Chronik Urmeter

Auf der Suche nach dem Einheitsmaß

Vom Meridianquadrant der Erde zur Lichtgeschwindigkeit. Nicht die Länge des Meters, sondern die Definitonsgrundlage hat sich mit neuen Messmethoden verändert. Was die beiden französischen Astronomen in den Wirren der Französischen Revolution vermessen hatten, besitzt bis heute Gültigkeit.

Karte der Meridian-Expedition
Karte der Meridian-Expedition

Um 1660 Gründung der Königlichen Akademie der Wissenschaften durch Ludwig XIV.

16. August 1744 Geburt von Pierre-François-André Méchain in Laon/Frankreich

19. September 1749 Geburt von Jean-Baptiste Joseph Delambre in Amiens/Frankreich

1789 bis 1799 Französische Revolution

14. Juli 1789 Ausbruch der Französischen Revolution mit dem Sturm auf die Bastille

26. März 1791 Auf Vorschlag der Akademie der Wissenschaften beschließt Paris die Einführung einer universellen Längeneinheit. Das neue Längenmaß soll der zehnmillionste Teil des Erdmeridianquadranten (Strecke vom Pol zum Äquator) sein. Dazu soll der Meridianbogen von Dünkirchen bis Barcelona neu vermessen werden.

1792 - Die Expedition beginnt

Juni 1792 Die Meridianexpedition startet mit zwei französischen Astronomen. André Méchain ist verheiratet und gilt als Pedant. Jean-Baptiste Delambre, noch Junggeselle, wurde erst vor wenigen Monaten in die Akademie der Wissenschaften berufen. Er steht vor der größten Aufgabe seiner jungen Karriere.

Pierre Méchain und Jean-Baptiste Delambre
Pierre Méchain und Jean-Baptiste Delambre

Die Expedition teilt sich von Anfang an und bewegt sich mit den Vermessungen von Süden und Norden her auf dasselbe Ziel zu: Delambre leitet den nördlichen Teil der Meridianexpedition von Dünkirchen bis ins Zentralmassiv. Méchain ist für den Süden verantwortlich, beginnt in Barcelona und kämpft sich durch die Pyrenäen vor. Treffpunkt ist Rodez im Süden Frankreichs.

Juli 1792 Méchain trifft in Barcelona ein

September 1792 In Frankreich wird die Republik ausgerufen. Delambre wird als Spion verdächtigt und in Lagny und später in Saint-Denis verhaftet.

Oktober 1792 Delambre vermisst die Region um Paris.

Dezember 1792 Méchain vermisst die Breite des Montjuic, des Hausbergs von Barcelona

1793 - Provisorisches Urmeter

21. Januar 1793 Ludwig der XVI. wird in Paris hingerichtet.

März 1793 Das königliche Spanien erklärt dem revolutionären Frankreich den Krieg. Alle Franzosen werden des Landes verwiesen.

April 1793 Méchain muss den Montjuic verlassen, darf aber in Spanien - zeitweilig unter Hausarrest - bleiben.

Hinrichtung im revolutionären Frankreich
Hinrichtung im revolutionären Frankreich

Juni 1793 bis Juli 1794 Terrorherrschaft in Frankreich unter der Führung des Jakobiners Maximilien de Robbespierre

Juni 1793 Delambre beginnt mit seinen Vermessungen südlich von Dünkirchen.

1. August 1793 In Frankreich wird ein provisorisches Urmeter eingeführt.

August 1793 Die Akademie der Wissenschaften wird aufgelöst und die Meridianexpedition gestoppt.

September 1793 Méchain arbeitet in den Pyrenäen weiter.

16. Oktober 1793 Marie Antoinette, Witwe von Ludwig XVI., stirbt unter der Guillotine.

Dezember 1793 Delambre wird offiziell von der Meridian-Expedition ausgeschlossen.

1794 - Méchains Fehler

März 1794 Méchain entdeckt einen Fehler in seinen Berechnungen des Breitengrads in Barcelona.

Mai 1794 Méchain lässt sich für ein Jahr in Genua nieder.

Juli 1794 Robespierre wird mit der Guillotine hingerichtet. Die Schreckensherrschaft der Jakobiner ist beendet.

1795 - Zurück zur Expedition

Anfang 1795 Die Verwaltung ruft die Akademie der Wissenschaften wieder ins Leben.

April 1795 Per Gesetz wird entschieden, die Expedition wieder aufzunehmen. Delambre kann die Messungen fortzusetzen. Méchain reist für ein halbes Jahr nach Marseille.

Mai 1795 Delambre nimmt die Vermessungen bei Orléans wieder auf.

