Das Blut der Yanomami

Plasma-Handel im Internet

Auch die Yanomami-Region im Norden Brasiliens nahe der venezolanischen Grenze wurde zum Zielgebiet der Pharmaforschung. Hier nahmen vor einiger Zeit Wissenschaftler mehreren dort lebenden Stämmen Blut ab.

Welche Wege es nahm, und wofür es missbraucht wurde, blieb ihnen lange verborgen. Doch heute wissen sie Bescheid und wollen ihr Blut zurück.

Invasion der Goldsucher

Schon in den 80-er Jahren waren die Yanomami der Profitgier der Weißen ausgeliefert. Eine Invasion von Goldsuchern verursachte damals durch Krankheiten, Morde und Quecksilber-Verschmutzung der Flüsse beinahe den Genozid eines ganzen Volkes. Gemeinsam mit seinem Freund Davi Kopenava, der heute offizieller Sprecher der Yanomami ist, hatte Sydney jahrelang gegen die Goldgräber gekämpft. Doch erst als die Freunde bis vor die UNO gingen, intervenierte das Ausland und sie wurden gewaltsam vertrieben.

Davi Kopenava hat gehört, dass Blutplasma von Amazonas-Indianern im Internet angeboten wird. Er hofft nun, das Blut seiner Eltern aufzuspüren. Schließlich hat er schon einmal mit Hilfe seines Freundes den Kampf gegen die Weißen aufgenommen und gewonnen. Trotz des lang andauernden Kontaktes mit den Goldgräbern, die sie mit Gewehren, Taschenlampen, Transistorradios und Konservendosen bekannt machten, führen auch die Yanomami wieder ein weitgehend traditionelles Leben.

Theorie und Praxis

Das gesamte Dorf lebt in der Malocka, einer großen, in der Mitte offenen Rundhütte. Hier führen die Frauen wie seit 1000 Jahren das Regiment. Menschen und Tiere leben unter einem Dach. Die einzelnen Bereiche, in denen die Familien ihre Hängematten und Feuerstellen haben, sind nicht durch Wände getrennt. Nach der Goldgräberzeit hat Sydney Monate hier verbracht, um Vertrauen zurück zu gewinnen. Doch die Indianer wurden erneut hinters Licht geführt. Auch wenn ihnen inzwischen ein Reservat, von der Größe der Schweiz zugesprochen wurde, können sie nur theoretisch selbst bestimmen, wer Zutritt zu ihrem Land hat. Die Praxis sieht anders aus.

Inzwischen wissen die Yanomami, dass es auch um ihr Blut geht - und die darin enthaltene Erbinformation. Unter dem Deckmantel des "Human Genome Diversity-Project" werden weltweit die Gene vom Aussterben bedrohter Völker gesammelt. Dahinter stecken internationale Forscher, die eine Art genetischen Weltatlas erstellen wollen. Dieser soll die Erbinformation der gesamten Menschheit enthalten.

Im Besitz großer Konzerne

Doch man geht sogar noch einen Schritt weiter. Da die genetische Identität eines Menschen nicht patentierbar ist, greifen die Forscher zu einem Trick: Genetisches Material wird in Labors so modifiziert, dass es gar nicht mehr der Person zugeordnet werden kann, der es entnommen wurde und so auch keinerlei Ansprüche entstehen. Auf diese Weise sind heute bereits einzelne Gene und sogar ganze DNA-Sequenzen dank des Patentrechts im Besitz großer Konzerne.

Wenn Teile vom restlichen Körper getrennt werden, sagen die Ältesten, lebt darin die "Erinnerung" weiter und mit ihr der Lebensplan eines Menschen. Durch Trance-Rituale wissen die Indianer, dass die Identität ihrer Ahnen im eigenen Bewusstsein fortlebt. Und sie sind davon überzeugt, es zu spüren, wenn diese "Essenz der Erinnerung" manipuliert wird - wo und zu welchen Zwecken auch immer.

"Apotheke Regenwald"

Die Yanomami sind sich inzwischen im Klaren darüber, dass der biologische und genetische Reichtum der "Apotheke Regenwald" einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung bisher unheilbarer Krankheiten wie Alzheimer, Aids und Krebs leisten kann. Sie sind auch bereit zu geben, ihr Wissen zu teilen. Aber sie wollen es sich nicht hinterrücks stehlen lassen. Vielmehr könnte ein fairer Anteil an den Gewinnen der Pharmaindustrie dazu beitragen, die Wälder und die Lebensweise ihrer Bewohner zu erhalten. Kein Wissenschaftler wird je das ökologische System des Regenwaldes so durchschauen wie die Indianer, die selbst ein Teil davon sind.

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