Chronik der Ereignisse

Eine Flugroutenänderung mit Folgen

Am 18. November 1946 startete die die Dakota der Fluggesellschaft European Air Transport Service in Tulln bei Wien mit sieben Passagieren und vier Besatzungsmitgliedern. Die Maschine sollte mit Zwischenstopps in München und Marseille-Istres am 20. November in Pisa landen. Die ursprüngliche Flugroute via Strasbourg und Lyon führte an den Alpen vorbei. Doch die Crew änderte mehrmals den Kurs.

Geplante Flugroute der Dakota
Geplante Flugroute der Dakota Quelle: ZDF

Montag 18. November 1946

Start der Douglas DC-3 Dakota in Tulln bei Wien (Niederösterreich) mit sieben Passagieren und vier Besatzungsmitgliedern. Zwischenlandung in München.

Vorschau: Notlandung in den Alpen

Dienstag 19. November


13.05 Uhr Start der Maschine in München mit achtem Passagier. Der Flugkapitän weicht vom ursprünglichen Kurs ab und quert die Alpen. 14.25 Uhr Kollision und Bruchlandung auf dem Schweizer Gauligletscher 15.30 Uhr Die Dakota sendet "Mayday", der Pilot kann jedoch keine genauen Ortsangaben machen. Paris-Orly und Marseille-Istres hören den Notruf. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch US-Behörden setzen über den Alpen einen Pulk von Flugzeugen auf die Suche an.

Mittwoch 20. November


08.00 Uhr Funkkontakt mit Marseille-Istres, die Dakota meldet acht Verletzte. Istres sichert sofortige Hilfe per Luft und Land zu. 12.00 Uhr Erneuter Funkkontakt mit Istres. Ein Lancaster sei unterwegs zum Absturzort, doch dieser ist ungewiss. Auf dem Militärflugplatz Meiringen, der sich unweit der Absturzstelle befindet. werden die Dakota-Funksprüche ebenfalls registriert. Der Chef des Militärflugplatzes, Victor Hug, vermutet auf Grund der deutlichen Funksignale die Absturzstelle in der Nähe von Meiringen. Doch auf den Hinweis wird zunächst nicht eingegangen

18.00 Uhr Wiederholter Funkkontakt mit Istres

Donnerstag 21. November


14.00 Uhr Zwei Männer der Dakota-Crew gehen auf Erkundungstour, sie vermuten auf Grund von Lichtreflexen eine Siedlung in der Nähe. Sie kehren jedoch ohne neue Erkenntnisse zurück. 17.00 Uhr Die Dakota funkt: "Kein Flugzeug, keine Rettungsmannschaft, nichts." 18.00 Uhr erneuter Funkruf der Dakota. Die Peilungen ergeben einen neuen Standort im Dreieck Airolo-Sion-Jungfrau. 18.30 Uhr In Paris-Orly wird der letzte Funkspruch der Dakota aufgefangen: "Wir halten noch maximal 24 Stunden durch. Verletzte an Bord."

Freitag 22. November


Gegen 14.30 Uhr Eine B-29 überquert auf dem Rücklug von einer Suchaktion zufällig die Absturzstelle. Als die Insassen der Dakota das Flugzeug hören, schießen sie eine rote Signalrakete ab. Die B-29 antwortet mit einer grünen Rakete. Ein letzter kurzer Funkkontakt zwischen den Maschinen gelingt. Die B-29 kann die Absturzstelle durch erneute Peilung auf das Gebiet Interlaken-Raron-Gotthard-Meiringen eingrenzen. Gegen 16.30 Uhr Victor Hug, Chef des Militärflugplatzes in Meiringen startet mit einer C-35 und kann die Dakota auf dem Gauligletscher ausfindig machen. Gegen 17.00 Uhr das Eidgenössische Militärdepartement (EMD) leitet die Rettungsaktion ein. Kurz vor 17.30 Uhr Das EMD alarmiert den Rettungschef des Schweizer Alpenclubs (SAC) über den Absturz des Flugzeugs im Wetterkessel. 17.50 Uhr Alarmierung der Festungswachtkompanie 16 in Thun. Sie erhält den Auftrag in Rosenlaui eine Relaisstation für die Verbindung zum abgestürzten Flugzeug einzurichten. 19.30 Uhr Die 24-Mann starke DMP-Rettungskolonne (Direktion der Militärflugplätze) sammelt sich auf dem Militärflugplatz Meiringen-Unterbach.

23.30 Uhr Abfahrt mit zwei Lastwagen ins Rosenlaui.

Samstag 23. November


Nach Mitternacht Der vom EMD bestimmte Leiter befiehlt dem Kommandoposten der Festungswachtkompanie 16 in Thun eine Verstärkung von 30 Mann ins Rosenlaui zu schicken.

