe von den italienischen Truppen durchbrochen wird, gelingt es mit Hilfe deutscher Truppen, das italienische Heer in einem Sturmangriff zu besiegen. Fast 300.000 Italiener werden gefangen genommen, unzählige Soldaten dissertieren. Erst durch den Einsatz der britischen Truppen kann Italien eine neue Front aufbauen.

21. November 1916 Nach dem Tod von Franz Joseph I. unterliegt die kaiserlich-königliche Marine Karl I.

Bis 1917 Die Szent Istvan erhält noch keinen Einsatz, sondern führt ausschließlich Probefahrten und Schießübungen durch. Zu den Jahresenden kommen Kaiser Wilhelm II. und Kaiser Karl I. zu Besuch auf das Schiff. Die Matrosen werden ungeduldig. Sie möchten ihrem Vaterland ebenso wie die Kameraden auf dem Festland zum Sieg verhelfen.

Mai 1917 Der erste Versuch der österreichisch-ungarischen Marine, die Seesperre bei Otranto zu durchbrechen. Die Meeresenge wird stets von den italienischen Streitkräften überwacht. Es kommt zu einer zweitägigen Seeschlacht, die größte während des Ersten Weltkriegs auf der Adria. Die k.u.k.-Flotte kann den Alliierten zwar größere Schäden zufügen, die Sperre zu durchbrechen, gelingt ihr aber nicht.

Oktober 1917 Der k.u.k.-Armee gelingt in Oberitalien der Durchbruch zu Land. Ein Sieg mit schweren Verlusten. Kaiser Karl persönlich sondiert die Lage vor Ort. Er wittert Morgenluft, den Italienern endlich die entscheidende Niederlage beizubringen.

Luftaufklärung im 1. Weltkrieg
Luftaufklärung im 1 Weltkrieg Quelle: ZDF

22. Oktober 1917 Die italienischen Streitkräfte erobern den adriatischen Luftraum. In Pula gehen Bomben nieder. Die von Italien aufgestellte Torpedoeinheit auf der Adria wird auf 75 Boote aufgestockt. Die Boote können selbst große Schiffe angreifen. Im Gegenzug schickt Österreich-Ungarn Aufklärungsflieger nach Ancona. Sie sollen dort den Militärhafen filmen. Irgendwo in der Anlage ankern die MAS-Boote, das Objekt der Begierde.

10. Dezember 1917 Der italienische Kapitän Luigi Rizzo wagt sich mit einem von ihm mitentwickelten schnellen MAS-Torpedoboot in den habsburgisch-österreichischen Kriegshafen von Triest und versenkt das Panzerschiff "Wien"

2 7. Februar 1918 Der Ungar Miklós Horthy wird zum Flottenkommandant. Er will nun endlich die Otranto-Sperre durchbrechen.
5. April 1918 Marinemitglieder der k.u.k.-Monarchie spionieren das Hafengelände von Ancona aus, um eines der feindlichen Torpedoboote zu stehlen. Der Plan wird in letzter Minute von den Italienern vereitelt.
6. Juni 1918 Für die Besatzung der Szent Istvan gilt eine Urlaubssperre. Die Vorbereitungen für das Auslaufen des Schiffes laufen auf höchsten Touren.
8. Juni 1918 Die Viribus Unitis mit Flottenkommandant Nikolaus Horthy an Bord und die Prinz Eugen laufen aus.

9. Juni 1918 Die Szent Istvan und die Tegetthoff laufen aus. Auf der Tegetthoff befindet sich ein Kamerateam. Es soll den Durchbruch bei Otranto dokumentieren.
22.15 Uhr Die Szent Istvan kann den Hafen erst mit Verspätung verlassen, da die Minensperren nicht rechtzeitig geöffnet wurden. Die Kohle ist zu feucht. Die unerfahrene Mannschaft überhitzt die Kessel. Die Geschwindigkeit muss auf zwölf Knoten reduziert werden. Damit steht fest: Die Flotte kann die gefährliche Zone nicht mehr im Schutz der Dunkelheit passieren. Unerwünschter Nebeneffekt: dicke Rauchschwaden lassen das Schiff schon von weitem erkennen.

Infokarte
Karte Versenkung Szent István Quelle: ZDF

10. Juni 1918 Die Szent Istvan durchkreuzt die Adria auf dem Weg zur Meeresenge von Otranto. Zeitgleich beginnen die Torpedoboote MAS 15 und MAS 21 der italienischen Marine unter dem Kommando von Korvettenkapitän Luigi Rizzo mit ihrer Patrouillenfahrt auf der Adria.
3:15 Uhr Rizzo bemerkt in der Ferne Rauch. Sofort kommandiert er die beiden Boote in die Nähe der Szent Istvan. Beinah lautlos gleiten sie auf das Schiff zu, ohne bemerkt zu werden.
3:30 Uhr Die Torpedoboote haben sich der Szent Istvan bis auf 600 Meter Entfernung genähert.
3:45 Uhr Rizzo gibt das Kommando: "Abfeuern!". Die Istvan wird am Steuerbord auf Höhe des Maschinenraums getroffen. Rizzo und die beiden Boote entkommen. Tausende Liter Wasser schießen durch die Lecks im Maschinenraum ins Innere der Szent Istvan. Die Besatzung versucht, das hereinströmende Wasser mit Holzplanken und Tüchern aufzuhalten. Vergeblich. Panik ergreift die Crew. Wer es schafft, springt durch Luken ins offene Meer.

Wasser bricht in den Szent Istvan Mschinenraum ein
Wasser bricht in den Szent Istvan Mschinenraum ein Quelle: ZDF

4:00 Uhr Admiral Horthy wird vom Beschuss der Szent Istvan informiert.
4:03 Uhr Die Szent Istvan sendet einen Hilferuf an ihr Schwesterschiff und bittet um Inschleppnahme.
4:20 Uhr Die Besatzung der Tegetthoff glaubt, dass sie angegriffen wird und lässt Munition abschießen. Diese trifft auch eigene Kameraden der Szent Istvan, die schon zu großen Teilen im Meer treiben.
5:00 Uhr Der Kapitän der Szent Istvan gibt den offiziellen Befehl, das Schiff zu verlassen.
6:05 Uhr Die Szent Istvan kentert.6:10 Uhr Mit dem Bug voran verschwindet das Schiff in der Tiefe. Fast die ganze Besatzung kann gerettet werden. 89 Besatzungsmitglieder, überwiegend Heizer, sterben. 29 werden verletzt.

Die Szent Istvan liegt bis heute in 66 Meter Tiefe auf dem Meeresboden der Adria. Die Attacke im Morgengrauen bleibt nicht ohne Folgen. Das Ende des 152 Meter langen Riesen versetzt der k.u.k. Marine den Todesstoß. Die Flotte sollte nie wieder auslaufen. Mit dem gescheiterten Angriff auf die Sperre von Otranto wendet sich das Schicksal Österreich-Ungarns.

Luigi Rizzo bekommt in Ancona einen großen Empfang. Bis heute ist der 10. Juni in Italien der "Tag der Marine".
25. Oktober 1918 Flottenkommandant Admiral Horthy ehrt die Helden der Szent Istvan.
31. Oktober 1918 Ungarn tritt aus der Realunion aus, die k.u.k. Monarchie zerbricht. Die gesamte Flotte wird an die jugoslawische Marine übergeben.
1. November 1918 Die Viribus Unitis wird im Hafen von Pula versenkt. 400 Seeleute kommen dabei ums Leben.

3. November 1918 Waffenstillstand zwischen Österreich-Ungarn und den Alliierten.

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