Darwins Ideenklau

Wurde das Datum auf Wallaces Brief gefälscht?

Auf der Molukken-Insel Ambon geht Alfred Russel Wallace die neuesten Nachrichten aus England durch. Charles Darwin hat sein epochales Werk "Vom Ursprung der Arten" fertiggestellt und darin auch seine Ideen aufgenommen.

Wallace fühlt sich geehrt, nicht betrogen. Doch der Dschungel kennt keinen wissenschaftlichen Ruhm.

Immer neue Exemplare

Auf den Ke-Inseln hat Wallace eine neue Methode entdeckt, die Zahl seiner Sammlerstücke zu vervielfachen. Er bezahlt für jedes Insekt, das ihm die freundlichen Eingeborenen bringen. In nur vier Tagen erbeutet er 35 neue Schmetterlinge, 13 Vögel und 194 Insekten. Als Wallace routiniert einen Käfer für den Transport nach England präparieren will und ihn auf ein Nadelkissen aufspießt, fangen die "Wilden" an zu lachen. Seine europäische Vorstellung von Zivilisation und Barbarei gilt offenbar nicht für die ganze Welt.

Darwins Lebenswerk

Seit Jahren kämpft Wallace mit entzündeten Sandfloh-Stichen an seinen Füßen. Immer wieder zwingen ihn die Infektionen für Wochen ins Bett. Doch selbst unerträgliche Schmerzen können den besessenen Feldforscher nicht bremsen.


Unfassbare 125.600 Exponate hat Wallace aus dem Malaiischen Archipel nach England geschickt. Seine auf 20 Seiten niedergeschriebene Evolutionstheorie jedoch wurde von Charles Darwin vereinnahmt. Während Wallace in den Tropen noch um den letzten Schmetterling kämpft, versucht Darwin in England sein eigenes Lebenswerk zu retten.

Historiker wollen Darwin heute nachgewiesen haben, dass er das Eingangsdatum des entscheidenden Briefes von Wallace um einen Monat nach hinten datiert habe - des Briefes nämlich, in dem Wallace seine Theorie vom Überleben des Stärkeren formuliert hatte. Das verschaffte Darwin genug Zeit, die Ideen des wissenschaftlichen Nobodies in seine eigenen Schriften einzuarbeiten. Erst dann habe er die Wissenschaftswelt informiert - und den Ruhm für sich eingestrichen.

Begründer der Bio-Geographie

Wallace dagegen begründete mit seiner Sammelwut und seinen exakten Ortsangaben aller Fundstücke die Disziplin der Bio-Geographie. Nur vor Ort, auf den 13.000 Inseln des Malaiischen Archipels, war es wohl möglich, die räumliche Trennung als Ursache für die Entstehung immer neuer Tier- und Pflanzenarten zu erkennen. Nach dem unerschrockenen Feldforscher ist heute allerdings nur die Wallace Linie benannt - die Grenze zwischen der asiatischen und der australischen Tier- und Pflanzenwelt. Wallace war darauf gekommen, weil er eine Kakadu-Art nur auf Lombok, nicht aber auf der Nachbarinsel Bali entdeckt hatte.

Die Tropen verließ Wallace 1862. Charles Darwin rang sich erst in der dritten Auflage seines Buches durch, seinen Ideengeber Wallace namentlich zu erwähnen. Der aber hat sich nie beklagt, Opfer eines wissenschaftlichen Betruges geworden zu sein. Wallace war mit seinem Einfluss auf Darwins Werk zufrieden. Er starb 1913 mit 90 Jahren. Und ist bis heute der Held aller Feldforscher.

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