04.15 Uhr Eine 50 Mann starke Kolonne startet im Rosenlaui Gegen 05.30 Uhr Die Skipatrouille der beiden DMP-Leute, Ernst Reiss und Wilhelm Jost, machen sich auf den Weg. Gegen 06.30 Uhr Die nachgeforderten 30 Festungswächter treffen im Zeughaus Meiringen, im Rosenlaui ein. Sie sind alles andere als hochgebirgstüchtig.

07.00 Uhr Die Festungswächter, verstärkt durch drei einheimische SAC-Alpinisten, machen sich als Nachhut auf den Weg

07.50 Uhr Erste Funkverbindung mit der Spitze der Rettungskolonne 08.10 Uhr Eine "Fieseler Storch", ein leichtes und wendiges Mehrzweckflugzeug, wirft einen Lebensmittelcontainer über der Absturzstelle ab. Pilotiert wird sie von Major Pista Hitz.

08.20 Uhr Eine zweite Fieseler Storch, pilotiert von Victor Hug, wirft eine Funkstation und eine Nachricht ab, dass gegen 14.00 Uhr mit der Ankunft der Rettungstrupps zu rechnen sei 08.25 Uhr Victor Hug bemerkt eine Abweichung der Koordinaten der Absturzstelle und funkt die neuen und richtigen Daten (nicht im Wetterkessel, sondern auf dem oberen Teil des Gauligletschers) 08.38 Uhr Die Richtigstellung der Koordinaten wird der Rettungskolonne übermittelt, die Funkeinheit befindet sich jedoch hinter der Rettungsspitze. 09.00 Uhr Eine Luftinvasion durch amerikanische, englische und französische Flugzeuge beginnt. Sie werfen aus Höhen bis 4500 Metern wahllos Material mit und ohne Fallschirm ab. Als ein Kohlensack auf dem Flügel der Dakota einschlägt, stampft ein Dakota-Passagier "FINI" in den Schnee. 10.35 Uhr Fieseler Storch-Pilot Hug beschwert sich ebenfalls über die gefährlichen und uneffektiven Abwürfe. Die notwendige Funkmeldung geht gegen Mittag an die Flugzeuge der Allierten als Flugverbot raus. 10.11 Uhr Die neuen Daten erreichen die Rettungsspitze. Sie steht schon auf dem Plateau des Rosenlauigletschers. Die neue Route bedeutet einen Aufstieg von weiteren sieben Stunden. Insgesamt sind anstelle der budgetierten neun nun dreizehn stunden Aufstieg von Nöten. Vorgesehen war die Rückkehr noch am selben Tag. Nun ist ein (Not-)Biwak auf dem Gletscher unausweichlich. 13.30 Uhr Die um 7.00 Uhr gestartete zweite Rettungskolonne befindet sich im Wetterkessel. 14.21 Uhr Die erste Rettungstruppe mit Reiss und Jost erreicht die Dakota Gegen 15.21 Uhr Die Spurpatrouille mit den drei Ärzten trifft ein 16.00 Uhr Die zweite völlig erschöpfte Nachhut ist in Sichtweite der Wetterlimmi. Zunächst wird eine Übernachtung im Notbiwak erwogen, doch dann entdeckt der Leiter des Detachements beim Aufstieg zur Wetterlimmi die Dakota, die Kolonne setzt sich wieder in Marsch. Zwischen 16.50 Uhr und 17.10 Uhr Die beiden Fieseler Störche überfliegen die Abstzurstelle und werfen je 60 Wolldecken ab Nach 18.00 Uhr Die letzten Seilschaften treffen bei der Dakota ein. Die versammelten Personen, beschließen eine weitere Nacht zu bleiben und am Sonntag mit der Rettung fortzufahren.

Sonntag, 24. November


06.45 Uhr Victor Hug startet auf dem Flugplatz Meiringen zu einem Erkundungsflug zur Unglücksstelle. 06.50 Uhr Die Skipatrouille Reiss-Jost macht sich Richtung Gaulihütte-Urbachtal auf den Weg 07.10 Uhr Hug wirft eine Depesche ab. Dort erfahren die am Wrack wartenden die Bergungsstelle: Landung auf dem oberen Gletscherplateau 08.00 Uhr Die beiden Fieseler Storch-Piloten Hitz und Hug treffen sich zur Besprechung zum Ablauf der Rettungsflüge 08.20 Uhr Die letzte Patrouille verlässt das Wrack Gegen 10.20 Uhr Nach zwei Stunden Marsch Richtung Gaulihütte befindet sich die Kolonne auf dem flachen Gletscherplateau 10.25 Uhr Die erste Fieseler Storch mit Hug landet 30 Meter neben der Rettungskolonne (500 Meter unterhalb der Dakota-Unfallstelle)

11.25 Uhr Die Fieseler Storch startet mit den ersten beiden Passagieren, zwölf Minuten später landen sie auf dem Militärflugplatz Meiringen-Unterbach 17.05 Uhr Neunter und letzter Flug birgt das persönliche Gepäck der Dakota-Crew Der amerikanische Sanitätszug verlässt am Abend mit den Geretteten die Schweiz mit Ziel Wien.

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