Chronik der Ereignisse

Der Prinz, der Pilot und Antoine de Saint-Exupéry

Die Suche nach Frankreichs Nationalhelden und seinem unbekannten Gegner ist eine Geschichte voller merkwürdiger Funde und unfassbarer Zufälle. Von Anfang an kannten die Spekulationen über Saint-Exupérys Schicksal keine Grenzen. Der Prinz, der Pilot und der Schriftsteller - eine Chronologie.

Ile de Riou Quelle: Lino von Gartzen/Tangram

29. Juni 1900 Geburt von Antoine de Saint-Exupéry

1921-1923 Militärdienst bei der Luftwaffe in Straßburg als Mechaniker beim Bodenpersonal

1924 Erste Novelle in einer Zeitschrift ("L'aviateur")

1927 Direktor eines Flugplatzes im Süden Marokkos. Nach seiner Kindheit die zweite prägende Lebensphase.

1929 Erstes Buch "Südkurier" erscheint.

22. April 1931 Heirat mit der Malerin, Bildhauerin und Autorin Consuelo Suncin Sandoval

1934-1937 Angestellter bei der neu gegründeten Air France

1935 Rekordflug-Versuch für die Strecke Paris-Saigon endet mit Absturz an der Grenze zwischen Libyen und Ägypten.

1937 Notlandung in Wiesbaden. Dialog mit Hitler-Jugendlichen

3. März 1939 Drittes Buch "Terre des Hommes" (Wind, Sand und Sterne) erscheint in Frankreich.

1. September 1939 Beginn des Zweiten Weltkriegs durch Deutschlands Invasion in Polen

9. September 1939 Exupéry meldet sich für den Kriegseinsatz gegen Deutschland.

14. Juni 1940 Als die Deutschen Paris erreichen, flieht Saint-Exupéry wie der Großteil der französischen Luftwaffe nach Algier.

1940-1943 Über zweijähriges Exil in New York, in dem er seine beiden wichtigsten Werke "Flug nach Arras" (Pilote de guerre) und "Der kleine Prinz" schreibt. Das Werk erscheint im April 1943 in den USA und erst 1946 in Frankreich.

Mai 1943 Exupéry begibt sich nach Algerien um wieder als Aufklärungsflieger tätig zu werden.

2. Dezember 1943 Alexis Prinz zu Bentheim und Steinfurt, Pilot der Jagdgruppe Süd auf seinem ersten Feindflug, gilt als verschollen.

Mai 1944 Saint-Exupéry fliegt erste reguläre Einsätze über Frankreich, zunächst von Sardinien aus.

6. Juni 1944 D-Day: Landung der Alliierten in der Normandie

16. Juli 1944 Exupérys Einheit 2/33 wird nach Korsika versetzt.

31. Juli 1944 Letzter Aufklärungsflug von Saint-Exupéry mit einer P-38 Lightning. Start war um 8.45 Uhr. "Um 13.00 Uhr war er immer noch nicht zurück".

15. August 1944 Beginn der Invasion der Alliierten an der Mittelmeerküste unter dem Decknamen "Operation Dragoon". Beim Rückzug der Deutschen aus Südfrankreiche werden viele Unterlagen vernichtet.

1950 "Der kleine Prinz" erscheint in Deutschland.

Alexis Prinz zu Bentheim und Steinfurt wird offiziell für tot erklärt.

1964 Christian zu Bentheim nimmt die Suche nach seinem Bruder wieder auf.

Oktober 1964 Die Zeitung "Croix du Nord" veröffentlicht einen englischen Funkspruch mit stark französischem Akzent: die mutmaßlich letzten Worte von Antoine de Saint-Exupéry.

1965 Ein französischer Forscher entdeckt bei einer Ausgrabung auf der fast kahlen Insel Ile die Riou ein von kleinen Steinen bedecktes Skelett.

1972 In der Ausgabe 725 von "Der Landser" erscheint ein Bericht des deutschen Piloten Robert Heichle über den Abschuss einer P-38 am 31. Juli 1944. Basierend auf diesen Angaben wurde mit großem Aufwand nach den Überresten der Maschine Saint-Exupérys vergeblich gesucht.

1993 Im "Jägerblatt" veröffentlicht der Aufklärungsflieger Georg Pemler einen Artikel über den letzten Flug von Saint-Exupéry. Es gibt aber keine weiteren Hinweise auf den Verbleib des Schriftstellers.

