Das Diamantenimperium

Im Land der glitzernden Steine

Im Namen seines übergroßen Patriotismus strebte Rhodes nach der Vereinnahmung ganz Afrikas für die englische Krone.

Jetzt plante Rhodes, die letzten weißen Flecken auf der Landkarte des Schwarzen Kontinents für das englische Herrscherhaus in Besitz zu nehmen. Vor potenziellen Investoren verkündete er lautstark: "Wir, die Engländer, sind die erste Rasse der Welt. Je mehr wir von ihr bewohnen, desto besser für sie." Das traf den Zeitgeist. Dennoch zögerten die Partner. Aber Rhodes' ungebändigter Ehrgeiz kannte keine Grenzen. Er wollte den ganzen Kontinent erobern, vom Kap der Guten Hoffnung bis Kairo, vom Atlantik bis zum Mittelmeer. Karikaturisten verspotteten den Größenwahnsinnigen als Koloss von Afrika, als Drahtzieher eines gnadenlosen Imperialismus. Als Zeichen seiner Entschlossenheit ließ er einen eisernen Pfeil in den Boden vor dem Eingang des Kimberley Club schlagen. Die Spitze wies nach Norden. In die noch unberührten Gebiete der heutigen Staaten Zimbabwe und Sambia wollte Rhodes zuerst vorstoßen.

Ureinwohner wie die Khoisan lebten dort seit vielen Jahrhunderten als Jäger und Sammler. Als Rhodes die ersten weißen Siedler ins Land führte, war es für das kleine Volk mit dem friedvollen Dasein ein für alle Mal vorbei. Weiter im Norden kämpften die kriegerischen Matabele tapfer um den Erhalt ihres Lebensraumes. "Ihr König ist das einzige Hindernis auf dem Weg nach Zentral-Afrika. Erst wenn wir sein Gebiet erobert haben, ist der Rest einfach zu haben", sagte Rhodes zu Lord Rothschild, einem seiner Geldgeber. Zu Anfang verhandelte der Engländer noch, dann aber setzte er die Miliz ein. In blutigen Auseinandersetzungen unterwarfen die Soldaten die Eingeborenen.

Auf dem Gipfel der Macht

Bis zum Sommer 1890 hatte Rhodes im Süden des Kontinents neue Grenzen geschaffen: Betschuanaland - das heutige Botswana konnte er unter britischer Flagge vereinnahmen, ebenso das nach ihm benannte Rhodesien und Nord-Rhodesien - heute Zimbabwe und Sambia. Das Rhodes-Memorial in Kapstadt erinnert an den Politiker auf dem Gipfel der Macht. Seinen kometenhaften Aufstieg krönte 1890 die Wahl zum Premierminister.

Die Folgen

Noch heute fördert De Beers über 80 Prozent aller Diamanten weltweit. Die südafrikanischen Fundstätten liefern seit mehr als hundert Jahren den Hauptanteil. Etwa 150 Kilometer von Kimberley entfernt, wurde der 600 Meter tiefe Krater der Finch Mine in die Ausläufer der Kalahari-Steppe gesprengt. Im Jahr 2000 holten die Schürfer dort fast zwei Millionen Karat, also etwa 400 Kilogramm Diamanten, aus dem Granitgestein. Wie Löcher im Schweizer Käse verteilen sich die Gänge entlang der Steilwände. Bagger transportieren die abgesprengten Granitfelsen durch enge Tunnelröhren zu stählernen Mühlrädern. Durchschnittlich 60 Tonnen Gestein zermalmen die gigantischen Mahlwerke, um aus dem Granulat 0,2 Gramm - das heißt ein Karat - Diamanten zu gewinnen. Alle rund um den Globus geförderten Rohdiamanten werden bei De Beers sortiert und an den berühmten Umschlagplätzen, Antwerpen, New York und Tel Aviv, einem exklusiven Kreis von Händlern verkauft. Doch Rhodes' persönliches Schicksal sah düsterer aus.

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