Chronik der Ereignisse

Vom Stapellauf bis zum Bergungsversuch

Eines der Vorzeigeschiffe der deutschen Marine war die Admiral Graf Spee. 1934 vom Stapel gelassen, endet die Mission des hochgerüsteten Panzerkreuzer auf dem Meeresgrund vor dem Hafen von Montevideo. Das bislang noch nicht geborgene Wrack sorgt auch heute noch für Diskussionen.

Die Spee mit Aufklärungsflugzeug an Deck im Sonnenuntergang
Die Spee mit Aufklärungsflugzeug an Deck im Sonnenuntergang Quelle: ZDF

1918 Seit Ende des Ersten Weltkrieges darf Deutschland kein Schiff mehr auf Kiel legen, das die Marge von 10.000 Bruttoregistertonnen übersteigt. Die Knebelbedingungen des Versailler Vertrages fordern von den Erbauern Erfindungsgeist. Das Ergebnis der Anstrengungen ist eine neue Schiffsgattung - der so genannte Taschenpanzerkreuzer.
1932 Deutschland braucht hochgerüstete Kriegsschiffe. In der Reichsmarinewerft in Wilhelmshaven tüfteln Experten an der Herstellung einer neuen Wunderwaffe: die Geburtsstunde der Admiral Graf Spee. Die Konstruktionspläne für die schwimmende Festung sind ein Meisterwerk deutscher Ingenieurskunst.

30. Juni 1934 Stapellauf: Gräfin Huberta tauft das Schiff auf den Namen ihres gefallenen Vaters: Admiral Graf Spee.

Januar 1936 Die Graf Spee wird in Dienst gestellt. Zunächst schicken die Nationalsozialisten den Waffen starrenden Giganten auf eine Mission nach Spanien. Doch Berühmtheit erlangt die Spee erst unter Kapitän Hans Langsdorff.

Oktober 1938 Hans Langsdorff übernimmt das Kommando. Er führt das modernste Schiff seiner Zeit auf die Meere der Welt.

August 1939 Das Logbuch der Graf Spee deckt auf, dass die Deutschen bereits im August die "getarnte Mobilmachung" befehlen. Ziel sind die britischen Handelsrouten im Südatlantik, Englands größte Schwachstelle im Kriegsfall. Die Graf Spee bildet die Speerspitze der Angriffswelle auf den britischen Handelsverkehr.

21. August 1939 Zehn Tage vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ist der Panzerkreuzer unterwegs in geheimer Mission. Die Graf Spee sticht von Wilhelmshaven aus in See. Niemand von der Besatzung weiß, wohin die Reise führt. Eine Vorsichtsmaßnahme der Spionageabwehr. Das Ziel kennt allein Kapitän Langsdorff, der seinen Auftrag mit einem Täuschungsmanöver beginnt. Zunächst lässt der Kommandant einen Nordkurs anlegen. Erst nach drei Tagen auf See enthüllt er die wahre Route.

Originalfoto der Spee
Originalfoto der Spee Quelle: ZDF

1. September 1939 Mit dem Überfall auf Polen beginnt der Zweite Weltkrieg. Langsdorff soll vor der afrikanischen Küste weiterhin in Deckung bleiben. Hitler rechnet fest damit, dass England im Konflikt um Polen keine Stellung bezieht. Doch nur zwei Tage später erklärt England erklärt Deutschland den Krieg.

26. September 1939 Das deutsche Oberkommando erteilt den Befehl zum Handelskrieg. Die Spee erhält Order, die Lebensadern des Britischen Empire zu kappen. Die Jagd ist eröffnet. Der Panzerkreuzer nimmt Kurs auf Südamerika. Damit trickst er die englische Flotte aus, die ihn im Indischen Ozean sucht. Die Strecke zwischen dem Vereinigten Königreich und Argentinien verspricht fette Beute. Dort legt sich Langsdorff auf die Lauer.

