Das Empire schlägt zu

Ein Tiroler verhilft den Engländern zum Sieg gegen die spanische Armada

Astrologen und Wahrsager hatten für das Jahr 1588 Chaos und Krieg prophezeit. Als der Sommer dieses Jahres kommt, laufen 130 Schiffe der spanischen Armada auf die Küste Englands zu. Ziel der Spanier ist, ein Invasionsheer nach England überzusetzen und dem verhassten Feind den sicheren Todesstoß zu geben.

Kanone Quelle: ZDF

Schon bald tobt im englischen Kanal die größte Seeschlacht, die die Welt je erlebt hat. Die Engländer scheinen der Übermacht hoffnungslos unterlegen, doch neuartige Kanonen und Schiffskonstruktionen führen mit zu einer Wende, die die Welt verändern wird.

Ungleicher Kampf

Die englische Königin Elisabeth I. und ihre führenden Admiräle waren sich bewusst, dass sie der geballten spanischen Schiffskraft nichts entgegensetzen konnten. Daher setzten sie alles auf eine Karte. Sie wollten dem traditionellen Seekrieg, dem Enterkrieg, den Rücken kehren. Stattdessen sollte versucht werden, mit kleinen, wendigen Schiffen, gerüstet mit den neuesten Kanonen der damaligen Zeit, die Spanier aus der Distanz zu bekämpfen.

Doch in England war bis dahin die Geschützgießerei ein vernachlässigtes Handwerk. In Innsbruck hingegen lag das Zentrum dieser kriegerischen Waffenkunst, in den Gusshallen Hans Christoph Löfflers, dem Krupp der damaligen Zeit. Erzhaltige Gebirgszüge machten Tirol seit Jahrhunderten zum idealen Standort von Gießereien. Schloss Büchsenhausen in Innsbruck war im 16. Jahrhundert Stammsitz der berühmten Gießer-Dynastie der Löfflers. Im Reich der Habsburger hatten sie durch ihre außerordentlichen Fertigkeiten Reichtum, Ansehen und Macht erlangt. Ihre Geschütze besaßen eine Präzision, Reichweite und Durchschlagskraft, die ihren Besitzern Macht und Überlegenheit verlieh. Aber sie hüteten ihre geheime Gusstechnik wie ihren Augapfel. Doch auf einmal wurden auch in England Geschütze nach einer Technik gegossen, wie sie bis dahin nur von Löffler beherrscht worden war. Offenbar war es den Engländern gelungen, an das Wissen um diese Technologie zu gelangen.

Vorreiter der Bionik

Einige Jahre zuvor war ein Mann namens Adam Dreyling aus Tirol geflohen. Ein Engländer soll die Flucht organisiert haben. Dreyling war Neffe des Gießers Löffler aus Büchsenhausen und hatte jahrelang in der Gießerei seines Onkels gearbeitet. So kann er zur Schlüsselfigur in einem weltbewegenden Spiel geworden sein. Systematisch wurden in England die neuen Kanonentypen auf Schiffen installiert, die ebenfalls nach neuartigen Plänen gebaut waren - von einem genialer Schiffsbauer namens Mathew Baker. Um die Schiffe schneller und wendiger zu machen, konstruierte er nach dem Vorbild der Natur.

Baker war Mathematikprofessor aus Cambridge und der erste Schiffsbaumeister, der sich nicht nur auf mündliche Überlieferung verließ, sondern exakte Pläne errechnete. Mathew Baker war als Schiffsbaumeister wegweisend für die nächsten 200 Jahre und prägte letztlich die Gestaltung sämtlicher europäischen Schiffstypen. Doch seinen Ansatz, der Natur Gestaltungsprinzipien abzuschauen, sollte man erst in unserem Jahrhundert neu aufnehmen. Bionik nennt man heutzutage die Wissenschaft, die Prinzipien der Natur in Technisches Design überträgt. Was Baker mit seiner Vorstellungskraft und Rechenkunst leisten musste, wird heute mit aufwendigen Computerprogrammen simuliert und an Modellen in Strömungsversuchen getestet.

Kanonen gingen verloren

Eine neue Waffentechnologie im Verbund mit neuen Schiffstypen und einer darauf abgestimmten Strategie ermöglichten Königin Elisabeths Sieg über die spanische Armada und machte für England den Aufstieg zur beherrschenden Seemacht frei: Der Grundstein für ein weltumfassendes British Empire. Doch keine der Kanonen, denen England so viel zu verdanken hat, ist der Nachwelt erhalten geblieben. Bei Kämpfen oder Schiffsunglücken verschwanden sie für immer in den Tiefen der Meere oder wurden in späteren Zeiten wieder eingeschmolzen. Mit Hilfe von überlieferten Unterlagen und Aufzeichnungen aus jener Zeit versucht eine traditionsreiche Gießerei in Innsbruck eine solche Kanone zu gießen und die Kunst der alten Meister nachzuahmen.

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