Dagobert und die "Prieuré de Sion"

Merowinger Prinz als Blutsverwandter von Jesus

Dagobert II., der Prinz aus dem Geschlecht der Merowinger, scheint perfekt in die abenteuerliche Geschichte zu passen. Von Kindesbeinen an gerät der künftige Regent immer wieder in Lebensgefahr.

Zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert herrschten die "Könige mit den langen Haaren" über Frankreich. Im Lauf der Zeit aber gaben sie mehr und mehr Privilegien an ihre Minister, die Hausmeier, ab.

Unverblümter Griff zur Krone

Schließlich waren die Merowinger nicht mehr die wahren Herren im Lande. Das erfuhr der kleine Dagobert am eigenen Leib. Unverblümt griffen die Emporkömmlinge zur Krone. Im Jahr 656 verschleppten sie den Thronfolger in ein Kloster nach Irland. Die Entführung werten die Anhänger der Jesus-Verschwörung als Kommandounternehmen im Auftrag des Papstes, um den legitimen Erben des Erlösers kalt zu stellen. Die Hausmeier - so die Theorie - dienten also der Kirche als Hilfssheriffs.


Im Alter von zwanzig Jahren gelang dem wagemutigen Prinzen die Flucht aus der irischen Verbannung. Noch einmal konnte er für seine Dynastie die Macht in Frankreich an sich reißen. Seine langjährigen Gegner gaben sich aber nicht geschlagen. Schon wenig später schmiedeten sie ein mörderisches Komplott. Die Hausmeier lockten Dagobert auf eine Jagd, von der er nicht zurückkehren sollte. Der heimtückische Anschlag auf den Ahnungslosen gelang: Der junge Monarch verblutete im Wald.

Mysteriöse Geheimgesellschaft

Ein ehemaliges Kloster im belgischen Mons hütet eine Reliquie des Ermordeten. In der Nähe der Stadt soll der Merowinger einst gestorben sein. Sein Schädel beweist eindeutig, dass der König gewaltsam ums Leben kam. In der Hirnschale klafft eine große Spalte, die Spur eines kräftigen Axthiebs. Die sterblichen Überreste eines Nachfahren Jesu, sagen Lincoln und seine Leute. Und sie wollen auch wissen, wer das Geheimnis bis heute bewahrt hat. Die Signatur "PS" auf dem Pergament aus Rennes-le-Château verrät es - die "Prieuré de Sion".

Eine mysteriöse Geheimgesellschaft, die im Verborgenen wirke. Jahrhunderte lang seien nur die Mitglieder des exklusiven Clubs in die Wahrheit über die Blutlinie Jesu eingeweiht gewesen. Deshalb habe der Vatikan Agenten auf ihre Fersen geschickt. Kühne Gedanken mit großer Wirkung. Seit Dan Brown seinen Roman "Sakrileg" veröffentlichte, glauben Millionen Menschen an die "Prieuré de Sion". Von "Fakten und Tatsachen" spricht der Autor und verweist auf entsprechende Dokumente in Paris.

"Geheime Dossiers"


In der Bibliothèque Nationale liege der Beweis für die Existenz der verschwiegenen Gemeinschaft. Tatsächlich kann jeder Interessent vor Ort Einsicht in die betreffenden Papiere nehmen. Sie gelangten aus dem Nachlass eines gewissen Herrn Lobineau in den Bestand des ehrwürdigen Hauses. "Geheime Dossiers", doch kein altes Schriftstück, sondern 1967 verfasst. Der angebliche Beleg: eine Namensliste berühmter Männer - vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Sie alle sollen Großmeister der Prieuré gewesen sein. Darunter Leonardo da Vinci, der Physiker Isaac Newton, der Schriftsteller Victor Hugo und zuletzt der surrealistische Künstler Jean Cocteau. Ein erlauchter Kreis - wissenschaftliche Beweiskraft aber besitzt das Dokument nicht.

Auch der vermeintliche Jesus-Nachkomme Dagobert taucht in den Unterlagen auf. Über seinen Sohn setzt sich die Linie bis zum ersten Kreuzfahrer Gottfried von Bouillon fort. So zumindest vermittelt es der Stammbaum. Lincoln strickt daraus eine eigene Version abendländischer Weltgeschichte, die im Heiligen Land ihren Anfang nimmt.

Gottfried in Jerusalem

Historisch verbürgt ist Gottfrieds Aufbruch nach Jerusalem. 1099 gelang es dem Herzog von Lothringen, mit seinem Heer die christlichen Stätten den Muslimen zu entreißen. Lincoln dagegen sagt: Mit der Herrschaft über die heilige Stadt tritt Gottfried das Erbe Jesu an. Um die Blutlinie dauerhaft vor Verfolgung durch die Kirche zu schützen, ruft er die Prieuré ins Leben.

Mit Hugues des Payen bringt das Papier aus der Bibliothèque Nationale eine weitere Persönlichkeit der Geschichte ins Spiel. 1119 gründete der Kreuzritter mit acht Gleichgesinnten den Templerorden. Die Mönche mit dem weißen Gewand über der Rüstung stellten ihr Leben in den Dienst Christi und widmeten sich dem Kampf gegen die Ungläubigen.

Mächtige und reiche Organisation

In Wahrheit sei die Bruderschaft jedoch nichts anderes als eine Tarnorganisation der Prieuré de Sion, heißt es in einschlägigen Publikationen. Fakt ist: Zu Beginn des 14. Jahrhunderts war der kleine Orden in Europa zu einer mächtigen und reichen Organisation heran gewachsen.

Bald aber starben die führenden Köpfe in den Flammen der Scheiterhaufen. Homosexualität und Götzenverehrung - lautete die offizielle Anklage. Damals schwere Verbrechen, auf die Tod durch Verbrennen stand. Tatsächlich aber gierten der französische König und der Papst nur nach dem immensen Vermögen der Templer. Lincoln wiederum schreibt, mit den Rittern sollte das geheime Wissen um die Blutlinie des Heilands ausgerottet werden. Und ausgerechnet in Rennes-le-Château habe ein Schriftstück mit der explosiven Wahrheit die Zeiten überdauert.

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