30. September 1939 Als erster britischer Frachter gerät die Clement in die Fänge des deutschen Freibeuters. Kaptiän Langsdorff nimmt die Mannschaft an Bord. Knapp 14.000 Bruttoregistertonnen versenkt die Spee allein in der ersten Woche.

Bis Ende Oktober 1939 Die Spee verdoppelt mit knapp 28.000 Bruttoregistertonnen ihre Bilanz. Die Admiralität in London wird angesichts der hohen Verluste zunehmend nervös.

Anfang Dezember 1939 Nachdem fast 50.000 Bruttoregistertonnen vernichtet sind, gerät die englische Flottenleitung unter Zugzwang. Dem deutschen Handelsstörer gelingt es immer wieder zu entkommen. In den Weiten des Ozeans bleibt er unentdeckt. Die Gegner können nicht einmal ausmachen, ob ein oder zwei Panzerschiffe den Nachschub bedrohen. Der britische Nachrichtendienst ist der Admiral Graf Spee verzweifelt auf den Fersen. Ohne Erfolg. In der Zwischenzeit verstärkt die Admiralität ihren Flottenverband im Südatlantik, um ihre Frachter bestmöglich zu schützen. Die "Spee-Strategie" geht auf. Großbritannien muss seine Kriegsschiffe von den Kampfschauplätzen im Nordatlantik abziehen.

6. Dezember 1939 Weil die Crew den letzten Nachtangriff verpfuschte, setzt Kapitän Langsdorff eine Scheinwerferübung an - ein gefährliches Manöver für ein Kriegsschiff, das eigentlich niemand sehen darf. Langsdorff entdeckt einen unbeleuchteten Frachter und gibt Alarm. Doch er lässt das Handelsschiff ungeschoren, weil er nicht erkennen kann, ob Freund oder Feind. Eine Fehlentscheidung. Der ungebetene Zuschauer, ein Norweger, funkt seine Beobachtung über Kurzwelle nach London. Die Engländer schicken umgehend einen schweren und zwei leichte Kreuzer auf die Fährte Langsdorffs - die Exeter, die Ajax und die Achilles.

Als ihm der deutsche Nachrichtendienst britische Schiffskonvois vor Südamerika meldet, bietet sich dem Kommandanten die lang ersehnte Chance - die Krönung seines Auftrags. Über hundert Eiserne Kreuze hat die Mannschaft der Graf Spee schon eingeheimst.

13. Dezember 1939 Kurz vor sechs Uhr nimmt die Spee Kurs auf den britischen Geleitzug - in der Überzeugung, leichte Beute zu machen. Doch die vermeintlichen Frachter entpuppen sich als hochgerüstete Kriegsschiffe. Über eine Stunde tobt auf dem Südatlantik ein erbittertes Gefecht. Der deutsche Panzerkreuzer wird von beiden Seiten beschossen. An Bord gibt es Tote und Verwundete. Doch auch die Exeter ist angeschlagen und dreht kampfunfähig ab. Die beiden Kreuzer Ajax und Achilles geben Feuerschutz. Der entscheidende Schlag gegen die Exeter gelingt der Spee um 6 Uhr 38. Ihre schwere Artillerie zerstört einen Geschützturm und setzt das Zwischendeck in Brand. Langsdorff verzichtet aber darauf, den Kreuzer zu versenken. Er will zuerst die Ajax und die Achilles aufs Korn nehmen. Doch dann wird die Spee selbst schwer getroffen.

Um kurz vor 8 Uhr ist die Schlacht vorbei. Mit langsamer Kraft voraus steuert die Spee den Hafen an. Die Ajax und Achilles folgen im Abstand von etwa 16 Seemeilen. Bei seiner Ankunft ist das Schiff alles andere als seetüchtig. Es braucht Wochen, bis zumindest die notwendigsten Reparaturen abgeschlossen sind. Zeit, die nicht zur Verfügung steht. Denn die von Deutschland geforderte 30 Tage-Liege-Frist wird abgelehnt, das Ultimatum soll bereits am 17. Dezember ablaufen.

