Chronik Karl May

Aus dem sächsischen Ernstthal in die weite Welt

Karl May als Old Shatterhand
Karl May als Old Shatterhand

1842 Geburt am 25. Februar im sächsischen Ernstthal. Karl Friedrich May ist das fünfte von 14 Kindern in der Familie eines Heimwebers. Er sei blind geboren und wie durch ein Wunder geheilt worden, schreibt May in seinen Memoiren. Vermutlich führt eine durch Vitamin-A-Mangel bedingte Nachtblindheit bis zu seinem fünften Lebensjahr zeitweise zu einer funktionellen Blindheit.

1856 Nach der Rektoratsschule besucht May ein Lehrerseminar in Waldenburg.

1859 May wird wegen Entwendung von sechs Kerzen vom Seminar ausgeschlossen. Auf dem Gnadenweg wird ihm ein Weiterstudium am Lehrerseminar Plauen ermöglicht.

1861 Wegen angeblichen Diebstahls einer Taschenuhr muss er eine sechswöchige Haftstrafe in Chemnitz antreten. Seine Laufbahn als Lehrer endet bereits nach wenigen Wochen, denn als Vorbestrafter wird er aus der Liste der Lehramtskandidaten gestrichen.

Karl May im Gefängnis (Spielszene)
Karl May im Gefängnis (Spielszene)

1862/63 In seinem Heimatort Ernstthal gibt er Privatunterricht und schreibt Erzählungen. Doch seinen Lebensunterhalt kann er damit nicht sichern. Wegen Diebstahls, Betrugs und Hochstapelei wird er steckbrieflich gesucht. Unter anderem erschleicht sich May unter falschem Namen einen Pelzmantel und versetzt diesen im Leihhaus.

1865 May wird zu vier Jahren Arbeitshaus verurteilt, von denen er dreieinhalb Jahre im Zuchthaus Zwickau verbüßt. Wegen guter Führung wird er Verwalter der Anstaltsbibliothek. Dort liest er sehr viele Bücher, vornehmlich Reiseliteratur.

1869 Nach seiner Freilassung nimmt May jedoch die Betrügereien und Diebstähle wieder auf. Meist steht die Beute in keinem Verhältnis zum Aufwand. Nach einer ersten Festnahme im Juli 1869 kann er zunächst flüchten.

1870 Nach seiner erneuten Festnahme verbüßt May eine vierjährige Haftstrafe im Zuchthaus Waldheim.

1874 Geläutert kehrt er zu seinen Eltern nach Ernstthal zurück und beginnt beginnt im Alter von 32 Jahren sein Künstlerleben. In der Zeit zwischen seinen beiden großen Haftstrafen hatte May bereits Kontakt zu einem Dresdner Verleger, der ihn nun als Redakteur in seinem Verlag beschäftigt. Damit ist sein Lebensunterhalt erstmals gesichert. Er betreut verschiedene Unterhaltungsblätter und verfasst oder bearbeitet zahlreiche Beiträge. Im November wird zum ersten Mal seine Erzählung "Die Rose von Ernstthal" veröffentlicht.

1876 May kündigt seine Stellung. Man versuchte, ihn durch Heirat mit der Schwägerin des Verlegers Heinrich Gotthold Münchmeyer dauerhaft an die Firma zu binden. Zudem besitzt der Verlag keinen guten Ruf.

1878 Nach einer weiteren Anstellung als Redakteur beim Dresdner Verlag von Bruno Radelli wird May freier Schriftsteller und zieht mit seiner Freundin Emma Pollmer nach Dresden. Allerdings sind die Einkünfte durch seine Veröffentlichungen noch unregelmäßig. May verschuldet sich.

1879 Wegen Amtsanmaßung wird May in Stollberg zu drei Wochen Arrest verurteilt: Er wollte die Todesumstände des trunksüchtigen Onkels seiner Verlobten, Emma Pollmer, untersuchen und gab sich als Amtsperson aus.

1880 May beginnt mit dem sechsteiligen Orientzyklus, an dem er mit Unterbrechungen bis 1888 arbeitet. Parallel schreibt er auch für andere Zeitschriften, verwendet Pseudonyme und andere Titel, um seine Texte mehrfach honorieren zu lassen. Im selben Jahr heiratet er seine Verlobte Emma Pollmer.