August 1795 Méchain setzt die Vermessungen zwischen Perpignan und Carcassone fort.

1796

Mai 1796 Delambre ist auf dem Weg von Bourges in Richtung Evaux.

1797 - Delambre am Ziel

Letzter Messpunkt Kathedrale Rodez
Letzter Messpunkt Kathedrale Rodez

August 1797 Delambre steht kurz vor Rodez, dem vereinbarten Treffpunkt mit Méchain. Die Kathedrale von Rodez ist sein letzter Messpunkt. Sein Teil der Expedition ist erfüllt.

Oktober 1797 Méchain vermisst den Pic de Noire und kehrt anschließend nach Carcassone zurück.

1798 - Warten auf Méchains Daten

April 1798 Delambre beginnt mit den Vermessungen der Grundlinie in Melun bei Paris.

Juli 1798 Delambre vermisst die Grundlinie in Perpignan. In Rodez versucht Méchains Ehefrau ihren Mann zu motivieren, mit den Messungen fortzufahren, die er während einer Depression unterbrechen musste. Der Messfehler in Barcelona nagt am Selbstbewusstsein des Astronomen. Am liebsten will er mit der Expedition von vorne anfangen.

August 1798 Méchain setzt seine Messungen von Rodez nach Carcassone fort.

September 1798 Die Internationale Kommission zur Bestimmung des Meters mit Wissenschaftlern aus elf Ländern nimmt ihre Arbeit offiziell auf. Zwar hat Delambre seine Logbücher, seine Daten und Berechnungen bereits vorgelegt, doch Méchains Unterlagen fehlen noch.

Oktober 1798 Delambre wartet in Carcassone auf Méchain, der seine letzten Stationen vermisst.

November 1798 Delambre und Méchain treffen in Paris ein. Erste Sitzung der Internationalen Kommission zur Bestimmung des Meters.

1799 - Definitives Urmeter

Februar 1799 Die Internationale Kommission akzeptiert Delambres Daten.

März 1799 Die Internationale Kommission akzeptiert Méchains Daten.

Der Urmeter aus Platin
Urmeter in Platin gegossen Quelle: ZDF

Juni 1799 Ein zweites so genanntes "definitives Urmeter" wird aus Platin hergestellt und der Legislative präsentiert. Allerdings ist dessen Genauigkeit schlechter als die des so genannten "provisorischen Urmeters".

September 1799 Das metrische System wird in Paris und Umgebung eingeführt.

24. Dezember 1799 Ende der Französischen Revolution

September 1801 Das metrische System wird in ganz Frankreich verwendet.

Januar 1803 Delambre wird Ständiger Sekretär der Akademie der Wissenschaften.

April 1803 Méchain begibt sich auf eine zweite Expeditionsreise nach Spanien.

20. September 1804 Tod von André Méchain in Spanien

2. Dezember 1804 Napoleon wird französischer Kaiser.

November 1805 Delambre entdeckt Méchains Fehler in seinen Berechnungen des Breitengrads in Barcelona.

1807 Delambre wird zum Professor am Collège de France ernannt.

1812 Napoleon widerruft das metrische System.

19. August 1822 Tod von Jean-Baptiste Delambre in Paris

1837 Das metrische System wird in Frankreich wieder eingeführt.

20. Mai 1875 In der "internationalen Meterkonvention" beschließen 17 Staaten die Übernahme des zweiten Urmeters als Maßeinheit.

26. September 1889 Drittes Urmeter: Die Generalkonferenz für Maß und Gewicht ersetzt das Urmeter von 1799 durch einen genaueren Meterprototypen aus einer Legierung aus 90 Prozent Platin und 10 Prozent Iridium. Kopien des dritten Urmeters werden an Eichinstitute in vielen Ländern vergeben.

1960 Der Meterprototyp von 1889 wird abgelöst. Definitionsgrundlage ist nicht mehr der Meridianquadrant, sondern die "Krypton-Wellenlänge". Das Edelgas Krypton lässt sich in verschiedene Zustände versetzen. Fällt es von einem solchen Zustand zurück in einen bestimmten anderen, gibt es elektromagnetische Strahlung einer exakt feststehenden Wellenlänge ab. Die Generalkonferenz für Maß und Gewicht definiert den Meter als das 1.650.763,73-fache dieser Wellenlänge.

1983 Die bis heute gültige Definition wird festgelegt: Wissenschaftler messen, wie lange das Licht braucht, um die Strecke eines Meters in einem Vakuum zurückzulegen. Seitdem wird zur Bestimmung des Meters diese Zeiteinheit benutzt, die immer und überall dieselbe ist. Die Länge des Meters aber wurde nicht verändert, nur seine Definition.

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