7. September 1998 Der Marseiller Fischer Jean-Claude Bianco findet das Armband von Saint-Exupéry in einem Fangnetz. Erster konkreter Hinweis, wo das Flugzeug abgestürzt sein könnte.

Der deutsche Jagdflieger Horst Rippert schreibt seine Lebensmemoiren nieder - mit vielen Episoden aus der Zeit zwischen 1942 und 1944 in Südfrankreich.

2000 Nach mehreren Tauchgängen an der Ile de Riou ist sich Luc Vanrell sicher, Material gefunden zu haben, die zu einer Bestimmung der Wrackteile führen könnten.

25. Mai 2000 Der Fund wird den Behörden bekannt gegeben. Das Grab von Saint-Exupéry scheint gefunden.

2003 Die Bergung der Wrackteile wird durch das französische Kultusministerium genehmigt. Auf einem Metallteil findet sich die werksseitig eingeschlagene Nummer 2734, die eine zweifelsfreie Zuordnung der Maschine ermöglicht.

Luc Vanrell entdeckt im selben Trümmerfeld den Motor eines deutschen Flugzeugs.

April 2005 Der Unterwasserarchäologe Lino von Gartzen reist mit einer Geschichte im Gepäck nach Marseille:Eine mit der aktuellsten Version des Bordradars ausgestattete Junkers Ju 88 soll nach dem Zweiten Weltkrieg vor Marseille notgelandet sein, damit sie nicht in die Hände der Siegermächte fiele. Luc Vanrell hatte sich mit dieser Junkers Ju befasst. Durch ein Treffen kommt Vanrell auf die Geschichte des Wracks von Saint-Exupéry zu sprechen.

Juni 2005 Vanrell und von Gartzen unternehmen einen gemeinsamen Tauchgang zwecks Suche nach der Seriennummer des deutschen Flugzeugmotors - in 56 Meter Tiefe.

Herbst 2005 Um Hinweise auf den deutschen Motor zu finden recherchiert von Gartzen ein zweites Mal in den Archiven der DaimlerChryler AG.

März 2006 Antrag zur Erteilung einer Bergegenehmigung des Motors bei den französischen Behörden.

Bergung des Motors

Mai 2006 Von Gartzen telefoniert eine Liste von noch lebenden Piloten ab, die in den Jahren 1943 bis 1944 vor Marseille stationiert waren.

Beginn der Zerlegung des Motors im Werftverein Oberschleißheim. Erkenntnis, dass der Motor zu einer Messerschmitt Bf 109-F4 gehören muss und nichts mit dem Absturz der Lightning von Saint-Exupéry zu tun hat. Der Pilot Alexis Prinz zu Bentheim und Steinfurt muss die Maschine geflogen haben. Kontaktaufnahme mit dem Bruder des verstorbenen Alexis Prinz zu Bentheim und Steinfurt.

Suche nach überlebenden Piloten der Jagdgruppen Süd und 200. Mit dem Genealogen Klaus Fischer kann von Gartzen 38 Namen ermitteln.

20. Juli 2006 Erster Kontakt zu Horst Rippert: "Den Exupéry habe ich abgeschossen".

22. Dezember 2006 Schriftliches Bekenntnis von Horst Rippert, zu fraglichem Zeitpunkt eine Lightning abgeschossen zu haben.

5. Januar 2007 Christian Fürst zu Bentheim und Steinfurt reist nach Marseille. Am Fundort findet ein stilles Gedenken auf offener See statt.

2007 Richterliche Genehmigung über einen Gentest des Skeletts

April 2007 Das Filmteam interviewt Horst Rippert anlässlich der Dokumentation "Duell in den Wolken".

Anfang 2008 Verwertbare menschliche DNA-Spuren werden gefunden. Das Ergebnis: Der Tote von der Ile de Riou war ohne jeden Zweifel Prinz Alexis zu Bentheim und nicht Antoine de Saint-Exupéry.

15. März 2008 Erste Meldung durch die französische Presseagentur AFP, dass Horst Rippert der Schütze sein könnte.

März 2008 Informationen über ein bekanntes Problem der Lightning: Ausfall des Mutterkompasses. Dieser Defekt könnte auch Saint-Exupérys niedrige Flughöhe und die Pendelbewegungen erklären.

April 2008 Unterlagen des britischen Nachrichtendienstes über Einsätze deutscher Jagdflieger bestätigen, dass sich an diesem Tag in jener Gegend um jene Uhrzeit deutsche Jagdflieger in der Luft befunden haben.

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