Darwins Schicksalsinseln

Entdeckungen auf den Galapagos entscheidend für Evolutionstheorie

Nach zwei Jahren droht der Beagle-Expedition kurz vor Kap Hoorn das Ende. Das Wetter verschlechtert sich, der Wind dreht heftig nach Südwest. Mühsam kämpft sich die Mannschaft um Kapitän FitzRoy und Charles Darwin durchnässt und bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt vorwärts. Dabei hätte die Weltreise eigentlich schon beendet sein müssen.

Karte Galapagos-Inseln
Karte Galapagos-Inseln Quelle: ZDF

Durch die widrigen Wetterverhältnisse ist ein Teil von Darwins Papieren und Pflanzen ruiniert. Und noch eine Katastrophe: Kapitän FitzRoy erklärt ihm, die Beagle muss zurück nach Norden. FitzRoy hat bei seinen Vermessungen ein Gebiet ausgelassen, das noch kartiert werden muss. Darwin ist entsetzt, das könnte noch ein halbes Jahr an der Ostküste Südamerikas bedeuten, statt endlich in den Pazifik vorzustoßen. Möglicherweise hat FitzRoy sogar vor, den Plan einer Weltumseglung aufzugeben. Doch Darwin sollte Glück im Unglück haben. Der Umweg wird für ihn zu einer seiner wichtigsten Entdeckungen führen. Wieder ein Zufall mit weitreichenden Folgen.

Kontinuität in der Entwicklung

An der Küste Argentiniens durchstreift Darwin mit einem Führer die Pampa. Er weiß, dass es hier seltene Fossilien geben soll und hofft, einige davon für die englischen Naturkundemuseen, aufzuspüren. Und tatsächlich: in der Küstenregion südlich des Rio de la Plata stößt er auf die versteinerten Knochen mehrerer riesiger Säugtiere. Sie sind überdimensional groß - und müssen von unbekannten Tieren stammen, die längst ausgestorben sind. Wie viele seiner Funde, lässt er auch diese Knochen mit einem englischen Handelsschiff nach London schicken, um sie von Spezialisten untersuchen zu lassen.

Versteinerter Knochen
Versteinerter Knochen Quelle: ZDF

In seiner Vorstellung setzt er die Knochen zu einem vorsintflutlichen Riesenfaultier zusammen. Wie waren diese Knochen hierher gekommen? grübelt er. In was für einer Welt lebten diese Tiere und unter welchen Bedingungen waren sie gestorben? Gab es Verbindungen zwischen diesen und noch lebenden Arten? Darwin weiß, dass es an Land in Südamerika noch immer Vertreter solcher Gürteltiere und Faultiere gibt. Er erkennt zum ersten Mal, dass es eine Kontinuität in der Entwicklung gibt, und dass die Tiere tatsächlich gar nicht ausgestorben sind.

Hervorragende Investition

Die Reise geht Richtung Süden weiter. Von Station zu Station wachsen Darwins Sammlungen. Er beschließt, sich einen Gehilfen zu nehmen. Der Schiffsjunge Syms Covington war ihm als besonders intelligent aufgefallen. Der Kapitän stellt ihn frei - vorausgesetzt, Darwin ist bereit, für ihn 30 Pfund im Jahr an die englische Krone zu bezahlen. Eine hervorragende Investition: Es ist höchste Zeit, endlich Ordnung in Darwins schon völlig voll gestopfte Kabine zu bringen.

Darwin mit seinem Assistenten an Bord der Beagle
Darwin mit seinem Assistenten an Bord der Beagle Quelle: ZDF

Darwin fällt wegen seiner Seekrankheit oft aus - "wenn es so weiter geht," meint er "werden es meine Lebensgeister und mein Magen nicht mehr lange aushalten." Aber Darwins Leidenschaft für die Beobachtung der kleinsten Veränderungen in der Natur treibt ihn immer wieder an Deck. Die Temperatur fällt und liegt jetzt ständig unter Null. FitzRoy navigiert das Schiff durch die gefährlichen Gewässer der Magellanstraße. "In dieser Verlassenheit entziehen sich die größeren Kräfte der Natur jeglicher Kontrolle, als wollten sie sagen: Wir sind der Souverän." Es ist eine der schwierigsten Passagen, die die Besatzung der Beagle zu bewältigen hat. Viele haben hier schon Schiffbruch erlitten.

