CT-Aufnahmen mit Muskulatur

Erster Schritt zur naturgetreuen Rekonstruktion

Um an die erhofften 3-D-Daten zu kommen muss der Dino - wieder frisch eingegipst - erneut auf die Reise. Das Ziel ist ein Speziallabor nördlich von Los Angeles. Hier steht der weltweit einzige Computer-Tomograph, der ein so großes Objekt untersuchen kann.

Gipsklumpen im Röntgen-Scanner Quelle: ZDF

Doch selbst für die Spezialisten der Hightech-Branche stellt der dicke Dino eine noch nie da gewesene Herausforderung dar. Mit dem riesigen Röntgen-Scanner werden normalerweise Flugzeug- und Raketen-Teile geprüft. Eigentlich müsste Dakota hineinpassen. Doch die Gips-Ummantelung des Rumpfes ist offenbar etwas stärker ausgefallen als angenommen. Da das CT-Gerät - anders als übliche Computer-Tomographen - nicht den Scanner, sondern das Untersuchungs-Objekt kreisen lässt, müssen die Männer darauf achten, dass Dakota im Apparat rotieren kann.

Körper bis auf weiteres unsichtbar

Animation Dino Schicht für Schicht Quelle: ZDF

Schließlich röntgt das Gerät den langsam rotierenden Dino schichtweise, Millimeter für Millimeter. Im Rechner aneinander gereiht und zusammengefügt, könnte sich aus dem Stapel vieler aufgenommener Scheibchen die naturgetreue drei-dimensionale Rekonstruktion des Hadrosauriers ergeben - vorausgesetzt, die Strahlen durchdringen den Block mit der Mumie. Doch der milchige Monitor zeigt: Sechs Millionen Elektronvolt reichen nicht aus, um den Block mit Dakotas Körper zu durchdringen.

Mit stufenweise stärkerer Strahlung folgt Versuch auf Versuch. Wofür ursprünglich einige Tage eingeplant waren, erstreckt sich jetzt über Wochen und Monate. Nach viermonatigem Röntgenbeschuss ist die Festung immer noch nicht geknackt. Geschlecht, innere Organe, Schädel, weitere Teile des Krokodils, das mit dem Saurier zusammen versteinert ist - alles sehnlichst erhofft, bleibt bis auf weiteres unsichtbar. Und dann doch noch ein Erfolg. Den gewaltigen Körperblock hat die Strahlung nicht durchschlagen könne. Aber das kleinere Schwanzpaket ist für das CT-Gerät kein Problem. Deutlich sind die Schwanzwirbel zu erkennen.

Länger als angenommen

Anordnung Wirbel eines Dinosauriers Quelle: ZDF

Bei den meisten Skeletten in den Museen der Welt sind die Wirbel direkt aneinander gefügt. Die CT-Aufnahmen zeigen aber, dass zwischen jedem Wirbel ein Abstand von etwa einem Zentimeter besteht. Die meisten Dinosaurier waren also länger als bislang angenommen. Besonders erfreulich: Die CT-Aufnahmen zeigen nicht nur die Schwanz-Wirbelsäule, sondern auch die Muskulatur. Ein erster Schritt zur naturgetreuen 3-D-Rekonstruktion eines Hadrosauriers. Diese muskuläre Verbindung von Oberschenkel-Knochen und Wirbelsäule hatte einen sehr positiven Effekt auf die Fortbewegung. Und Dakotas Schwanzmuskulatur ist wesentlich stärker ausgebildet als bislang vermutet.

Animation Wettrennen

Um die neuen Erkenntnisse ergänzt und einige Millionen Lernschritte später ist Dakota wieder virtuell unterwegs - waagrecht ausgerichtet und ziemlich flott. Die Läufer-Qualitäten des Hadrosauriers werden im direkten Vergleich mit anderen Zweibeinern deutlich. Am Start sind Emu, Strauß, Mensch, Dakota und T-Rex. Vögel und Saurier messen sich mit einem Olympia-Sprinter. Der Strauß geht sofort in Führung und siegt klar vor Emu, Dakota, T-Rex und dem abgeschlagenen Olympioniken. 16 Kilometer pro Stunde schneller als T-Rex - Hadrosaurier waren keine leichte Beute für den berüchtigten Jäger. Vermutlich fielen überwiegend junge oder geschwächte Hadrosaurier einem Tyrannosaurus rex bei offenen Jagden zum Opfer - oder die Schreckens-Echse überraschte aus dem Hinterhalt.

Todesursache noch unklar

Dakotas Todesursache ist nach wie vor unklar. Sicher ist: Es fehlt ein großes Stück Fleisch. Es gibt mehrere Möglichten: Ein Raubtier hat zugeschlagen oder ein Aasfresser

Hadrosaurier wird von Tyrannosaurier angegriffen Quelle: ZDF

hat sich an Dakotas Kadaver gütlich getan. Vielleicht ist das Tier an einer Krankheit gestorben oder ein Teil des Körpers ist verwest, ehe es versteinern konnte. Der paläontologische Befund besagt dazu lediglich: Dakota kam vor etwa 67 Millionen Jahren auf weichem Boden in oder am Wasser zu Tode und wurde anschließend sehr rasch vor Fäulnis bewahrt.

Die Untersuchungen an der Mumie und am Fundort haben bereits eine Fülle von Fakten erbracht: zur Fortbewegung und darüber, wie Dakota vor und nach dem Tod überlebt hat. Demnächst erwarten Tyler Lyson und Phil Manning neue Ergebnisse. Die Forschungen laufen auf Hochtouren.

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