Chronik Eduard Seler

Stationen für die Forschung altamerikanischer Kulturen

Um das alte Reich in Mittelamerika existieren Mitte des 19. Jahrhunderts fast nur Mythen und Legenden. Seine wissenschaftliche Erforschung steckt noch in den Kinderschuhen. Doch Eduard Seler gelingt zur Jahrhundertwende der entscheidende Durchbruch. Nach ausgedehnten Forschungen gelingt es ihm, den Inhalt der wichtigsten mexikanischen Bilderhandschriften zu erklären.

Originalfoto von Eduard Seler
Originalfoto von Eduard Seler Quelle: ZDF

1215 Der Überlieferung nach kommen die Azteken aus dem Norden in das Hochtal von Mexiko. Die Priester erblicken einen Adler. Für sie das göttliche Zeichen, an dieser Stelle ihre Hauptstadt zu gründen: sie nennen sie Tenochtitlan, was soviel bedeutet wie "am Ort des Feigen-Kaktus"

März 1519 Knapp 30 Jahre nach Christoph Columbus erreicht der spanische Eroberer Hernan Cortes das mexikanische Festland. Was folgt, ist eine Welle der Zerstörung. Viele Einwohner werden ermordet, ihre Tempel mit Kirchen überbaut, Schriften verbrannt, die Überlebenden missioniert. Von nun an wird die Geschichte der Azteken aus der Sicht der Sieger überliefert. Die Stimme der Indios hat sich nur in ihren Kodizes erhalten.

Aztekenpyramide (Originalfoto von Cäcilie Seler)
Aztekenpyramide (Originalfoto von Cäcilie Seler)

1540 Der Missionar Bernadino de Sahagun erstellt eine Chronik des Unterganges der Azteken. Der Spanier ist der Letzte, der nach der Eroberung durch Cortez die wenigen noch lebenden Azteken zu Wort kommen lässt.

5. Dezember 1849 Geburt von Eduard Seler in Crossen an der Oder als Sohn des Lehrers und Organisten Gottlieb Robert und Pauline Seler.

1855 Geburt von Cäcilie Sachs
1863 bis 1869 Stipendiat am Joachimstalschen Gymnasium in Berlin
1869 bis 1870 Mathematische und naturwissenschaftliche Studien an der Universität Breslau
1871 bis 1873 Studium der Botanik und Geologie in Berlin. In dieser Zeit fängt Seler an, sich als Autodidakt Wissen über die noch wenig erforschten altamerikanischen Kulturen anzueignen. Seit 1873 Hauslehrertätigkeit um sich die Mittel zum weiteren Studium anzueignen.

1875 Seler besteht die Oberlehrerprüfung.

1876 bis 1879 Lehrer am Realgymnasium in Berlin

Eine schwere Magenerkrankung zwingt ihn zunächst, seine Lehrerlaufbahn aufzugeben. Zur Genesung zieht er sich nach Crossen und Triest zurück. Der behandelnde Arzt ist der Vater seiner zukünftigen Frau, Cäcilie Sachs.
1882 Das zur Wiederaufnahme des Schuldienstes notwendige Gesundheitszeugnis wird ihm verwehrt, Seler wird Privatgelehrter.
Bis 1884 Deutsche Bearbeitung zweier Werke über europäische und amerikanische Vorgeschichte. Das Buch erscheint unter dem Titel: "Die ersten Menschen und die prähistorischen Zeiten mit besonderer Berücksichtigung der Urbewohner Amerikas." Die Beschäftigung mit amerikanischen Sprachen und Völkern wird zum Wendepunkt seines Lebens.

Herbst 1884 Eduard Seler vermählt sich mit Caecilie Sachs - es ist eine Liebesheirat. Und für den bescheiden lebenden Eduard der soziale Aufstieg. Selers Schwiegervater ermöglicht dem Paar ein finanziell sorgenfreies Leben. Seler wird wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Museum für Völkerkunde Berlin.

August 1887 Dissertation an der philosophischen Fakultät der Universität Leipzig, "Das Konjugationssystem der Mayasprachen", als erste Frucht seiner amerikanischen Sprachforschungen.

Erste große Reise 1887 bis 1888

Selers erste Expedition (Spielszene)

13. November 1887 Eduard und Caecilie Seler erreichen ihr Ziel: Mexico-City, das alte Tenochtitlan. 1887 leben hier mehr als 300.000 Menschen. Antonio Penafiel, Pionier der Aztekenforschung, ist Selers große Hoffnung. Mit seiner Hilfe will er das Geheimnis des Azteken-Codes knacken. Nach acht Monaten kehren sie nach Berlin zurück.

1888 In Berlin präsentiert Eduard Seler seine Forschungsergebnisse. Auf dem Amerikanisten-Kongress verfolgen Experten aus der ganzen Welt fasziniert seinen Bericht über die Entschlüsselung der Kodizes. Aus dem einfachen Privatgelehrten ist eine gefeierte Koryphäe geworden.

April 1892 bis 1900 Direktorialassistent am Museum für Völkerkunde Berlin

Juni 1894 Habilitation an der philosophischen Fakultät der Universität Berlin mit einer Arbeit über "Die mexikanischen Bilderhandschriften Alexander von Humboldts in der Königlichen Bibliothek zu Berlin". Die Abhandlung erscheint als selbständiges Werk.
1894 Privatdozent Berliner Universität
1895 bis 1897 Zweite Mexiko-Reise

1899 Extraordinarius an der Berliner Universität

November 1899 Ernennung zum Professor an der Berliner Universität für amerikanische Sprach-, Volks-, und Altertumskunde.

1902 Dritte Mexiko-Reise

Frühjahr 1903 Erste Reise auf die Halbinsel Yucatan

1903 Abteilungsdirigent am Museum für Völkerkunde Berlin

1904 Abteilungsdirektor am Museum für Völkerkunde Berlin

1904 und 1905 neue Reisen nach Mexiko im Rahmen der Weltausstellung in St. Luis

1906 und 1907 Amerika-Reisen im Rahmen von Geologen- und Amerikanistenkongressen

1910 Die letzte große Reise des Ehepaares Selers führt von Südamerika nach Yucatan. Eine ganz besondere Ehrung: In Mexiko-Stadt wird er zum Direktor der dortigen Archäologischen Schule ernannt.
An der Berliner Universität begründet Seler das Studienfach Mexikanistik.
23. November 1922 Eduard Seler stirbt in seinem Haus in Berlin. Er wird 73 Jahre alt.

Nach Eduard Selers Tod hält seine Frau Cäcilie sein Lebenswerk in Ehren. Unermüdlich publiziert sie aus dem Nachlass und schreibt eigene Abhandlungen - auch über das Leben der Frau im Reich der Azteken. In Deutschland ist sie eine gern gesehene und kenntnisreiche Rednerin. Sie verwaltet das Erbe ihres Mannes und bringt Mexiko und die Azteken den Deutschen nahe. Cäcilie Seler überlebt ihren Mann um 12 Jahre. Sie stirbt am 4. Januar 1935, kurz vor ihrem 80sten Geburtstag.

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