Treffer auf der Spee
Treffer auf der Spee Quelle: ZDF

15. Dezember 1939 Auf dem Friedhof von Montevideo findet die Beerdigung der 36 deutschen Soldaten statt. Zur Trauerfeier erscheinen nahezu geschlossen alle ehemaligen britischen Gefangenen.

17. Dezember 1939 Die Admiral Spee verlässt um 18.15 Uhr Montevideo. Schaulustige und Reporter aus ganz Amerika stürmen den Hafen. Sie wollen Augenzeugen sein, wenn die Engländer das Kaperschiff ins Kreuzfeuer nehmen. Doch Kapitän Langsdorff täuscht seine Gegner. Längst hat er Vorkehrungen getroffen, um Schiff und Crew nicht sehenden Auges in die Katastrophe zu manövrieren. Ein Sprengkommando verteilt auf der Graf Spee Zeittzünder in den Munitionskammern. Nur 40 Mann sind eingeweiht.

Um 19.52 Uhr detonieren auf der Spee mehrere Sprengsätze. Drei Tage wütet ein verheerendes Feuer. Dann versinkt der Stolz der deutschen Kriegsmarine kampflos auf den Meeresgrund. Langsdorffs Masterplan ist geglückt, die Besatzung längst auf dem Weg in Richtung Buenos Aires. Der Kapitän hatte einen Großteil der Männer vor dem Auslaufen auf das deutsche Handelsschiff Tacoma geschmuggelt.

19. Dezember 1939 Die Schuld am Verlust der Graf Spee übernimmt der Kommandant selbst. Die Verschonung der britischen Flotille und den Stopp in Montevideo hält er für schwerwiegende Fehler. In seiner Unterkunft im Hotel begeht der Kommandant Selbstmord.

Ende 1939 Direkt nach der Sprengung tauchen britische Froschmänner zum Schiff. Der Nachrichtendienst hofft, geheime Militärtechnologie zu bergen. Langsdorffs Sprengtrupp aber hatte saubere Arbeit geleistet. Sämtliches Gerät wurde vorab von Hand zerstört. Die Explosion in den Munitionskammern besorgte den Rest.

1940 Laut einem Schriftstück erwirbt Julio Vage, ein uruguayischer Geschäftsmann, auf Geheiß der britischen Regierung im Frühjahr die Bergungsrechte an dem Wrack.

1960 Der Bug des Wracks wird von einem Öltanker gerammt.

2004 Ein privates Konsortium um den Uruguayer Unternehmer Alfredo Etchegaray versucht die Graf Spee zu bergen. Das deutsche Schiff soll neben dem Tango zur zweiten touristischen Attraktion des kleinen südamerikanischen Landes werden. Zunächst werden eine Kanone und ein Entfernungsmesser geborgen.

2006 Anfang Februar hebt das Konsortium unter internationaler Aufmerksamkeit einen 400 Kilogramm schweren Bronzeadler mit Hakenkreuz. Die Regierung von Uruguay erklärt das Areal zum Sperrgebiet. Die Militärpräsenz soll verhindern, dass Fundstücke in die Hände von Neonazis geraten. Die von Etchegaray geplante Auktion zum Verkauf des Adlers wird nicht durchgeführt, angeblich hatte ein Franzose drei Millionen Dollar geboten.

2009 Nachdem bei einem Hebungsversuch der tonnenschweren Artelleriegeschütze der Bergungskran versagt, gelten die Bemühungen der Schatztaucher den Wappen der Familie Spee. Doch die uruguayische Regierung erlässt per Dekret einen Stopp für alle Expeditionen zu versunkenen Schiffen, die im Hoheitsgebiet von Uruguay liegen.

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