1882 Erneute Zusammenarbeit mit seinem ehemaligen Arbeitgeber aus Dresden. May beginnt die Arbeit am ersten der fünf großen Kolportageromane für den Verleger Münchmeyer. Der Vertrag wird zu seinem späteren Nachteil nur mündlich geschlossen.

1888 Umzug nach Kötzschenbroda

1891 Umzug nach Oberlößnitz in die Villa Agnes. Der Wendepunkt auf dem Weg zum Superstar: Der Jungverleger Friedrich Ernst Fehsenfeld bietet May an, seine Erzählungen in Buchform herauszubringen.

1892 Der berühmte Orientzyklus (Band 1-6) erscheint im Verlag Friedrich Ernst Fehsenfeld. Den Durchbruch erreicht er mit dem Roman "Durch die Wüste". Darin erzählt er als Kara Ben Nemsi, "Sohn der Deutschen", wie er sich nennt, von Abenteuern im Orient, die er in seiner Traumwelt erlebt hat.

1893 Die Winnetou-Trilogie erscheint.

1895 May zieht die Villa Shatterhand in Alt-Radebeul, die heute das Karl-May-Museum beherbergt.

1897 Karl May ist auf dem Höhepunkt seines Ruhms. Wo immer er logiert, jubeln ihm die Fans zu. In München gibt es vor dem Hotel einen Menschenauflauf, der erst mit Hilfe der Feuerwehr auseinandergetrieben werden kann.

Karl May im Orient
Karl May im Orient (Pyramide)

1899 Karl May begibt sich erstmalig an die Schauplätze seiner Romane. Im ersten Teil seiner Orientreise ist er fast ein dreiviertel Jahr nur in Begleitung seines Dieners unterwegs. Währenddessen beginnen heftige Angriffe in der heimischen Presse. Sie bezichtigt May unter anderem der Hochstapelei.

1900 Mit seiner Frau Emma und dem befreundeten Ehepaar Plöhn setzt May die Orientreise zu viert fort. Während der fast achtzehnmonatigen Reise führt er ein Reisetagebuch. Zweimal erleidet er auf Grund einer Identitätskrise einen Nervenzusammenbruch.

1902 In Chicago wird May der Ehrendoktor-Titel für sein Werk "Im Reiche des Silbernen Löwen" verliehen. Der Karl-May-Biograf Christian Heermann vermutet, dass May selbst oder Klara Plöhn diese Verleihung organisierte, um den bis dahin geführten Doktortitel nachträglich auf eine rechtliche Grundlage zu stellen.

1903 May lässt sich von seiner Ehefrau Emma scheiden und heiratet im selben Jahr Klara Plöhm, die Frau seines mittlerweile verstorbenen Freundes.

Zeitungsartikel Rudolf Lebius
Zeitungsartikel Rudolf Lebius

1904 Der Journalist Rudolf Lebius lockt May mit dem Versprechen, ihn noch einmal ganz groß raus zu bringen. Er bittet May um ein Interview - und um Geld. May traut dem dubiosen Besucher nicht und lehnt energisch ab. Der Journalist will ihn mit den dunklen Seiten seiner Vergangenheit erpressen. Lebius antwortet mit einer vernichtenden Pressekampagne. "Karl May - Verderber der deutschen Jugend", heißt das Pamphlet, mit der er die Kriminalgeschichte des Schriftstellers ans Licht zerrt. Lebius enthüllt, dass May seinen Doktortitel erfunden hat. Er ergänzt seine Straftaten um abstruse Erfindungen: May habe als Kopf einer Räuberbande im sächsischen Erzgebirge schwere Verbrechen verübt.

Karl May nach seiner Rede in Wien
Karl May nach seiner Rede in Wien

1908 Sechswöchige Amerikareise mit Ehefrau Klara. Die Reise dient ihm als Inspiration für sein viertes Winnetou-Buch.

1910 Der journalistische Feldzug gipfelt in einem verhängnisvollen Urteil: May darf straflos als "geborener Verbrecher" bezeichnet werden. Mehr als 200 Prozesse hat seit Beginn der Kampagne geführt - und dabei die Kraft aufgebracht, neue Romane zu schreiben. Sein letztes Werk (Winnetou IV) erscheint.

1912 Am 22. März hält May in Wien vor 3.000 Menschen eine leidenschaftliche Rede für den Frieden. Am 30. März 1912 stirbt er 70-jährig in Radebeul.

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