Bizarre Galapagos-Welten

Endlich macht sich die Beagle auf, auch die Westküste des amerikanischen Kontinents zu erkunden. Über ein Jahr lang bleibt die Beagle-Expedition auf der Westseite Südamerikas, erforscht auch das Innere von Chile und Peru, bevor sie den Kontinent endgültig verlässt. Im September 1835 nimmt die Beagle endlich Kurs auf Galapagos. Mehr als dreieinhalb Jahre sind sie inzwischen unterwegs. "Den Galapagosinseln sehe ich mit größerem Interesse entgegen als irgendeinem anderen Teil der Reise", schreibt Darwin in einem Brief an einen Freund. Es ist eine bizarre Welt, die sie zu Gesicht bekommen, als sie sich der Insel San Cristóbal nähern. "Wir sahen auf einen schwarzen, trostlos aussehenden Haufen zerborstener Lava, - eine Küste, die sich als Wohnort für Dämonen eignet", bemerkt Kapitän FitzRoy, "Kobolde der Dunkelheit".

Später wird es Darwin so vorkommen, als sei die ganze Reise nur dazu da gewesen, ihn auf diese Inseln zu bringen. Fünf Wochen lang durchstreift er die karge Landschaft. Hier macht er Beobachtungen, die ihn, wie er später sagte, "hauptsächlich auf das Studium des Ursprungs der Arten geführt haben". Die Hitze der Äquatorsonne, die von dem schwarzen Lavaboden zurückstrahlt, macht ihm schwer zu schaffen. "Ich bin ganz erstaunt, daß ich dieses Leben aushalten kann. Wäre nicht die stets wachsende große Freude an der Naturwissenschaft, so könnte ich es nicht".

Riesenschildkröten
Riesenschildkröten Quelle: ZDF

Hinweis auf die Veränderlichkeit der Arten

Die bis zu einem Zentner schweren Riesenschildkröten, die weit über hundert Jahre alt werden können, sind für Darwin die größte Attraktion der Galapagos-Inseln. Die Inselbewohner weisen ihn darauf hin, dass man an der Form der Rückenpanzer die einzelnen Tiere von einzelnen Inseln unterscheiden kann. Tatsächlich bekommt Charles Darwin so einen Hinweis auf die Veränderlichkeit der Arten auf diesem Inselarchipel. Die Beagle-Besatzung nimmt auch 48 dieser Riesenschildkröten mit an Bord, allerdings werden die meisten aufgegessen und die Panzer über Bord geworfen.

Nach fast fünf Jahren auf der Beagle ist es Zeit, Bilanz zu ziehen. Mit seinem Assistenten Covington sortiert er die gesammelten Kadaver. Die Bälger müssen etikettiert und konserviert werden. Angeleitet von Darwin, ist Covington bereits zu einem geschickten Präparator geworden. Tausende Details - von der Lebensweise eines Tintenfisches bis zur Ursache des Meeresleuchtens - hat Darwin untersucht und in seinen fast 3000 Seiten Reisenotizen festgehalten.

Die Fachwelt ist begeistert

Auf der Reise hat er reiche Beute gemacht: 1529 Spezies in Spiritus eingelegt, 3907 Häute, Knochen und andere Fundstücke etikettiert, zwölf Kataloge über die gesammelten Tiere und Pflanzen angelegt, Kisten seiner Sammlungsstücke nach England geschickt. Kaum etwas ist seiner Wissbegier und seinem Forscherdrang entgangen. Der größte Teil seiner Sammlung ist inzwischen in London angekommen. Die Fachwelt ist begeistert. Er ist sich sicher, dass seine Forschungsergebnisse Furore machen werden. Die Beagle hat die Kapverden, Lateinamerika, die Galapagos-Inseln, Australien und Neuseeland erkundet. 1836 führt die Rückreise nach England über Südafrika und Brasilien.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet